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Fahne an der US-Botschaft in Berlin

© imago/Reiner Zensen

Tagesspiegel-Redakteurin ausgeladen: Chefredaktion erwartet Aufklärung von US-Botschaft

Wurde Tagesspiegel-Journalistin Farangies Ghafoor wegen ihrer kritischen Berichterstattung von einem US-Journalistenprogramm ausgeladen? Chefredakteur Christian Tretbar wendet sich an die US-Botschaft.

Stand:

Der Tagesspiegel hat die US-Botschaft offiziell gebeten, die kurzfristige Ausladung einer Tagesspiegel-Redakteurin von einem US-Journalistenprogramm aufzuklären. „Sollte sich herausstellen, dass die Ausladung im Zusammenhang mit ihrer kritischen US-Berichterstattung steht, wäre das ein schwerer Schlag gegen die Pressefreiheit“, sagt Tagesspiegel-Chefredakteur Christian Tretbar. 

Die Tagesspiegel-Redakteurin Farangies Ghafoor hatte Mitte 2025 einen Platz im International Visitor Leadership Program (IVLP) Edward R. Murrow Program for Journalists erhalten. Die US-Botschaft in Berlin hatte sie mit ihrem Einverständnis für das Programm nominiert – eine Bewerbung ist dafür offiziell nicht möglich. Finanziert und organisiert wird das IVLP vom US-Außenministerium, es sind Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der ganzen Welt dabei. 

Weniger als 24 Stunden vor Abflug wurde Ghafoor telefonisch Ende September 2025 mitgeteilt, dass das Morrow-Programm, an dem sie teilnehmen sollte, abgesagt worden sei – angeblich wegen der damals drohenden Haushaltssperre ab dem 1. Oktober 2025. Auf Nachfrage bei der US-Botschaft, was mit ihrem längst erteilten J1-Visum für das IVLP-Programm sei, wurde ihr erklärt, dass dieses wegen des gestrichenen Programms nicht mehr gültig sei.  

Es stellte sich allerdings heraus, dass das Programm sehr wohl mit den übrigen Teilnehmerinnen und Teilnehmern wie geplant stattgefunden hat.  

Tagesspiegel-Chefredakteur Tretbar hat den Vize-Botschafter der USA in Deutschland, Alan Meltzer, in einem Brief vergangene Woche um Aufklärung des Sachverhaltes gebeten und auf das hohe Gut der Pressefreiheit in Deutschland und den USA hingewiesen. „Farangies Ghafoor ist journalistisch über jeden Zweifel erhaben“, schrieb Tretbar an Meltzer. Eine Antwort der US-Botschaft steht noch aus. (Tsp)

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