Union Berlin : Felix Kroos antwortet lieber auf dem Platz

Der abgesetzte Kapitän rettet Union Berlin gegen Aue drei Punkte, möchte darüber aber nicht sprechen. Ihm gefalle die Berichterstattung nicht, heißt es.

Alter und neuer Kapitän. Felix Kroos (l.) und Christopher Trimmel verstehen sich auch nach dem Ämterwechsel noch.
Alter und neuer Kapitän. Felix Kroos (l.) und Christopher Trimmel verstehen sich auch nach dem Ämterwechsel noch.Foto: Annegret Hilse/dpa

Felix Kroos war der Mann des Tages, das stand außer Frage. Ein eher wenig mitreißendes erstes Saisonspiel hatte er künstlerisch wertvoll zugunsten des 1. FC Union entschieden. Für Montagmittag war er deshalb angefragt worden, zur Nachlese quasi. Vier Zeitungsjournalisten hatten sich im kleinen Presseraum des Berliner Zweitligisten versammelt, um vom 1:0-Siegtorschützen gegen Erzgebirge Aue ein paar Dinge aus erster Hand zu erfahren. Ein paar Sätze nur über sein wunderschönes Freistoßtor, über seine Gefühlslage.

Kroos, der am Vortag nur mit dem Fernsehen und in die Vereinskamera gesprochen hatte, erschien jedoch erneut nicht. Die Absage erteilte er über einen Pressesprecher der Köpenicker. Dem Vernehmen nach habe Kroos die Berichterstattung nicht gefallen. Im Vorfeld des ersten Spieltages soll er mit den Texten über den Verlust der Kapitänsbinde unzufrieden gewesen sein, heißt es.

Kroos ist nach zwei Jahren nur noch Stellvertreter von Christopher Trimmel. Und in den Artikeln nach dem Aue-Spiel fühlte sich Kroos wohl zu oft mit seinem Bruder Toni von Real Madrid verglichen. Die Parallelen liegen allerdings auf der Hand.

Zum einen können beide wunderschöne Freistöße schießen. „Gut zugeschaut“, beantwortete etwa Nationalspieler Toni Kroos einen offiziellen Union-Tweet nach dem nahezu perfekt getretenen ruhenden Ball von Felix Kroos. Zum anderen halten die beiden Kroos-Brüder wohl nicht allzu viel von Medienvertretern. Felix Kroos, bei dem bisweilen ein gefühlter Schuss Überheblichkeit und norddeutscher Witz eng beieinander liegen können, blieb damit ein Stück weit in der Vergangenheit hängen. Schon in der letzten Saison, die fast mit dem Abstieg geendet hätte, zog er am Ende das Schweigen vor.

Unions damaliger Trainer André Hofschneider hatte Kroos bis zu dessen Verletzung drei Spieltage vor Saisonende immer wieder aufgestellt. Aber Kroos konnte dies nur bedingt rechtfertigen. In der gesamten Spielzeit erzielte er in 29 Partien nur einen einzigen Treffer. Nicht eine Torvorlage steuerte der frühere Erstliga-Profi von Werder Bremen (65 Spiele) bei. Das führte in der Öffentlichkeit zu Kritik an seiner Person.

Keine optimale Vorbereitung

Auch die Vorbereitung zur neuen Spielzeit lief für Kroos nicht optimal. Eine Leistenverletzung stoppte ihn. Gegen Aue wurde er deshalb erst in der 81. Minute eingewechselt. Sechs Minuten reichten ihm zum Befreiungsschlag. Der Jubel in Köpenick fiel epochal aus. Selbst Torwart Rafal Gikiewicz eilte aus dem entfernten Kasten herbei. „Es war mein erster Sprint im Spiel. Wer rein kommt, muss sich zeigen“, sagte Gikiewicz. Kroos habe das getan und ein Supertor geschossen.

Trainer Urs Fischer war auch am Tag nach dem Spiel mit sich und der Welt im Reinen. Zwischen dem Auslaufen und dem Flug in die Schweizer Heimat drückte der 52 Jahre alte Fußball-Lehrer in Trainingsklamotten seinen Stolz auf den Sieg bei seiner Pflichtspiel-Premiere aus. „Ich bin nicht nur mit dem Ergebnis zufrieden, auch sonst. Der Druck lag nur bei uns. Die Erwartungshaltung war hoch“, sagte Fischer. „Wir haben einen großen Aufwand betrieben, damit wir am Schluss belohnt wurden. Defensiv hatten wir Aue bis auf zwei Aktionen im Griff.“

Daran hatte auch Innenverteidiger Michael Parensen seinen Anteil. Unions letzter verbliebener Aufstiegsheld von 2009 stand – für Außenstehende überraschend – in der Startelf. Dass Parensen gegenüber Youngster Lars Dietz den Vorzug bekam, spricht für seine Flexibilität und Erfahrung. Die Auswärtspartie am Montag beim 1. FC Köln könnte Parensens 200. Zweitligaspiel werden. Zum Saisonende läuft der Vertrag aus, er genießt mit Bedacht. „Ich habe immer gesagt, dass es mein Job ist, meine Arbeit zu machen und da zu sein, wenn ich gebraucht werde“, sagte Parensen. „Diesmal hat mich der Trainer gebraucht und es ist mit einem Sieg auch aufgegangen.“ Gut möglich, dass der Routinier in Köln wieder von Beginn an spielen wird. Wie erfolgreich das Gastspiel am Rhein verläuft, könnte dann auch wieder an den Antworten liegen, die Felix Kroos auf dem Platz gibt.

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