Tagesspiegel-Salon : Die Geschichte der jüdischen Konfektion in Berlin

Uwe Westphal hat ein Buch über die Entstehung und Zerstörung der jüdischen Konfektionshäuser geschrieben. Das stellt er am 19.6. Im Salon des Tagesspiegels vor.

Berliner Chic. Die Abbildung ist ein Titel der „Elegante Welt“ von 1919.
Berliner Chic. Die Abbildung ist ein Titel der „Elegante Welt“ von 1919.Foto: Claus Jahnke, Roz McNulty

Auf einem Foto von 1928 sieht man eine Frau in einem locker fallenden Seidenkleid, darüber ein Mantel, der geschnitten ist wie ein Kimono. Sie ist flankiert von den Zwillingsschwestern Sally und Ruth Katz in Hosen, langen Gehröcken, Hemd und Krawatte. Die drei Frauen sind Ausdruck von selbstverständlicher Eleganz in der Berliner Öffentlichkeit.
Nur fünf Jahre später zeigte die Modenschau „Was trägt die deutsche Frau?“ im Hotel Kaiserhof, wie sich die Nationalsozialisten die modische Zukunft vorstellten: Zwei Mannequins posieren angestrengt lächelnd in knöchellangen, hoch geschlossenen Wollkostümen, deren Einfallslosigkeit mit dem Namen des einen Kleides korrespondiert: „Liesel“. Beide Bilder sind im Buch „Mode Metropole Berlin 1836 – 1939, Entstehung und Zerstörung der jüdischen Konfektionshäuser“ von Uwe Westphal abgedruckt. Sie machen deutlich, dass Mode immer eine Gesellschaft braucht, die sie trägt und zur Blüte bringt.
Die berühmte Berliner Mode der zwanziger Jahre gab es nur von 1924 bis 1929, als die Konfektion so einfallsreich wie nie war und die Berlinerinnen für einen modernen, Grenzen verwischenden Stil standen, der die ganze Welt berauschte.

Die Auswirkungen der Zerstörung sind bis heute spürbar

Aber mit der Beschreibung von Modestilen hält sich Uwe Westphal nicht lange auf, er will die ganze Geschichte erzählen: Von der Entstehung der jüdischen Modehäuser, die durch eine rechtliche Gleichstellung der Juden in Preußen im Jahr 1812 begünstigt wurde, bis zu ihrer Zerstörung nach 1933. So umfassend wurde die Geschichte der jüdischen Konfektionshäuser noch nie dargestellt. Westphal zeigt, warum die Auswirkungen bis heute spürbar sind. Auch noch nach dem Zweiten Weltkrieg profitierte die deutsche Modeindustrie von den Grundlagen, die die Berliner Konfektion bis 1933 erarbeitet hatte.
Mit einer wichtigen Information wartetet Westphal bis zum Schluss: Dass die immer wieder kolportierte Übermacht der jüdischen Konfektionäre in Berlin vor allem alten antisemitischen Ressentiments diente. Nur 49 Prozent der Modefirmen rund um den Hausvogteiplatz gehörte jüdischen Unternehmern. Aber, so schreibt Westphal, „die Stigmatisierung, Übertreibung und Bösartigkeit der Propaganda bestimmten die Intensität der Angriffe und die Geschwindigkeit, mit der die kommenden Raubzüge auf das jüdische Eigentum vorbereitet wurden.“

Am 19. Juni präsentiert Uwe Westphal sein Buch im Tagesspiegel-Salon. Ebenfalls zu Gast ist Olaf Kranz, Soziologe, Teilhaber des Berliner Modelabels Brachmann und Mitglied des „Verein Berliner Modedesigner“. Mit ihm sprechen wir über die Auswirkungen für die Berliner Modeszene bis heute und über die aktuelle Situation. Beginn 19 Uhr, Eintritt inklusive Sekt und Snacks 16 Euro, Anmeldung und Infos

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