Zweite Liga : Oben ist relativ: 1. FC Union spricht weiter nicht vom Aufstieg

Seit 17 Ligaspielen haben die Berliner nicht verloren, Trainer und Profis mahnen dennoch zur Vorsicht. Nur die Fans singen schon von der Bundesliga.

Bremst die Euphorie: Union-Trainer Urs Fischer.
Bremst die Euphorie: Union-Trainer Urs Fischer.Foto: Britta Pedersen/dpa

Beim 1. FC Union sind sie seit Wochen bemüht, die Euphorie zu bremsen. Die Tabelle? Interessiert uns nicht. Als einziger Zweitligist noch ungeschlagen? Eine Momentaufnahme. Aufstieg? Wir gucken von Spiel zu Spiel. So äußern sich zumindest Profis und Trainer. Die Fans sehen das mittlerweile deutlich anders. „Die Erste Bundesliga ist für uns zum Greifen nah. Die Zeit ist jetzt gekommen, ihr werdet’s alle sehen“, sangen die Anhänger auf der Waldseite nach dem 3:1 am Samstag gegen Darmstadt 98 – und wer kann es ihnen verdenken.

Saisonübergreifend ist Union nun seit 17 Spielen ungeschlagen. Eine halbe Saison ohne Niederlage, das ist den Berlinern in der Zweiten Liga noch nie gelungen. „Das Momentum liegt auf unserer Seite“, sagte Trainer Urs Fischer, zu mehr ließ sich der Schweizer aber wie üblich nicht hinreißen. Auch sein Kapitän Christopher Trimmel mahnte mal wieder zur Vorsicht. „Wir sind oben dabei, das ist super“, sagte Trimmel. „Aber jeder weiß, wie stark Köln und der HSV sind. Da braucht niemand darüber zu reden, dass wir mit denen auf Augenhöhe sind – das macht man nicht.“

Andersson kehrt in die Startelf zurück – und trifft

Mit der zwar nicht glanzvollen, aber weitgehend souveränen Leistung gegen Darmstadt war der Österreicher aber genau wie sein Trainer zufrieden. Vier Mal hatte Union zuvor gegen die Hessen gespielt und Trimmel stand stets in der Startaufstellung, ein Sieg war den Berlinern dabei aber nicht vergönnt. Nach je zwei Heimunentschieden und Auswärtsniederlagen gelang nun aber der erste Sieg. „Gegen Darmstadt war es immer schwierig, die haben schon ihre Qualitäten“, sagte Trimmel. Das Team habe es am Samstag aber sehr gut gemacht, vor allem in den ersten 75 Minuten. „Da waren wir defensiv stabil, hatten offensiv unsere Aktionen und Sebastian war sehr effektiv.“

Der effektive Sebastian hörte nach mehreren Wochen zur Abwechslung mal wieder auf den Namen Andersson und nicht Polter. Im Spiel gegen Dresden Ende Oktober hatte der schwedische Stürmer zuletzt in der Startformation gestanden, erhielt nun aber wieder den Vorzug vor Polter – und zahlte das Vertrauen mit zwei Toren zurück. „Ich bin es nicht gewohnt, auf der Bank zu sitzen“, sagte Andersson. „Aber das ist Fußball. Wir haben viele gute Spieler, da musst du auf deine Chance warten.“ Dass er endlich wieder von Beginn auf dem Platz stand und seine ersten Treffer seit zwei Monaten erzielte sei aber schon „erleichternd“ gewesen.

Konkurrenzkampf macht Union so stark

Der Konkurrenzkampf im Sturmzentrum zeigt dabei gut, was Union in dieser Saison so stark macht. War die Mannschaft in der vergangenen Spielzeit noch relativ abhängig von einzelnen Profis – erst Polter und nach dessen Verletzung Steven Skrzybski – hat Fischer nun auf allen Offensivpositionen starke Alternativen. Gegen Darmstadt reichte es für Simon Hedlund und Kenny Prince Redondo nicht einmal für einen Platz auf der Bank. „Das ist ein schöner Konkurrenzkampf“, sagte Trimmel. Fischer rotierte sehr viel und in der Breite sei der Kader sehr gut. „Wenn manche Spieler müde werden, kann der Trainer reagieren.“

Fischer zeigte sich vor allem mit Anderssons Einstellung zufrieden. Unter der Woche sehe man, wie ein Spieler darauf reagiere, wenn er nur auf der Bank sitzt. „Sebastian hat das in den letzten drei, vier Wochen sehr gut gemacht und daran gearbeitet, dass er bereit ist“, sagte Fischer. „Und das war er.“ Der Trainer steht nun vor einer schwierigen Aufgabe. Setzt er nach der starken Leistung weiter auf Andersson oder kehrt Polter am Sonntag in Magdeburg zurück in die Startelf?

In jedem Fall wollen die Berliner ihre Serie beim Aufsteiger fortsetzen. „15 Spiele ohne Niederlage sind schon stark“, sagte Andersson. Köln und Hamburg seien starke Mannschaften, man müsse sich aber auf die eigenen Spiele konzentrieren und diese gewinnen. „Dann werden wir am Ende der Saison sehen, wie weit wir kommen“, sagte Andersson. „Ich denke, wir können oben landen.“ Zumindest die Fans werden das sehr gerne hören.

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