Tarifaufpasser : So können Faule beim Strom sparen

Energie ist so teuer wie nie, doch nur wenige wechseln regelmäßig den Anbieter. Wechseldienste wollen den Verbrauchern jetzt dabei helfen

Laurin Meyer
Nicht nur Faultiere: Auch viele Verbraucher sind langsam, etwa wenn es darum geht, einen günstigeren Stromanbieter zu finden.
Nicht nur Faultiere: Auch viele Verbraucher sind langsam, etwa wenn es darum geht, einen günstigeren Stromanbieter zu finden.Foto: Getty Images/iStockphoto

Der Blick auf die Stromrechnung dürfte manchen Kunden elektrisieren. Die Strompreise sind aktuell so hoch wie nie, gut 29,4 Cent müssen Verbraucher im Schnitt pro Kilowattstunde bezahlen. Das hat jetzt das Vergleichsportal Verivox berechnet. Bereits im ersten Quartal des Jahres haben rund zwei Drittel der Grundversorger die Preise hierzulande um durchschnittlich rund fünf Prozent erhöht. Für einen Drei-Personen-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 4000 Kilowattstunden seien das Mehrkosten von rund 60 Euro im Jahr.

Und es kommt wohl noch dicker: „Der Anstieg wird sich auch in den kommenden Monaten weiter verfestigen“, prognostiziert Valerian Vogel, Energieexperte bei Verivox. Für April und Mai haben schon zahlreiche Versorger weitere Preiserhöhungen von rund fünf Prozent angekündigt. Auch der Berliner Marktführer Vattenfall denkt darüber nach: „Es wird auch in Berlin schwierig sein, die Preise wie in den letzten beiden Jahren stabil zu halten“, sagt Vattenfall-Sprecher Olaf Weidner. Man beobachte die Entwicklung an der Strombörse sehr genau.

Mehr als die Hälfte noch nie gewechselt

Die Erhöhungen machen sich vor allem im Portemonnaie der Bestandskunden bemerkbar. Denn während Anbieter bei Neukunden noch mit Wechselboni und Rabatten locken, bleibt treuen Beziehern oft nur die Preiserhöhung. Wer also sparen will, sollte seinen Anbieter regelmäßig wechseln, raten Verbraucherschützer. Bislang tun das aber nur die wenigsten: Im Jahr 2017 suchten sich gerade einmal sieben Prozent aller Haushalte einen neuen Versorger – nochmals weniger als im Jahr zuvor. Das geht aus einem aktuellen Bericht der Bundesnetzagentur hervor. Mehr als die Hälfte soll den Stromlieferanten sogar noch niemals gewechselt haben. Und das, obwohl Verbraucher ihren Anbieter seit mehr als 20 Jahren frei wählen dürfen.

Einige Start-ups haben aus dieser Bequemlichkeit jetzt ein Geschäft gemacht. Sie nennen sich Tarifaufpasser und nehmen Verbrauchern den Preisvergleich ab, und zwar jedes Jahr aufs Neue. Das Prinzip: Stromkunden melden sich mit ihren Tarifdaten an, die Helferfirmen behalten den Markt samt Preisen im Blick – und melden sich bei Kunden, sobald es günstigere Angebote gibt. Wer will, kann den Tarifaufpassern auch den gesamten Wechselservice übertragen. Dann schließen die Unternehmen im Auftrag der Kunden automatisch immer den günstigsten Stromvertrag ab.

Stiftung Warentest sieht Sparpotenzial

Die Stiftung Warentest hat Wechseldienste wie „Esave“, „Wechselpilot“ oder „Switchup“ über ein Jahr hinweg für die aktuelle „Test“-Ausgabe getestet und kam zu einem überwiegend positiven Ergebnis. Sieben von neun Tarifaufpasser stuften die Tester als mindestens „empfehlenswert“ ein, vier davon sogar als „sehr empfehlenswert“. Lediglich von „Energyhopper“ und „Stromauskunft.de“ rät die Stiftung Warentest ab. Die 27 Testhaushalte konnten mithilfe der Firmen zwischen 73 Euro und 400 Euro innerhalb eines Jahres sparen – je nachdem, wo sie wohnen, wie hoch die bisherigen Kosten waren und wie viel Strom sie verbraucht haben. Das lag vor allem daran, dass die Wechseldienste für ihre Kunden auch Bonustarife abschlossen, die im ersten Vertragsjahr noch vergünstigt sind. Hier sehen die Tester den größten Vorteil: „Dank der Tarifaufpasser können auch Bequeme solche Tarife nutzen, denn wenn es im zweiten Jahr teurer wird, sind sie bereits im neuen Tarif“, lautet ihr Fazit.

Wechseldienste führen schwarze Listen

Und noch einen Vorteil sollen die Tarifaufpasser bieten: Sie vergleichen die Stromtarife aus den verschiedensten Quellen. Bei einzelnen Vergleichsportalen sei hingegen nicht immer transparent, nach welchen Kriterien sie die besten Angebote aufführen. „Es gibt schwarze Schafe im Markt“, behauptet etwa Arik Meyer, Geschäftsführer des Wechseldienstes Switchup. „Die haben es verstanden, sich bei Vergleichsportalen häufig ganz oben zu platzieren.“ Einige fragwürdige Anbieter würden den wahren Preis auch geschickt verstecken. Die meisten Wechselhelfer haben deshalb schwarze Listen mit Tarifen angelegt, die nicht an Kunden vermittelt werden.

Ein Manko bleibt jedoch auch bei den Tarifaufpassern: Für ihre Dienste verlangen einige Anbieter eine Gebühr oder streichen einen Teil der Ersparnis selbst ein. Andere sind zwar kostenfrei, finanzieren sich aber ähnlich wie Vergleichsportale über eine Provision für die Vermittlung. Und die landet oft indirekt wieder beim Kunden. So gilt wohl auch weiterhin: Wer selbst vergleicht, spart am meisten.