zum Hauptinhalt
Luke Littler ist nicht zu stoppen – das weiß auch die Konkurrenz.

© IMAGO/Pro Sports Images/IMAGO/Dennis Goodwin

Wunderkind Luke Littler: Ein Segen für den Dartsport – aber auch ein Problem

Die Dominanz des alten und neuen Weltmeisters begeistert und gibt dem Dartsport einen großen Schub. Sie erzeugt aber auch Druck – für den 18-Jährigen selbst und für die Konkurrenz.

Charlotte Bruch
Ein Kommentar von Charlotte Bruch

Stand:

Luke Littler hat das Finale der Darts-WM nicht nur gewonnen – er hat es kontrolliert. Früh war klar, wohin dieser Samstagabend im Londoner Ally Pally führen würde. Keine Aufholjagd, kein Zittern, kein dramaturgischer Umweg. Ein WM-Finale, das sich eher wie eine Bestätigung anfühlte als wie eine Herausforderung.

Gian van Veen konnte seinem Gegenüber den ersten Satz knapp abnehmen, danach kam nicht mehr der leiseste Zweifel am Triumph des 18-jährigen Littlers auf. Er verteidigte mit dem 7:1-Erfolg seinen Titel und dominierte dabei das Geschehen mit der Selbstverständlichkeit, die er schon das ganze Turnier über ausgestrahlt hatte.

Littler ließ seinem Gegner kaum Raum für Hoffnung, kaum Raum für Fehler – und eigentlich auch kaum Raum für Spannung.

Letztlich verlor Littler während der ganzen WM lediglich vier Sätze in sieben Spielen. Im Viertelfinale siegte er 5:0 nach Sätzen, im Halbfinale schickte er die Nummer acht der Welt, Ryan Searle, mit 6:1 nach Hause. Selbst der Niederländer van Veen, der bei diesem Turnier bislang so stark aufgespielt hatte, konnte ihm nicht das Wasser reichen. Im Anschluss sagte der 23-Jährige, dass er nicht gewusst habe, was er noch hätte besser machen können.

Es war eine Machtdemonstration Littlers, dem selbst die Kombination aus gegnerischer Qualität und immensem Erwartungsdruck der Öffentlichkeit nichts anhaben konnte. Der Engländer hat einmal mehr gezeigt, dass er sich in den kommenden Jahren eigentlich nur selbst schlagen kann. Littler könnte nun bis zum 4. Oktober keinen Pfeil mehr werfen und wäre dennoch die Nummer eins der Welt. Diese Dominanz ist ein Segen für den Sport, aber auch ein Problem.

Einerseits verschiebt Littler mit seinen Auftritten den Dartsport in den Mainstream. Er sorgt für Rekord-Einschaltquoten und ist auch abseits des Sports in der Öffentlichkeit gefragt. Seine Dominanz sorgt andererseits aber auch für Unmut bei den Fans, die vor allem im Ally Pally meist für den Underdog sind und gerne mal mit Pfiffen gegen den Favoriten provozieren. Diese Erfahrung musste auch Littler machen.

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen von unseren Redakteuren ausgewählten, externen Inhalt, der den Artikel für Sie mit zusätzlichen Informationen anreichert. Sie können sich hier den externen Inhalt mit einem Klick anzeigen lassen oder wieder ausblenden.

Ich bin damit einverstanden, dass mir der externe Inhalt angezeigt wird. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu erhalten Sie in den Datenschutz-Einstellungen. Diese finden Sie ganz unten auf unserer Seite im Footer, sodass Sie Ihre Einstellungen jederzeit verwalten oder widerrufen können.

Er reagierte mit einem kleinen Arroganzanfall, der die Debatte darüber auslöste, wie junge Stars mit Druck und Erwartung umgehen und was es mit einem Sportler macht, der so früh in der Karriere schon seinen Peak erreicht hat. Wer mit 16, 17 oder 18 dominiert, verschiebt die Maßstäbe. Siege gelten als Normalität, Niederlagen als Krise. Jeder Auftritt wird am eigenen Maximum gemessen, nicht an der Konkurrenz. Das dürfte auch auf Littler in den nächsten Jahren zukommen.

Zugleich verliert der Sport einen Teil seiner natürlichen Dramaturgie. Karrieren sind Erzählungen aus Aufstieg, Zweifel und Reife. Wer diesen Weg überspringt, nimmt dem Publikum das Mitwachsen. Hinzu kommt, dass der Dartsport weniger spannend wird. Das beste Beispiel war das Finale am Samstag, das rekordverdächtig schnell entschieden war.

All das macht die Leistungen von Luke Littler nicht weniger faszinierend, aber es verändert den Blick. Dieses Finale war kein Drama, es war eine Ansage. Und sie richtet sich nicht nur an die Konkurrenz, sondern an den Sport selbst. Luke Littler zwingt Darts, sich neu zu erzählen. Weniger als Überraschung, mehr als Hochleistung. Ob das alle lieben werden, ist offen. Dass man nicht mehr an ihm vorbeikommt, nicht.

Zur Startseite

showPaywall:
false
isSubscriber:
false
isPaid:
console.debug({ userId: "", verifiedBot: "false", botCategory: "" })