Start in der Bundesliga : Hannover 96 und das verflixte zweite Jahr

An sich spricht nicht nur die Statistik für einen Abstieg von Hannover 96. Und trotzdem: Die Niedersachsen werden die Klasse halten. Ein Kommentar.

Lange Schatten werfen. Hannovers Spieler nach dem 6:0 in Karlsruhe im DFB-Pokal, dem ersten Pflichtspiel der Saison.
Lange Schatten werfen. Hannovers Spieler nach dem 6:0 in Karlsruhe im DFB-Pokal, dem ersten Pflichtspiel der Saison.Foto: Uli Deck/dpa

Eine durchschnittliche Ehe kommt ja erst im siebten Jahr in ihre substanzielle Krise. Daran gemessen ist die Bundesliga schnelllebiger. Dort rostet die Liaison mit der Liga meist schon im zweiten Jahr: Ein Jahr lang kann sich ein Aufsteiger halten, danach aber geht es doch wieder herunter. In Saison eins hat der Klub vom Schwung des Aufstiegs und von der Euphorie des Umfelds gelebt, im zweiten Jahr geht er dann im tristen Ligaalltag am Tabellenende unter. Die besten Spieler sind ja nach der Vorsaison längst weggekauft worden. Nach dieser Formel steht ein Klub als Absteiger für die am Freitag beginnende Bundesliga-Saison schon fest: Hannover 96.
Denn die Niedersachsen erfüllen das essentielle Kriterium, was sie als Absteiger im verflixten zweiten Jahr qualifiziert. Neun gute Spieler sind weg. Mit Salif Sane, Martin Harnik und Felix Klaus sind drei der wichtigsten Profis gegangen – auch wenn Harnik zuletzt mehr für guter Stimmung als schöne Tore zuständig war. Die als Ersatz geholten Zugänge wie Genki Haraguchi, Takuma Asano, Kevin Wimmer, Hendrik Weydandt oder Bobby Wood können da nicht mithalten. Und dann ist es mit der Euphorie und Laune bei den Fans in Hannover 96 so eine Sache, auch wenn sie ihren Stimmungsboykott aufgegeben haben. Der allmächtige Klubchef Martin Kind ist mit seinem Ringen um die Komplettübernahme des Klubs ja nicht nur eine Stimmungskanone: Gut möglich, dass die Laune kippt, wenn die Roten durch eine Niederlagenserie schlittern. Und dann haben die Hannoveraner mit Trainer André Breitenreiter noch bis 2021 verlängert. Halten sie alle für schlau an der Leine, ist aber auch ein Wagnis. Denn als Profitrainer hat es Breitenreiter bisher nie auf drei Spielzeiten bei einem Klub gebracht. Seit 2017 ist er in Hannover.
Aber: Hannover wird nicht absteigen. Denn die Niedersachsen waren vergangene Saison kein üblicher Aufsteiger, vielmehr ein Bundesligarückkehrer. Seit 2002 war Hannover in der Bundesliga, die Saison 2016/2017 also nur ein Intermezzo in Liga zwei. Hannover ist gefühlt seit knapp zwei Jahrzehnten Bundesliga und hat auch das Selbstbewusstsein eines Bundesligastandorts. Und Breitenreiter sorgt – wohl aus eigener Erfahrung – für Bewegung. Nun ersetzt der Trainer Stammkeeper Philipp Tschauner durch Ersatzmann Michael Esser ersetzt. Zum Saisonauftakt gab es dieses rauschende 6:0 im DFB-Pokal beim Karlsruher SC. So spielt kein Absteiger in die Saison.
Wobei – manche Ehe sieht zu Beginn des siebten Jahres auch noch besser als am Ende des siebten Jahres aus.

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