Werder Bremens Eigengewächs : Maximilian Eggestein weiß, was der Trainer will

Maximilian Eggestein gilt als eine der Entdeckungen der Saison. Jetzt ist Werder Bremens Mittelfeldspieler erstmals in die Nationalmannschaft berufen worden.

Laurenz Schreiner
Auf dem Weg nach vorne: Maximilian Eggestein (rechts) hat sich in dieser Saison einen Namen gemacht.
Auf dem Weg nach vorne: Maximilian Eggestein (rechts) hat sich in dieser Saison einen Namen gemacht.Foto: Peter Steffen/AFP

Die Familie Eggestein redet sehr viel über Fußball. Und wenn sie nicht darüber redet, guckt sie Fußball im Fernsehen. Kein Wunder, wenn die drei Männer in der Familie alle Spitzenfußballer sind. Vater Karl Eggestein spielte vor knapp 30 Jahren in der Zweiten Liga bei Havelse, seine Söhne Maximilian und Johannes stehen im Kader von Werder Bremen. „Ohne Fußball würde es in dieser Familie wohl nicht mehr gehen“, sagt Maximilian, der älteste von drei Geschwistern.

Der 22-Jährige ist mittlerweile der bekannteste Eggestein. Das liegt an seinen starken Leistungen in dieser Saison. In allen 25 Ligaspielen stand er von Beginn an auf dem Platz, nur einmal wurde er ausgewechselt. Auch am Sonntag gegen Leverkusen (13.30 Uhr, live im Eurosport Player) wird Trainer Florian Kohfeldt um Eggestein sein Mittelfeld aufbauen.

Die beiden kennen sich schon seit 2011, als Eggestein mit 14 Jahren aus Garbsen bei Hannover in die Nachwuchsabteilung von Werder Bremen wechselte. In den Jugendmannschaften kreuzten sich ihre Wege mehrmals, Eggestein stand als Spieler auf dem Platz, Kohfeldt als Trainer daneben. Eggestein nennt ihn „Flo“. Die lange gemeinsame Zeit habe ihre Vorteile, sagt Eggestein dem Tagesspiegel: „Ich weiß zum Beispiel, auf welche taktische Sachen er Wert legt.“

Bei Bremen spielt er zur Zeit auf seiner Lieblingsposition, der Acht. Gemeinsam mit Davy Klaassen ist er Kohfeldts Bindeglied zwischen der Abwehr und dem Angriff um Max Kruse. Dabei hilft Eggestein seine enorme Laufstärke: Nach Joshua Kimmich ist er in dieser Saison der Spieler mit der höchsten Laufleistung. Eggestein freut sich vor allem über seine neue Torgefahr: „Ich traue mir immer öfter zu, aus der Entfernung zu schießen oder ins Dribbling zu gehen.“ Das zahlt sich aus. Der Mittelfeldspieler erzielte schon fünf Tore.

Einen, der das Toreschießen noch besser kann, kennt Maximilian Eggestein besonders gut: seinen Bruder Johannes. Der 20-Jährige ist Stürmer bei Werder, die beiden haben ein sehr gutes Verhältnis. Sie wohnen nur wenige hundert Meter auseinander. „Wir sind fast immer zusammen, gerade nach dem Training. Dann spielen wir Playstation oder schauen Fußball“, sagt Maximilian.

Brüderpaare gibt es im Profifußball immer wieder: Schon die Altintops, Kovacs und Boatengs schafften gemeinsam den Weg an die Spitze. „Jojo und ich haben sehr früh angefangen, zusammen zu kicken“, sagt Maximilian Eggestein über seinen ersten Trainingspartner zu Hause, „für uns beide hat Fußball immer die größte Rolle im Leben gespielt.“

Die Topklubs strecken schon die Fühler aus

Wie lange die beiden Brüder noch zusammen spielen, ist unsicher. Sicher ist aber, dass die starken Leistungen von Maximilian das Interesse großer Klubs geweckt haben. In der Winterpause wurde kurzzeitig über einen Wechsel zu Paris St. Germain spekuliert, Thomas Tuchel scheint den Bremer im Hinterkopf zu haben. In den vergangenen Tagen kursierten Gerüchte über einen Wechsel zu Borussia Dortmund. Eggestein, dessen Marktwert vom Onlineportal Transfermarkt.de auf 25 Millionen Euro geschätzt wird, hat bei Bremen noch einen Vertrag bis 2020.

