Umstrittener US-Botschafter : Grenell vertritt die USA - von Donald Trump

Der neue US-Botschafter in Deutschland sorgt mit Äußerungen wie zuletzt beim rechten Portal "Breitbart" für Wirbel. Er scheut sich nicht, mit Gepflogenheiten zu brechen.

Der neue US-Botschafter in Deutschland, Richard Grenell.
Der neue US-Botschafter in Deutschland, Richard Grenell.Foto: AFP/ Odd Andersen

Kaum da, hat er sich schon eine Menge Freunde gemacht. Richard „Ric“ Grenell, der neue Chefdiplomat der USA in Deutschland. Denn Ric Grenell, 51, stahlblaue Augen, Haifischlächeln, Haltung mit viel Körperspannung, definiert das Botschafter-Sein neu: Er trägt die Botschaft von Präsident Donald Trump nach Deutschland und in die europäische Welt, dass keine Elite es wagen soll, vor Wahlen festzulegen, wer gewinnt und wer antritt. So sagt es Grenell auch sehr offen. Diplomatie geht anders. Disruption passt eher. Darum geht es.

Der stramme Konservative scheut sich nicht, mit Gepflogenheiten zu brechen. An die hatte ihn, kurz nach dem ersten harschen Tweet in Richtung deutscher Unternehmen, die mit dem Iran Geschäfte machen, der Doyen der hiesigen Diplomatie erinnert, Wolfgang Ischinger. Merke: Mach dich in deinem Gastland nicht als Erstes unbeliebt. Zumal gerade in Deutschland die Attitüde „Vizekönig“ in diplomatischen Kreisen so gar nicht geschätzt wird. Immerhin halten sich die in Führungspositionen einiges auf ihre diplomatische Ausbildung zugute.

Aber das ficht Grenell nicht an. Er kennt sich aus in der Welt der Diplomatie, war für mehrere UN-Botschafter Sprecher über sieben Jahre, der längstgediente auf diesem Posten. Und ausgestattet auch noch mit Sitz und Stimme als Stellvertreter im Botschaftergremium des Weltsicherheitsrats. Außerdem hat Grenell öffentliche Verwaltung studiert, mit Abschluss an der Elite-Universität Harvard. Hier spricht einer mit Selbstbewusstsein.

Grenell kann den Präsidenten erklären, interpretieren

Dazu kommt seine Erfahrung in vielen Wahlkampagnen, unter anderen für Mitt Romney und Mark Sanford – und schließlich für Trump. Die beiden sind eng. Grenell kann den Präsidenten erklären, interpretieren – und tut das sogar von Berlin aus, ob in Fox News zum Thema Nordkorea oder auf dem ultrarechten Portal Breitbart zur europäischen Internationale des Konservativismus.

Das Sich-Einmischen liegt ihm im Blut. Politische Rücksicht nimmt er im Zweifel nicht. Konservative in Europa kommen ganz von selbst auf ihn zu, aus aller Herren Länder. Ob der von ihm bewunderte Sebastian Kurz, junger konservativer Kanzler in Österreich, oder Jens Spahn, jüngerer konservativer Minister in Deutschland, Hoffnung der CDU- Rechten. Spahn und Grenell haben schon Kontakt.

Sie unternehmen öfters etwas zu viert, also gemeinsam mit ihren Partnern, und dann gibt es schöne Bilder auf Twitter.

Richard Grenells Motto lautet so: „Ich möchte andere Konservative in Europa, andere Anführer, definitiv stärken“ – das sollten alle ernst nehmen, die mit ihm zu tun bekommen. Auch die Kanzlerin.

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