40 Jahre Walkman : Wie Sony den Rekorder für unterwegs erfand

Mit dem Walkman hat Sony vor 40 Jahren eine Generation geprägt – dann aber den Anschluss ans Internetzeitalter verpasst.

Finn Mayer-Kuckuk
Mit dem Walkman ließ sich die Musik auf einmal überall mit hinnehmen.
Mit dem Walkman ließ sich die Musik auf einmal überall mit hinnehmen.Foto: imago

Die Jüngeren kennen den Walkman immerhin aus dem Film „Guardians of the Galaxy“. Die Hauptfigur reist zwar im Weltraum umher, stammt aber von der Erde – und hat stets einen alten Sony dabei. Der Walkman TPS-L2 war es, der Sony vor 40 Jahren zu einer hippen Marke gemacht hat. Der japanische Elektronikhersteller befand sich danach anderthalb Jahrzehnte lang im Höhenflug und glaubte sich unverwundbar. Auch die erste digitale Videokamera und die Lithium-Ionen-Batterie kamen aus den Laboren des Unternehmens. Umso erstaunlicher wirkte die Entwicklung ab den späten 90er-Jahren. Sony fiel gegen anderen Marken ab und quälte sich durch eine lange Phase von Verlusten und Streitereien. Die hippen Elektronik-Marken hießen plötzlich Apple und Samsung.

Der tiefe Fall nach dem glänzenden Aufstieg ist ein Lehrstück über die Gefahren der Selbstzufriedenheit von Großkonzernen. Der Walkman war umgekehrt noch ein Anschauungsbeispiel für eine erfolgreiche Innovation. Sony war zwar seit zwanzig Jahren mit Tonbandgeräten und Transistorradios erfolgreich. Der ganz große Durchbruch kam jedoch erst, nachdem ein Mitgründer des Unternehmens, Masaru Ibuka, eine Marktlücke erkannte. „Warum kann ich meine Opern nicht problemlos unterwegs hören?“, fragte er seine Ingenieure. Radios waren da schon längst klein genug, um die Jackentasche zu passen. Kassettenrekorder waren dagegen noch klobig. Ibuka war oft im Flugzeug Richtung USA und Europa unterwegs – und wunderte sich, warum er als Chef eines Elektronik-Riesen noch einen fetten Radiorekorder mitschleppen musste, wenn er unterwegs seine eigenen Tapes hören wollte.

Schon im ersten Jahr übertrafen die Verkaufszahlen die Prognosen

Es handelte sich beim Walkman nicht um eine radikale Neuerung, sondern um eine geschickte Verbesserung des Bestehenden. Die Verkaufszahlen übertrafen jedoch schon im ersten Jahr alle Prognosen. Zwar boten andere Anbieter schnell vergleichbare Kassettenspieler an. Doch wer damals etwas auf sich hielt, hatte das Original von Sony. In den folgenden Jahren sollte das Unternehmen 400 Millionen Stück verkaufen. Das Wort Walkman wurde in den Duden aufgenommen.

Das Unternehmen ging so strotzend vor Selbstbewusstsein in die Neunziger Jahre. Es brachte weitere Hit-Produkte wie einen tragbaren CD-Spieler und die Playstation heraus. Doch angesichts dieses Erfolgs achtete kaum noch einer auf die Kosten, Geld schien genug da zu sein. Der Glaube an die eigene Marke war zudem so groß, dass das Management die technische Entwicklung und die Wünsche der Kunden ignorierte. Sony brachte zwar weitere Abspielgeräte für digitale Dateien auf den Markt wie den MiniDisc-Player.

Der Minidisc-Player setzte sich nicht durch - viele Songs ließen sich darauf nicht abspielen.
Der Minidisc-Player setzte sich nicht durch - viele Songs ließen sich darauf nicht abspielen.Foto: imago

Die Manager glaubten jedoch, ein eigenes Format für die Speicherung von Musik durchsetzen zu können, das mit nichts anderem kompatibel war. Obwohl Sony über die Rechte an Hunderttausenden von Songs besaß, waren diese nicht für einen volldigitalen Walkman verfügbar. Denn die Präsidenten von Sony Music wollten den Absatz der CD schützen. Am Ende eroberte so statt Sony dann Apple mit dem iPod den Markt für tragbare Musik.

Im beginnenden Internetzeitalter ging es Sony daher erst einmal richtig schlecht. Das Unternehmen verstand sich immer noch als Hardware-Hersteller – doch plötzlich war die Software-Seite entscheidend: Die Leute wollten Apps, die auf universellen Geräten laufen. Die Smartphones der Marke Xperia verkauften sich immer nur mäßig. Heute hat Sony hier völlig den Anschluss verloren. Während Samsung 300 Millionen Handys im Jahr absetzt, sind es bei Sony nur noch sechs Millionen.

Dennoch ist es dem Unternehmen unter seinem vorherigen Firmenchef Kazuo Hirai immerhin gelungen, wieder profitabel zu werden. Die Digitalkameras verkaufen sich prächtig, die Verluste im TV-Geschäft mit der Marke Bravia sind gestoppt und die Playstation ist ein Dauerbrenner. Ab kommendem Jahr soll ein neues Modell der Spielkonsole wieder mehr junge Kunden für Sony begeistern. Analysten freuen sich: Der Walkman-Konzern hat sich erholt.

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