Trockeneis gegen Nager : New York bekämpft Ratten mit Trockeneis

Die US-Metropole bekämpft die Nager in Grünanlagen jetzt mit Trockeneis – effektiv und ohne Gefahr für andere Tiere.

Die Ratten vermehren sich auch in New York rasend schnell.
Die Ratten vermehren sich auch in New York rasend schnell.Foto: Imago

Eine Schnauze und zwei kleine schwarze Augen blicken aus dem Erdloch heraus. Zu spät: Schon wird Trockeneis in den Rattentunnel geschaufelt und der Nager erstickt. Trockeneis – das ist die neuste Waffe der New Yorker Gesundheitsbehörde gegen die Rattenplage. Gerade ist Rick Simeone, der Chef für Schädlingsbekämpfung im Amt, mit seinem Team im Sara D. Roosevelt Park an der Lower East Side in Manhattan unterwegs.

Am Vortag haben die Männer drei Stunden lang alle Eingänge zu den unterirdischen Höhlen der Nager ausfindig gemacht. 67 haben sie gefunden. Das bedeutet, dass mehr als 250 Rattus norvegicus, so der lateinische Name der Wanderratte, in dem Park zu Hause sind.

Loch für Loch arbeitet sich der Trupp voran und füllt es mit weißen Brocken, die wie Schneeklumpen aussehen. Es ist Trockeneis, Kohlenstoffdioxid in fester Form. Die Lufttemperatur sorgt dafür, dass sich die Brocken in Gas verwandeln, das in das Tunnelsystem der Nager eindringt. Die Ratten, die zu dieser Tageszeit gewöhnlich schlafen, ersticken. Erfolgsquote für die Schädlingsbekämpfer: 90 bis 100 Prozent. „Die Methode ist in Grünanlagen sehr effektiv“, sagt Simeone. „Sonst heißt es immer, dass die Ratten den Kampf gewinnen. Aber damit ist es andersherum.“

Einer Studie zufolge gibt es in der Stadt zwei Millionen Ratten

Einer Studie eines Doktoranden an der Columbia University zufolge gibt es in der 8,5-Millionen-Metropole etwa zwei Millionen Ratten. Die Nager überleben meist nur sechs bis sieben Monate in der Großstadt. Dennoch vermehren sie sich rasend schnell. Ein Weibchen kann pro Jahr bis zu 100 Junge zur Welt bringen.

2012 experimentierte der Schädlingsbekämpfer John Stellberger als erster mit Trockeneis, seit Sommer vergangenen Jahres ist es in den USA offiziell zugelassen. Nach ausgiebigen Tests hat sich New York Anfang des Jahres entschlossen, genauso wie Boston, Chicago und Washington, die Methode anzuwenden.

Rick Simeone ist Chef für Schädlingsbekämpfung in der Gesundheitsbehörde.
Rick Simeone ist Chef für Schädlingsbekämpfung in der Gesundheitsbehörde.Foto: Don Emmert/AFP

In Deutschland ist dieses Vorgehen noch unbekannt. „Hier wäre das derzeit illegal. Es gibt kein zugelassenes Produkt zur Bekämpfung von Nagetieren mit Trockeneis“, sagt Erik Schmolz, Experte für Schädlingsbekämpfung beim Umweltbundesamt. „Aber wir sind immer auf der Suche nach neuen, umweltfreundlicheren Methoden.“

Im Gegensatz zu Rattengift stellt Trockeneis keine Gefahr für andere Tiere dar. In Berlin werden Ratten nach Angaben des Deutschen Schädlingsbekämpferverbandes hauptsächlich mit Gift und Schlagfallen bekämpft. 20.000 Einsätze gebe es etwa pro Jahr in der Hauptstadt, sagt der Berliner Verbandsvorsitzende Mario Heising.

Auf Betonflächen ist die Methode schwierig

Auch in New York ist die neue Methode nicht die Lösung für alle Rattenprobleme. Auf bebauten und zubetonierten Flächen sei es zu schwierig, die Rattenlöcher ausfindig zu machen, sagt Simeone. Im Juli stellt Bürgermeister Bill de Blasio einen umgerechnet 27,6 Millionen Euro teuren Plan gegen die Nagetiere vor. Der wichtigste Ansatzpunkt: Die Ratten vom Futter abschneiden. Mülleimer bekommen Deckel und sollen öfter geleert werden.

Robert Corrigan, Chef einer Firma für Schädlingsbekämpfung, auch bekannt als New Yorker „Rattenzar“, unterstützt den Plan. „Wenn ich viele Ratten in einem Wohnblock sehe, frage ich nicht, 'Wo soll ich das Gift ausbringen?' Sondern: 'Woher bekommen die Ratten ihr Futter?'“, beschreibt Corrigan den neuen Ansatz. Oder wie es Simeone formuliert: Beseitige den Müll, dann brauchst du kein Gift.

Genau das raten auch die Berliner Behörden den Bewohnern der deutschen Hauptstadt zur Prävention: Keine Essensreste über die Toilette in den Kanal spülen und nirgendwo Müll liegen lassen. (AFP)

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