Vorteile auf dem Transfermarkt : Warum Ausstiegsklauseln so populär sind

Wenn Fußballprofis Verträge abschließen, sind viele Modelle denkbar. In diesem Winter gaben die Bundesligisten 190 Millionen Euro aus – so viel wie noch nie.

BVB-Brecher. Erling Haaland kann die Dortmunder wohl vorzeitig wieder verlassen – dank Ausstiegsklausel.
BVB-Brecher. Erling Haaland kann die Dortmunder wohl vorzeitig wieder verlassen – dank Ausstiegsklausel.Foto: Ina Fassbender/AFP

Erling Haaland hat mal ein schönes rotes Bobbycar besessen, das offenbar so zuverlässig brummte, dass es der neue Dortmunder Fußballstar auch als 16-Jähriger noch fuhr. Das jedenfalls legt ein hippes Filmchen auf der Videoplattform Youtube nahe.

Es zeigt, wie Haaland auf seinem Flitzer sitzt, breitbeinig nämlich, die Füße in weißen Tennissocken und Badelatschen steckend. Begleitet wird er dabei von zwei Kumpels, mit denen er mehr schlecht denn recht den Rap-Song „Kygo Jo“, nun ja, zum Besten gibt. Gäbe es eine Ausstiegsklausel aus diesem Hobbytrio, der inzwischen 19-Jährige würde sie vermutlich ziehen. Aber das Internet ist in dieser Beziehung wesentlich gnadenloser als Haalands aktueller Arbeitgeber.

Bundesliga gibt 190 Millionen Euro aus

Wie verschiedene Medien berichteten, soll Borussia Dortmund dem Stürmer bei dessen Wechsel aus Salzburg eine Ausstiegsklausel zugesichert haben. Haaland könnte den Klub also bereits vor dem offiziellen Ende seiner Vertragslaufzeit verlassen. Kolpotierte 75 Millionen Euro müssten laut „Sport Bild“ fließen, damit der Angreifer im Sommer 2021 sich aus Dortmund verabschieden dürfte.

Das überrascht insofern, als dass Aki Watzke solche Optionen einst ausschloss. „Es wird künftig bei Borussia Dortmund keine Ausstiegsklauseln mehr geben“, hatte der BVB-Geschäftsführer infolge des Transfers von Mario Götze nach München gesagt. Götze hatte den BVB 2013 mithilfe einer Ausstiegsklausel verlassen.

Dass Watzke nicht Wort halten konnte, überrascht Stefan Schreiber kaum. „Der Druck auf die Vereine nimmt zu, das nutzt den begehrten Spielern“, sagt der Sportrechtler. „Dortmund hätte Haaland wohl nicht bekommen, wenn man ihm keine Ausstiegsklausel zugesichert hätte.“

Immerhin soll halb Europa Haaland gejagt haben, darunter so glanzvolle Klubs wie Manchester United oder Juventus Turin. „Je begehrter ein Spieler ist, desto höher stehen die Chancen, dass er eine Ausstiegsklausel erwirken kann. Es ist immer eine Frage der Verhandlungsposition“, sagt Schreiber.

Da in die Märkte immer mehr Geld fließt, das die Klubs in Spieler reinvestieren, sitzen die begehrten Kicker oft in einer besseren Position. Nie zuvor gab die Fußball-Bundesliga im Winter für neue Spieler so viel Geld aus wie diesmal. Mehr als 190 Millionen Euro investierten die Klubs. Absolute Spitze ist übrigens Hertha BSC dank der Windhorst-Millionen.

Immer schön flexibel bleiben

Unterschrieben wird dort, wo der eigene Karriereplan auf möglichst wenig Widerstand trifft. Verträge, die Flexibilität und Unabhängigkeit garantieren, sind deshalb begehrt. Klubs, die konkurrenzfähig bleiben wollen, müssen die Mechanismen des modernen Fußballgeschäfts akzeptieren.

Dazu gehört auch, dass Fußballer bei ihrem neuen Klub ihre eigenen Marken und Werbepartner miteinbringen möchten. Für welches Parfüm oder welche Automarke sie werben dürfen, kann und sollte im Vertrag stehen. Die Zeiten, in denen Verträge noch auf Bierdeckel passten, sind - so es sie jemals gab - vorbei. Und auf den guten alten Handschlag vertrauen höchstens noch Kreisligamäzene.

„Ein Vertrag kann 20 Seiten umfassen, manchmal auch 30“, sagt Schreiber. Viel Papier also, auf dem prinzipiell alles geregelt werden kann. „Es gibt nichts, was es nicht gibt“, sagt ein langjähriger Bundesliga-Manager.

Ein paar Mindeststandards enthält aber jedes Schriftstück, das deutsche Profiklubs aufsetzen. Natürlich müssen immer die Parteien benannt werden, die den Vertrag abschließen. Ein Block listet die Rechte und Pflichten gegenüber den Fußballverbänden (DFB/DFL, Uefa, Fifa) auf, ein weiterer klärt klassische Arbeitnehmervorgaben; dass sich die Spieler dazu verpflichten, den Weisungen des Klubs zu folgen, etwa bei Verletzungen oder der Kleiderwahl bei offiziellen Terminen.

Verzicht auf Rechte

Quasi obligatorisch ist die Abtretung gewisser Persönlichkeitsrechte. Wer zum Beispiel das Recht am eigenen Bild exklusiv haben möchte, wird im Profifußball keinen Arbeitgeber finden. Ohne die Rechteabtretung könnte die Deutsche Fußball-Liga keine milliardenschweren TV-Verträge abschließen. Abmachungen zwischen Spielern und Vereinen, die dem zuwider laufen, würde der Ligaverband deshalb nicht durchwinken.

Neben Vergütungsthemen wie Grundgehalt, Prämien oder Boni regelt der Vertrag auch, wie viel Urlaub ein Spieler erhält. Und weil der Vertrag auf Lebenszeit nur eine schöne Floskel ist, handeln die Parteien noch eine Laufzeit aus – mit etwaiger Ausstiegsklausel eben. Ab wann diese greift und ab welcher Höhe, ist eiserne Verhandlungssache. Laut „Sport Bild“ habe der BVB im Falle Haalands den Preis für einen vorzeitigen Abgang erfolgreich nach oben getrieben.

Naturgemäß pochen Spieler und Berater auf einen möglichst niedrigen Ausstiegspreis. Wenn mehr Klubs bereit sind, die geforderte Summe für einen vorzeitigen Exit aufzubringen, verbessert das automatisch die Verhandlungsposition des Spielers. Ein neuer lukrativer Vertrag winkt, möglicherweise verpackt mit der nächsten Ausstiegsklausel.

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