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Mijajlo Marsenic (rechts) tat sich mit den Füchsen sehr schwer.
© IMAGO/Oliver Vogler

Füchse weiter mit Chancen auf Champions League: "Wir haben die Nerven behalten, das tut auch mal gut"

In Wetzlar arbeiten sich die Füchse Berlin zu einem wichtigen Sieg und halten den Anschluss an das Spitzentrio der Handball-Bundesliga.

Manch einer mag schon die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen haben. Zwar diskutierte Viran Morros noch, aber dem Habitus der Schiedsrichter war eindeutig zu entnehmen, dass der Abwehrspezialist der Füchse Berlin sich mit seinem forschen Vorgehen eine Rote Karte eingehandelt hatte. Und das zu einem Zeitpunkt, an dem sich sein Team gerade erst auf ein Tor herangekämpft hatte. Nun mussten die Berliner vier Minuten in Unterzahl überstehen – eine Strafe gab es zusätzlich fürs Meckern dazu – und hoffen, dass es trotzdem noch für einen Sieg in den letzten zwanzig Minuten reichen würde. Und es reichte. Mit einem Kraftakt gewann das Team von Trainer Jaron Siewert am Samstagabend bei der HSG Wetzlar mit 30:28 (12:15) und hält somit weiter Anschluss zum Spitzentrio der Handball-Bundesliga (HBL).

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„Das hätte ganz anders ausgehen können. Aber wir haben in dem engen Spiel die Nerven behalten. Das tut auch mal gut”, sagte Siewert nach Abpfiff erleichtert. Nachdem seine Mannschaft am Wochenende zuvor die Partie gegen den SC Magdeburg in der Schlussphase aus der Hand gegeben hatte, gelang es diesmal, einen kühlen Kopf zu bewahren und zwei Punkte mitzunehmen. Allerdings verkaufte sich der Tabellenvierte bei den Mittelhessen lange unter Wert. „Wir haben viele technische Fehler gemacht, viele Würfe liegen gelassen. Da haben wir Glück, dass Wetzlar die Fehler nicht noch mehr bestraft. Wir haben gar keinen Zugriff in der Abwehr oder die nötige Bissigkeit im Angriff”, monierte der Coach.

Die erste Halbzeit wurde „völlig verschlafen”, befand auch Nationalspieler Fabian Wiede, dessen Abschlüsse zunächst wenig von Erfolg gekrönt waren. Mit zunehmender Zeit fanden seine Anspiele indes immer besser an den Kreis und konnten dort von Mijajlo Marsenic gewinnbringend umgesetzt werden. Nach der Pause nahm Wiede zudem in der Defensive eine wichtige Funktion ein, wurde von Siewert auf die Spitze der 5:1-Formation gestellt.

Fabian Wiede spricht von einem "Krampfsieg"

„Das haben wir in den letzten Wochen öfter mal trainiert und uns ein bisschen eingespielt. Man hat gesehen, dass noch nicht alles klappt, aber es kann ein gutes Mittel sein, um die Gegner vor neue Aufgaben zu stellen und da ein bisschen Verwirrung zu stiften”, sagte Wiede. Und diese Verwirrung war auch bei der HSG Wetzlar zu beobachten, die mehr und mehr Bälle vergab und dadurch Berlin ins Tempospiel brachte.

Abermals ging Wiede auf den Ballführenden weit vor, verursachte Abspielfehler oder für die Füchse günstige Abschlüsse. Im Verbund mit der restlichen Abwehr sowie Torhüter Dejan Milosavljev, der insgesamt bemerkenswerte 15 Paraden beisteuerte, erarbeitete sich Siewert Sieben sukzessive einen Vorsprung, der zwar nie wirklich deutlich wurde, aber bis zum Abpfiff reichen sollte.

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Ein „Krampfsieg” wie es Wiede ausdrückte, der allerdings fürs Selbstbewusstsein nicht zu unterschätzen sei. „Es ist wichtig, dass wir wissen, dass wir solch enge Spiele auch gewinnen können”, sagte der 28-Jährige. „Wir haben zuletzt gut gespielt, hatten aber Phasen, in denen wir vielleicht zu locker waren. Da ist es wichtig, dass wir den Kopf so einstellen, dass das nicht mehr passiert.” In den noch bevorstehenden sechs Begegnungen müsse die Fehlerzahl wieder minimiert werden, so der Rückraumschütze weiter. „Sonst kann das ganz schnell nach hinten losgehen”, warnte Wiede.

Denn das große Ziel Champions League hat sein Team noch nicht aufgegeben. Zwar mussten die Füchse zuletzt den dritten Platz für die SG Flensburg-Handewitt räumen, aber die zwei Mannschaften sind aktuell punktgleich und auch der Zweite THW Kiel ist nur zwei Minuspunkte im Vorteil. Patzt einer der beiden, besteht also noch durchaus die Chance, sich für die Champions League zu qualifizieren.

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