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Titelverteidiger mit Ambitionen: Die Elfenbeinküste wird das DFB-Team vor Probleme stellen
Bei der WM 2026 wird das deutsche Fußballteam in der Gruppenphase auf die Elfenbeinküste treffen. Aktuell sind die Ivorer beim Afrika-Cup gefordert und zeigen eindrucksvoll, warum mit ihnen dort zu rechnen ist.
Stand:
Julian Nagelsmann dürfte dieser Tage ganz genau nach Marokko blicken. Seit dem 21. Dezember findet dort der Afrika-Cup statt und am Dienstagabend zog die Elfenbeinküste nach einem starken 3:0-Sieg gegen Burkina Faso ins Viertelfinale ein.
Dem Bundestrainer wird dabei sicher nicht entgangen sein, welche große Qualität da auf ihn und das deutsche Fußball-Nationalteam bei der WM im Sommer zukommen wird. „Die Elfenbeinküste ist Afrikameister. Auch das ist definitiv ein Qualitätsmerkmal. Es ist eine athletische Mannschaft, die wie viele afrikanische Teams körperlich auf einem guten Niveau ist“, sagte Nagelsmann nach der WM-Auslosung in Washington.
Am 20. Juni wird es im zweiten Vorrundenspiel in Toronto zum zweiten Aufeinandertreffen überhaupt kommen. Das erste endete 2009 auf Schalke in einem Freundschaftsspiel 2:2.
Nagelsmanns Einschätzung greift ein gängiges europäisches Klischee auf: Afrikanische Nationalteams werden oft auf Physis und Athletik reduziert. Was sich allerdings nicht erst seit diesem Afrika-Cup gezeigt hat, ist, dass die Mannschaften auch fußballerisch überzeugen. Das trifft auch auf die Elfenbeinküste, den Titelverteidiger, zu.
Mix aus Erfahrung und jungen Talenten im Kader
Das Gesicht des Teams von Trainer Emerse Faé prägen nach wie vor Spieler wie der 29-jährige Kapitän Franck Kessié, Torhüter Yahia Fofana oder Sébastien Haller, bestens bekannt aus der Bundesliga. Der Stürmer schoss die Ivorer vor zwei Jahren zum Titel im eigenen Land, der wie ein Fußballwunder gefeiert wurde. Bei der aktuellen Kontinentalmeisterschaft fehlt er allerdings verletzungsbedingt.
Doch auch ohne den 31-Jährigen, der mittlerweile beim FC Utrecht spielt, gehört seine Mannschaft zum Favoritenkreis. Das liegt an der Arbeit von Emerse Faé, der vor zwei Jahren in einer völlig aussichtslosen Situation mitten im Turnier übernahm.
Zunächst startete er als Co-Trainer von Jean-Louis Gasset in den Afrika-Cup, ehe dieser nach einer schwachen Vorrunde mit zwei Niederlagen entlassen wurde. Nur dank eines günstigen Ergebnisses in einer anderen Gruppe erreichte die Elfenbeinküste als einer der besten Dritten die K.-o.-Runde, der Rest ist ein Fußballmärchen.
Seit seiner Beförderung hat der 41-jährige Faé mutige Entscheidungen getroffen, seinen Kader deutlich verjüngt und dafür einiges an Kritik einstecken müssen. Der laufende Afrika-Cup, bei dem neben Topstar Amad Diallo (23, Manchester United) insbesondere die jungen Spieler Bazoumana Touré (19, TSG Hoffenheim), Christ Inao Oulai (19, Trabzonspor) und Yan Diomande (19, RB Leipzig) überzeugen, gibt ihm aber recht. Sie sorgen zudem dafür, dass die Elfenbeinküste mittlerweile anders wahrgenommen wird.

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In der Vergangenheit war die Nation besonders für ihre Defensivstärke bekannt. In der gesamten WM-Quali kassierte man in zehn Spielen kein einziges Gegentor. Ein Verdienst der erstklassigen Abwehrkette, die Trainer Faé zur Verfügung steht. So gehören etwa Ex-Frankfurter Evan N’Dicka vom AS Rom, Bergamos Odilon Kossounou (einst Bayer Leverkusen), Ousmane Diomandé von Sporting Lissabon und Emmanuel Agbadou (Wolverhampton) zum Aufgebot. Eine solche Verteidigung wird auch das DFB-Team vor einige Probleme stellen.
Die Ivorer sind nicht nur defensiv top besetzt
Für Sorgenfalten auf der Stirn von Julian Nagelsmann könnten allerdings auch die beiden Flügelspieler Diallo und Diomandé sorgen, die der Elfenbeinküste ebenso viel Qualität in der Offensive verleihen. Diomandé erzielte gegen Burkina Faso seinen ersten Treffer, für Diallo war das Führungstor am Dienstagabend bereits Tor Nummer vier.
Auch aus defensiver Sicht könnten sie dem DFB-Team gefährlich werden. Denn kaum eine andere Nation beim Afrika-Cup kann solch ein aggressives Angriffspressing spielen wie die Elfenbeinküste. Und damit tat sich die deutsche Elf in der Vergangenheit – vor allem in der WM-Qualifikation gegen Luxemburg – besonders schwer.
Das Team aus Westafrika kann sich also auf seine mannschaftliche Geschlossenheit verlassen und hat sowohl in der Defensive als auch in der Offensive einiges zu bieten. Am Samstag steht das Duell mit Rekordsieger Ägypten um Mohamed Salah an (20 Uhr, Dazn). Julian Nagelsmann dürfte dann erneut genau hinschauen und einen ernsthaften Vorgeschmack auf das bekommen, was sein Team bei der WM 2026 erwartet.
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