Gastronomie im Krisenmodus : Weitermachen! Irgendwie ...

Nach der am Sonntag verordneten Schließung kämpfen Berliner Restaurants um ihre Existenz

Seit Sonntag sind alle Restaurants für Gäste geschlossen, Gastronomen suchen jetzt nach neuen Möglichkeiten, ihren Betrieb aufrecht zu halten
Seit Sonntag sind alle Restaurants für Gäste geschlossen, Gastronomen suchen jetzt nach neuen Möglichkeiten, ihren Betrieb...Foto: Kitty Keist-Heinrich

Das wäre erstmal das: Berlins Gastronomie schwankt zwischen Tatendrang und Verzweiflung. Einerseits machte am Montag das Schreiben der „Initiative Gastronomie und Hotellerie“ die Runde, in der sich 640 Betriebe an Michael Müller und den Senat wenden und eine lange Reihe von Forderungen stellen, weil ihnen die Zeit wegläuft: "Wir kommen aktuell nicht an die Soforthilfen," heißt es dort,  "das bedeutet, die meisten von uns sind womöglich am Ende des Monats weg vom Fenster".  Andererseits gibt es eine Fülle von Einzel- und Gruppenaktionen, mit denen wenigstens ein kleiner Umsatz erzielt werden soll. Und es gibt die oft geradezu flehentliche Bitte, doch Gutscheine zu kaufen, um die Liquidität der Betrieb zu sichern.

Gutscheine und Crowdfunding

Das geht oft direkt an der Restauranttür oder online, wird aber auch aber auch in größerem Stil organisiert: "helfen.berlin" ist ein Non-Profit-Portal, das  den Betreibern von Restaurants, Bars, Clubs, Museen und Theatern eine kostenlose Registrierung anbietet, und auf der so schnell wie möglich der Gutscheinverkauf organisiert werden soll. Aber auch einzelne Betrieb sind mit ihren Stammkunden im Gespräch wie das Neuköllner Restaurant „Hallmann&Klee“, das über das Portal „startnext.de“ eine kleine Crowdfunding-Kampagne mit bescheidenem Ziel aufgelegt hat: „Bei erfolgreicher Finanzierung in Höhe von 8000 Euro können wir weiterhin einen Teil unserer Fixkosten decken und bestenfalls die Kurzarbeitergelder unserer Mitarbeiter aufstocken.“

Werksverkauf und Care-Pakete

Wer etwas hat, was er vor der geschlossenen Tür seines Betriebs verkaufen kann, der tut das. Das „Brlo Brwhouse“ zum Beispiel, das ja nicht nur Restaurant mit Biergarten, sondern vor allem eine Brauerei ist, bietet seinen Kunden einen „Werksverkauf“ montags bis freitags von 14 bis 18 Uhr an: Wer einen Kasten verkauft, bekommt einen zweiten gratis. Cafés verkaufen „Care-Pakete“ mit Milch, Eiern, Obst und Kuchen für 5 Euro. Pizzerien werfen am frühen Abend den Ofen an und verkaufen neben den ohnehin üblichen Lieferungen direkt außer Haus.
Ohnehin scheinen Hauslieferungen (eine Liste einiger Angebote finden sie hier) das Gebot der Stunde zu sein, aber einem funktionierenden System für die ganze Stadt steht gegenwärtig noch der Personalmangel entgegen: So sucht "radkurier24.de" einerseits Kuriere, bietet andererseits aber eine Online-Karte an, auf der der Aufenthaltsort der vorhandenen Radboten zu sehen ist: Sie können vom Endkunden direkt kontaktiert und beauftragt werden. Und die Restaurants, die Lieferungen anbieten, werfen natürlich auch jeden Mitarbeiter in die Schlacht, der ein Rad hat oder ein Auto fahren kann.

Prinzip Hoffnung

 Das alles basiert auf dem Prinzip Hoffnung, denn ob genügend Gäste bereit sind, für professionell zubereitetes Essen zuhause zu zahlen, ist vollkommen offen. Der wortmächtigste Anführer bei diesem Thema ist wie üblich Billy Wagner vom Kreuzberger „Nobelhart & Schmutzig“, der eine Hauslieferung mit Gerichten aus Micha Schäfers Küche anbietet, dazu Getränke und Schnaps, eine Musikempfehlung „und, wenn dann die Stimmung so richtig gut ist, noch zwei Kondome dazu“.

Spezifische Engpässe

Richtig unübersichtlich ist die Situation derzeit bei den Profi-Feinkostlieferanten der Stadt. Die Grundregel: Je mehr ein Händler auf den Privatkunden ausgerichtet ist, desto besser kommt er zurecht, denn die kaufen ja nach wie vor. Deshalb wird auch schon geraunt, dass mancher Großhändler die Sache mit der Zugangsbeschränkung nicht mehr so genau nehme, um überhaupt noch Umsatz zu generieren. Spezifische Engpässe treten aber auch hier auf: So achtet man im Hamberger-Großmarkt in Moabit streng darauf, dass die Mengenbeschränkungen für Toiletten- und Küchenpapier sowie Desinfektionsmittel eingehalten werden.