"Seebrücke" auf der Brust : Der SV Babelsberg 03 bleibt sich treu

Die Verantwortlichen des Regionalligisten SV Babelsberg 03 wollen durch die Kooperation mit der Flüchtlings-Initiative "Seebrücke" ein Zeichen setzen.

Peter Könnecke
Trikotwerbung mal anders. Der SV Babelsberg setzt einmal mehr Zeichen.
Trikotwerbung mal anders. Der SV Babelsberg setzt einmal mehr Zeichen.Foto: dpa

Im Fußball kickt der SV Babelsberg 03 (SVB) in der vierten Liga, gesellschaftspolitisch engagiert sich der Potsdamer Kiezverein auf höchstem Niveau. In der neuen Regionalliga-Saison laufen die Spieler von Nulldrei mit dem Logo der „Seebrücke“ auf der Trikotbrust auf. Die Initiative setzt sich für die Arbeit der Seenotretter im Mittelmeer ein und fordert europaweit sichere Fluchtwege sowie eine menschenwürdige Aufnahme dieser Menschen. „Selten gab es ein Projekt in den letzten Jahren, mit dem Vereine ihre Haltung nach Außen derart dokumentieren“, sagte Babelsbergs Präsident Archibald Horlitz am Donnerstag, als die Kooperation offiziell vorgestellt wurde.

Für den SVB ist es die Fortsetzung eines Engagements, das 2014 begonnen wurde. Damals gründete der Verein mit Welcome United 03 das erste reine Flüchtlingsteam im deutschen Fußball, das in den regulären Spielbetrieb integriert wurde. Vor genau einem Jahr löste der SVB das Welcome-Team auf, was als Erfolg gewertet wurde: Viele der Spieler sind integriert, haben einen Job, Familie und andere Verpflichtungen, sodass sie immer weniger Zeit für regelmäßiges Training und Spiele am Wochenende hatten. Einige einstige Welcome-Kicker spielen noch immer in der zweiten Mannschaft des SVB oder bei anderen Vereinen. „Unsere Welcome-Spieler sind angekommen, viele andere aber sind noch auf der Flucht“, sagte Horlitz und nannte die Kooperation mit „Seebrücke“ daher eine konsequente Fortsetzung des Babelsberger Engagements.

Dass der Verein ein solches Zeichen setzen kann, verdankt er auch seinen zwei Großsponsoren. Der Hafermilch-Hersteller Oatly, der den SVB seit dieser Saison finanziell unterstützt und vor allem die energetische Sanierung des Karl-Liebknecht-Stadions fördert, hat ebenso auf eine Trikotwerbung verzichtet wie das städtische Versorgungsunternehmen EWP (Energie und Wasser Potsdam). Das finanzielle Engagement der beiden Unternehmen hätte deren Präsenz auf der Trikotbrust gerechtfertigt. „Aber sie unterstützen uns über ihren finanziellen Beitrag hinaus dadurch, dass sie die Trikotwerbung weitergeben. Wir hätten uns durchaus auch einen dritten Trikotsponsor suchen können, aber wir haben uns ganz bewusst dafür entschieden, dieses Zeichen zu setzen“, sagt SVB-Marketingchef Thoralf Höntze.

Natürlich hofft der Viertligist, dass sich sein Engagement nicht nur ideell auszahlt, sondern auch wirtschaftlich – etwa durch einen deutschlandweiten Verkauf seiner Trikots. Die erste Auflage mit 300 Trikots ist bereits verkauft, 400 weitere Bestellungen liegen laut Höntze vor. Jeweils fünf Euro pro verkauftes Shirt spendet der Verein an die „Seebrücke“. Schon einmal hat der SVB damit gute Erfahrungen gemacht, als er im vergangenen Jahr mit seiner Kampagne „Nazis raus aus den Stadien“ in ganz Deutschland ein Echo fand. Damals hatten auch etliche Bundesligaklubs ein Benefizspiel gegen den SVB in Aussicht gestellt. „Es ist leider nur bei Ankündigungen geblieben“, stellte SVB-Chef Horlitz nüchtern fest und betonte: „Es ist unsere ganz eigene Verantwortung, immer wieder Position zu beziehen und Haltung zu zeigen.“

Am Samstag bei Chemie Leipzig laufen die Babelsberger erstmals in ihren neuen Trikots auf

Liza Pflaum ist dankbar, dass der SVB das tut. „Diese ideelle Hilfe ist wichtiger denn je“, sagte die Sprecherin der „Seebrücke“-Initiative, die vor einem Jahr als soziale Bewegung gegründet worden war, um sich für die Rettung von Migranten auf dem Mittelmeer einzusetzen und sie in einen „sicheren Hafen“ zu bringen. Zu einem solchen hat sich bereits im vergangenen Dezember die Stadt Potsdam erklärt – wie aktuell 85 weitere deutsche Kommunen. Die märkische Landeshauptstadt hat zudem mit der „Potsdamer Erklärung“ die Bundesregierung aufgefordert, aufnahmebereite Kommunen und Gemeinden stärker zu unterstützen. 18 Städte sind inzwischen der Initiative beigetreten. „Wir brauchen das zivilgesellschaftliche Engagement, wie es der SV Babelsberg 03 leistet, um Druck auf die Politik auszuüben, um endlich Lösungen und Regelungen bei der Aufnahme von Geflüchteten zu finden“, sagt Ursula Löbel vom Toleranzbündnis „Potsdam bekennt Farbe“, in dem auch der SVB Mitglied ist.

Am Samstag beim zweiten Regionalliga-Saisonspiel auswärts bei der BSG Chemie Leipzig werden die Babelsberger Regionalliga-Kicker erstmals mit der neuen Trikotwerbung auflaufen. „Eine gute Sache“, sagt der derzeit verletzte Mannschaftskapitän Philip Saalbach und hofft, „dass die dem Verein auch Türen öffnet“.

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