zum Hauptinhalt
Der frühere Bundesliga-Schiedsrichter Wolf-Dieter Ahlenfelder bei einem Bundesligaspiel 1987.

© dpa

Nachruf auf eine Schiedsrichter-Legende: Wolf-Dieter Ahlenfelder: Menschlich stark

Wolf-Dieter Ahlenfelder ist tot, der legendäre und legendär menschliche Schiedsrichter aus dem Ruhrgebiet, der auf dem Platz lieber auf robusten Dialog setzte als auf gelbe und rote Karten. Ein Nachruf.

Von Markus Hesselmann

Das Wunderbare an dem schönen Spiel ist ja, dass hier auch Menschen, die dem athletischen Schönheitsideal kaum entsprechen, nicht nur mittun, sondern groß rauskommen können. Von kleines dickes Müller bis zum Schlaks Thomas Müller – für Leni-Riefenstahl-Filme hat sich der Fußball nie angeboten.

Dafür hat er Hauptdarsteller wie Wolf-Dieter Ahlenfelder hervorgebracht, den Schiedsrichter aus dem Ruhrgebiet, dessen körperliche Erscheinung man in seiner Heimatstadt Oberhausen als „stabil“ einschätzen würde. Fußballfolklore sind seine Dialoge mit den Profis – Breitner: „Ahli, du pfeifst wie ein Arsch“, Ahlenfelder: „Paul, du spielst wie ein Arsch“. Ja, und natürlich auch jenes Spiel Bremen gegen Hannover 1975, in dem er nach einer guten halben Stunde zur Pause pfiff, was mit dem Genuss – eigener Aussage zufolge – eines Biers und eines Maltesers beim Mittagessen zu tun hatte.

Gegen Torrichter und Täfelchenhalter

Aber vor allem war Wolf-Dieter Ahlenfelder ein starker Schiedsrichter, der auf menschlichen Diskurs statt auf Karten setzte. Auf 106 Bundesligaspiele hat es Ahlenfelder gebracht und dabei nur vier mal Rot gezeigt. Die später einsetzende technische Aufrüstung und personelle Aufstockung des Schiedsrichter-Gespanns war ihm ein Graus. Ahlenfelder: „Dabei gibt's inzwischen sogar zwei extra Torrichter, die in der Nase bohren, und so einen Sesselfurzer, der als vierter Mann Täfelchen hochhält. Wir haben das früher mit drei Mann hingekriegt.“

Vergangenen Samstag starb Wolf-Dieter Ahlenfelder, der an einer schweren Zuckerkrankheit gelitten hatte. Er wurde 70 Jahre alt.

Wolf-Dieter Ahlenfelder kommt aus einer Zeit, als es im Ruhrgebiet noch so ziemlich jedes Kind, egal ob talentiert oder hoffnungslos, mit dem Fußballverein wenigstens mal versucht hat – und mit der Kirche. „Dazu war ich auch noch sieben Jahre Messdiener“, erzählte Wolf-Dieter Ahlenfelder 2012 in einem „11Freunde“-Interview. „Wenn ich einmal den Löffel abgebe, mein Platz im Himmel ist schon gesichert.“

Wolf-Dieter Ahlenfelder in der Fußballshow Scudetto TV

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen von unseren Redakteuren ausgewählten, externen Inhalt, der den Artikel für Sie mit zusätzlichen Informationen anreichert. Sie können sich hier den externen Inhalt mit einem Klick anzeigen lassen oder wieder ausblenden.

Ich bin damit einverstanden, dass mir der externe Inhalt angezeigt wird. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu erhalten Sie in den Datenschutz-Einstellungen. Diese finden Sie ganz unten auf unserer Seite im Footer, sodass Sie Ihre Einstellungen jederzeit verwalten oder widerrufen können.

Folgen Sie dem Autor Markus Hesselmann bei Twitter

Zur Startseite

showPaywall:
false
isSubscriber:
true
isPaid:
showPaywallPiano:
false