Ausstellung in der Spanischen Botschaft : „Für Lorca war die Freiheit zentral“

Studierende der Freien Universität haben eine Ausstellung über den spanischen Dichter Federico García Lorca kuratiert.

Amely Schneider
Den Schriftsteller im Blick: Die Ausstellung wird noch bis zum 3. Mai in der Spanischen Botschaft gezeigt.
Den Schriftsteller im Blick: Die Ausstellung wird noch bis zum 3. Mai in der Spanischen Botschaft gezeigt.Foto: Amely Schneider

In einem Seminar eine Ausstellung zu konzipieren – das war eine Idee, die Charlotte Grein sofort gefallen hat, als sie vor einigen Monaten das Vorlesungsverzeichnis durchsah. Ein halbes Jahr später steht die Studentin der Romanistik auf ihrer eigenen Vernissage. Viele Menschen sind an diesem Abend in die Spanische Botschaft gekommen. Mit einem Glas Rotwein schlendern sie an den großen Schautafeln vorbei, auf denen auch ein Gedicht zu lesen ist, das Charlotte Grein aus dem Französischen übersetzt hat. Es heißt „Maurischer Gesang für García Lorca“, geschrieben von dem marokkanischen Autor Zaghloul Morsy. Einer von vielen Texten, die zeigen, wie der spanische Schriftsteller Federico García Lorca Autoren in aller Welt inspiriert hat.

„Lorca. Blicke auf eine globale Rezeption“ ist der Titel der Ausstellung, die Studierende im Rahmen eines Hauptseminars der Spanischen Philologie an der Freien Universität Berlin in den vergangenen Monaten zusammengestellt haben. „Es ist äußerst spannend, Leben und Werk einer so bedeutenden Persönlichkeit der Literaturgeschichte aus so unterschiedlichen Blickwinkeln zu erleben“, sagte Ricardo Martínez. Der Spanische Botschafter in Deutschland hatte die Ausstellung Ende März anlässlich des XXII. Deutschen Hispanistentages, der erstmals an der Freien Universität stattfand, eröffnet.

Ein Autor, viele Bezüge

Die Studierenden hatten sich mit Texten ganz unterschiedlicher Herkunft befasst. Einzige Voraussetzung: Sie sollten auf den spanischen Autor verweisen. So trugen sie nicht nur Literatur aus romanischen Sprachen zusammen, sondern auch aus dem Arabischen, dem Chinesischen, dem Englischen, dem Hebräischen und aus slawischen Sprachen. „Es ist faszinierend, wie vielfältig und zahlreich die Bezugnahmen auf Lorca sind“, sagte Susanne Zepp, Professorin für Romanische Philologie an der Freien Universität, die das Seminar geleitet hatte. „Uns hat bei der Vorbereitung der Ausstellung besonders interessiert, wie der Dichter immer wieder als Referenzfigur genommen wird, um die eigene Gegenwart kritisch zu reflektieren.“

So nutzt zum Beispiel der 1902 in Camagüey geborene Dichter Nicolás Guillén Lorcas Motiv der „gitanos“ für eine poetische Darstellung der afrokubanischen Kultur. An die Stelle des Flamencos setzt er den Musikstil des „Son cubano“. Der 1925 in New Orleans geborene Bob Kaufman übertrug Lorcas Schicksal – der Autor war 1936 von einer Truppe von Anhängern des späteren spanischen Diktators General Francisco Franco ermordet worden – in den Kontext der Bürgerrechtsbewegung in den USA. Lorcas Werk hat auch die Musik beeinflusst – zum Beispiel den Song „Take this Waltz“ des kanadischen Songwriters Leonard Cohen oder die 14. Sinfonie von Dimitri Schostakowitsch.

Der 1898 in Andalusien geborene Lorca wird zur sogenannten Dichtergeneration von 1927 gezählt, die die spanische Lyrik weltweit populär machte. Er gilt aber auch als Erneuerer des spanischen Dramas. Dafür stehen Werke wie „Bluthochzeit“ (1933) und „Bernarda Albas Haus“ (1936) sowie „Yerma“ (1934). Der Schriftsteller reiste viel, setzte sich für die Rechte von Frauen ein, wurde wegen seiner Homosexualität von rechter Seite angefeindet und unterstützte in den 1930er Jahren in Spanien die Ziele der Republik.

Sein Leichnam wurde nie gefunden

„Die Freiheit war für Lorca zentral“, sagte Professor Klaus Hoffmann-Holland, Erster Vizepräsident der Freien Universität Berlin, in seinem Grußwort. Er verwies insbesondere auf das Gedicht „El crimen fue en Granada“ (Das Verbrechen geschah in Granada) von Antonio Machado, das auch in der Ausstellung abgebildet ist. Im August 1936 war Lorca, erst 38 Jahre alt, in der Nähe von Granada ermordet worden. Sein Leichnam wurde nie gefunden. „Die Ausstellung zeigt, wie der Literatur die Rolle zugefallen ist, an einen Rechtsbruch zu erinnern“, sagte Hoffmann-Holland. Sie trage dazu bei, ein bis heute ungesühntes Verbrechen nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Auch andere literarische Texte, die ausgestellt sind, zeigen die Erschütterung angesichts der Ermordung eines Künstlers, der demokratische Werte sowie die kulturelle und ästhetische Freiheit stets verteidigt hatte.

Charlotte Grein ist von dem innovativen Lehrformat, aus der die Ausstellung entstanden ist, immer noch begeistert. „Mir hat besonders gefallen, dass man uns so viel Verantwortung übertragen hat und wir unsere Arbeit im öffentlichen Raum präsentieren dürfen“, sagt die angehende Spanisch- und Französischlehrerin. Auch in ihrer Freizeit hat die 20-Jährige viel an den Texten und dem Material für die Ausstellung gearbeitet. Mit ihren Kommilitoninnen und Kommilitonen hat sie Gedichte aus den verschiedenen Sprachen übersetzt, Informationen zu den Autoren recherchiert, Texte für Schautafeln geschrieben und alles vor Ort in Szene gesetzt. Mit der Vernissage ist das Thema deshalb für sie nicht abgeschlossen: Sie wird wiederkommen, um die Ausstellung Freunden und Bekannten zu zeigen.
Die Ausstellung „Lorca. Blicke auf eine globale Rezeption“ ist bis zum 3. Mai in der Spanischen Botschaft, Lichtensteinallee 1, 10787 Berlin, zu sehen: montags bis donnerstags 10 bis 16 Uhr, freitags 10 bis 14 Uhr.