Der Held des Bundesliga-Spieltags
Die Torstatistik von Andrej Kramaric legt auf den ersten Blick nahe, der Stürmer habe lediglich eine halbe Stelle in Hoffenheim angetreten: 34 Tore hat er in den Rückrunden seiner vier Spielzeiten für die TSG erzielt, aber nur zwölf in den Hinserien. Insgesamt macht das 46 Treffer – der letzte kam nun am Samstag gegen den VfB Stuttgart hinzu, als er das zwischenzeitliche 1:0 erzielte. Damit schloss der Kroate auf zu Sejad Salihovic, dem bisherigen Rekordtorschützen der TSG. Dass Kramaric sich demnächst auch noch zum alleinigen Rekordhalter der Hoffenheimer aufschwingen wird, kann eigentlich keine Frage sein. Die Rückrunde dauert ja noch ein Weilchen. Leonard BrandbeckWeitere Bilder anzeigen
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18.03.2019 16:15Die Torstatistik von Andrej Kramaric legt auf den ersten Blick nahe, der Stürmer habe lediglich eine halbe Stelle in Hoffenheim...

Der Spieler vermeidet Äußerungen zu seiner Zukunft und will sich auf den Fußball konzentrieren. „Gerade an Spieltagen versuche ich, mich davon freizumachen – auch wenn ich das natürlich nicht ganz kann, weil es ja die eigene Zukunft ist.“ Eggestein weiß auch, dass er eine Entscheidung nicht mehr allzu lange aufschieben kann. „Irgendwann muss ich mich damit beschäftigen.“ Die Bremer Verantwortlichen wollen ihr Eigengewächs unbedingt halten. „Er ist niemandem zu Dank verpflichtet, weder Werder Bremen insgesamt noch mir. Und trotzdem glaube ich, dass auch für seinen nächsten Schritt Werder Bremen ein sehr guter Verein ist“, sagte Trainer Kohfeldt dem NDR.

Genug Entwicklungspotenzial wäre da. Langfristig möchte Eggestein zu den Führungsspielern gehören. „Da bin ich auf einem guten Weg, und den will ich natürlich weiterführen“, sagt er. Vielleicht ja über den Sommer hinaus?

Es geht auch ohne Instagram

Bei all dem Trubel um seine Person ist es angenehm für Eggestein, dass er sich in den sozialen Netzwerken sehr zurückhält und zum Beispiel keinen Instagram-Account pflegt. „Gerade wenn ich meine Situation sehe, müsste ich mich zur Zeit sicher mit vielen Kommentaren rumschlagen, was das Thema Wechseln oder Bleiben angeht“, erklärt er. Darauf verzichtet er gerne. Ohnehin scheint der ruhige Eggestein kein Spieler zu sein, der Selfies aus der Kabine oder vom Strandurlaub postet.

Schlagzeilen macht er lieber durch den Fußball – und da geht es plötzlich schneller voran als erwartet. Am Freitag verkündete Bundestrainer Joachim Löw, dass er Eggestein erstmals für den Kader der Nationalmannschaft nominiert hat. Während Eggestein zuvor brav darauf hinwies, dass sein Fokus auf der U-21-Europameisterschaft im kommenden Sommer liegt, darf er nun gegen Serbien (Mittwoch) oder Holland (Sonntag) auf sein erstes A-Länderspiel hoffen. „Es ist eine große Ehre, ausgewählt worden zu sein“, sagte er nach der Berufung. Der letzte Nationalspieler von Werder Bremen war Serge Gnabry. Er spielt mittlerweile bei Bayern München um die Meisterschaft.

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