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Nach schwerem SUV-Unfall : Senat plant Modellprojekt in Invalidenstraße

Am Freitag fand ein Treffen des Regierenden Bürgermeisters und der Verkehrssenatorin mit Anwohnern statt. Es wurden Tempo 30 und ein Radstreifen beschlossen.

Schulkinder und Fussgänger morgens an der Keuzung Chaussestraße/Invalidenstraße in Berlin-Mitte.
Schulkinder und Fussgänger morgens an der Keuzung Chaussestraße/Invalidenstraße in Berlin-Mitte.Foto: Thilo Rückeis

Der Senat hat sich für einen umfangreichen Umbau der Invalidenstraße ausgesprochen. Der Ort des schweren SUV-Unfalls am 6. September soll Modellprojekt für „Verkehrssicherheit und neue Mobilität in verdichteten Kiezen“ werden.

Am Freitagvormittag trafen sich der Regierenden Bürgermeister, Michael Müller (SPD), Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) und der Bezirksbürgermeister von Mitte, Stephan von Dassel (Grüne), mit Anwohnern der Invalidenstraße. Die Gruppe um den 37 Jahre alten Julian Kopmann hatte nach dem Unfall eine Petition für mehr Verkehrssicherheit im Kiez gestartet. 12.000 Menschen hatten dafür unterschrieben.

Tempo 30 und Radstreifen sollen kommen

Es wurde zwischen den Seiten vereinbart, dass zwei Sofortmaßnahmen ergriffen werden: Erstens sagt die Verkehrsverwaltung eine „schnellstmögliche Prüfung und Umsetzung“ eines geschützten Radweges an der Invalidenstraße zu. Insbesondere geht es um den Bereich zwischen dem Nordbahnhof und der Brunnenstraße, der als einer der Unfallschwerpunkte im Kiez gilt. Um möglichst rasch zu einem Ergebnis zu kommen, sind auch provisorische Maßnahmen denkbar.

Zweitens werden sich Verkehrsverwaltung und der Bezirk Mitte darum kümmern ebenfalls schnellstmöglich Tempo 30 auf dem gleichen Straßenabschnitt einzuführen.

Beide Maßnahmen sollen möglichst bis Jahresende umgesetzt werden.

[Das Interview mit Julian Kopmann: Im Tagesspiegel-Newsletter für Berlin-Mitte erzählte Julian Kopmann seine Geschichte. Hier das Interview- hier alle Bezirksnewsletter, konkret aus Ihrem Kiez: leute.tagesspiegel.de]

Außerdem wird eine Projektgruppe gegründet, die aus Vertretern der Petenten, der Senatskanzlei, Verkehrsverwaltung und Bezirk gegründet wird. Ziel ist es, bis Jahresende einen Plan für weitere bauliche Veränderungen zu entwerfen, die die Verkehrssicherheit erhöhen.

Von einem SUV-Verbot für Innenstädte, das Mittes Bürgermeister von Dassel nach dem Unfall angeregt hatte, ist in einer Mitteilung der Teilnehmer, die dem Tagesspiegel vorliegt, keine Rede mehr.

Forderungen der Teilnehmer weitgehend erfüllt

Laut der Teilnehmer fand das etwa einstündige Gespräch in sehr konstruktiver Atmosphäre statt. Michael Müller dankte den Petenten ausdrücklich für ihre Initiative. Ihr Engagement bezeichnete er als „Anlass für den heutigen Austausch“.

Auch die Petenten waren nach dem Treffen sehr zufrieden. Ihre Vorschläge wurden sehr weitgehend in dem gemeinsamen Kommuniqué berücksichtigt. Julian Kopmann zeigte sich dementsprechend glücklich über den Ausgang. Die Atmosphäre und die gefällten Entscheidungen hätten seine Erwartungen übertroffen.

Julian Kopmann, Vater von drei Kindern, hat nach dem SUV-Unfall eine Petition für Tempo 30 in der Invalidenstr. gestartet.
Julian Kopmann, Vater von drei Kindern, hat nach dem SUV-Unfall eine Petition für Tempo 30 in der Invalidenstr. gestartet.Foto: Thilo Rückeis

Kopmann sagte dem Tagesspiegel: „Für mich persönlich war das eine sehr positive Erfahrung, dass Politik und Verwaltung auch schnell Lösungen herbeiführen können und wollen.“

Nach Tagesspiegel-Informationen hatten sich im Vorfeld des Gesprächs weitere Berliner Spitzen-Politiker wie Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) bei den Petenten gemeldet und ihre Unterstützung zugesagt.

Hintergrund: Am 6. September war ein schwarzer Porsche Macan auf die Kreuzung Invalidenstraße/Ackerstraße gerast. Hatte Poller mitgerissen, vier Menschen starben. Ein englischer und ein spanischer Tourist. Der dreijährige Momme, der nur wenige Meter vom Unfallort entfernt aufwuchs, und seine Großmutter.