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Younes Ebnoutalib von Eintracht Frankfurt: Der etwas andere Stürmer
Der gebürtige Frankfurter hat einen unorthodoxen Karriereverlauf – genau das macht ihn für die Eintracht so spannend.
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Eltern aufgepasst: Sind Sie interessiert an einer leistungssportlichen Karriere Ihrer Kinder im Fußball? Vielleicht sollten Sie sie zunächst zum Taekwondo schicken, der koreanischen Kampfsportart. Taekwondo fördert wie kaum eine andere Bewegungsform Ausdauer, Kraft, Beweglichkeit und Koordination.
Und offenbar kann sie die Grundlage für eine sehr erfolgreiche Karriere als Fußballprofi sein. Der große, ungemein wendige Top-Stürmer Zlatan Ibrahimovic etwa erwarb als Teenager den Schwarzen Gürtel im Taekwondo.
Einen solchen besitzt Younes Ebnoutalib zwar (noch) nicht, doch der 22-Jährige besuchte als Kind die Kampfkunstschule seines Vaters Faissal Ebnoutalib. Und einen besseren Lehrmeister hätte er kaum haben können: Sein Vater gewann bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney Silber für Deutschland im Taekwondo.
„Das hilft mir bis heute im athletischen Bereich“, wird Younes Ebnoutalib auf der Homepage des Fußball-Bundesligisten Eintracht Frankfurt zitiert. Auch wenn er „mit 13, 14 Jahren nur noch Fußball trainiert“ habe, „merke ich bis heute diese Muskulatur am Bein, die Energie und Kraft“. Und ergänzt: „Ich kriege mein Bein sehr, sehr hoch.“
Seine besonderen Fähigkeiten möchte Ebnoutalib gern schon an diesem Freitag zum Bundesligastart ins Jahr 2026 zeigen, wenn die Hessen Borussia Dortmund empfangen (20.30 Uhr/Sky und Sat.1). Gut möglich, dass der 1,91 Meter große Stürmer direkt in der Startelf steht.
Die Fans von Eintracht Frankfurt sind jedenfalls – wie in zahlreichen Online-Foren zu lesen – beseelt von dem neuen Stürmer, den der Klub in der Winterpause für knapp zehn Millionen Euro vom Zweitligisten SV Elversberg verpflichtete.
„Ich habe einen sehr guten Eindruck von Younes. Der hat sich von unten nach oben gearbeitet, scheint ein vernünftiges Selbstbewusstsein zu haben“, schreibt etwa ein Nutzer in einem Beitrag auf einer der Fanseiten des Klubs.
Die Anhänger – und wohl auch die Klubführung – begeistert vor allem der ungewöhnliche Karriereverlauf des Spielers.
Viele seiner fußballerischen Finessen lernte Ebnoutalib laut Eintracht-Homepage nämlich nicht etwa in einem Nachwuchsleistungszentrum oder auf den Plätzen der Junioren-Bundesligen, sondern „erstmal ohne Verein, früher in der Siedlung mit vielen Kindern draußen“.
Ebnoutalib war schon fast ein Gescheiterter. Es ging in seiner Laufbahn eher hin und her statt kontinuierlich nach oben. Nach Jugendstationen unter anderem bei Rot-Weiß Frankfurt und dem SV Wehen Wiesbaden versuchte er sein Glück in Italien beim AC Perugia. Doch er konnte sich dort nicht durchsetzen – auch wegen eines Mittelfußbruchs. Sein Vertrag wurde schließlich aufgelöst.
In der Regionalliga beim FC Gießen empfahl er sich für höhere Aufgaben. Und die SV Elversberg, die bekannt ist für ihr gutes Auge bei Talenten, schlug zu. Nach dem mittlerweile in Hoffenheim spielenden Fisnik Asllani holten die Saarländer den nächsten Torgaranten: Ebnoutalib.
In der Hinrunde erzielte der 22-Jährige zwölf Treffer in der Liga. Er besitzt all die Fähigkeiten, die ein Top-Stürmer braucht: Er ist schnell, physisch stark, technisch versiert – und weiß, wie er sich in Position bringt, um erfolgreich abzuschließen.
Was das Match für Eintracht Frankfurt perfekt macht: Ebnoutalib wurde in Frankfurt am Main geboren und ist dort aufgewachsen, seine Bettwäsche war laut „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ mit dem Adler bedruckt, dem Maskottchen der Eintracht. Sein Kindheitstraum, Profi bei der Eintracht zu werden – den hat er sich jetzt schon erfüllt.
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