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BASF-Chef Brudermüller : „Wir wollen auf dem Batteriemarkt mitspielen“

BASF will Milliarden in die Elektromobilität stecken und macht sich Sorgen um den Rhein: Wenn weniger Wasser reinfließt, darf auch nur weniger rausfließen.

Martin Brudermüller ist seit Mai 2018 Vorstandschef des weltgrößten Chemiekonzerns.
Martin Brudermüller ist seit Mai 2018 Vorstandschef des weltgrößten Chemiekonzerns.Foto: Kai-Uwe Heinrich

 

Der weltgrößte Chemiekonzern will sich stärker auf Geschäft mit Elektroautos konzentrieren. „Batteriematerialien für Elektromobilität sind ein riesiger Chemiemarkt, der im Moment entsteht“, sagte der Vorstandsvorsitzende der BASF, Martin Brudermüller, dem Tagesspiegel. „Da wollen wir ein wesentlicher Spieler werden“ Das Geschäft sei indes „sehr kapitalintensiv, da müssen wir viel Geld in die Hand nehmen“. Um die erforderlichen Mittel zu generieren, soll die Gas- und Ölfördertochter Wintershall an die Börse gebracht und das Geschäft mit Bauchemie verkauft werden.

China kontrolliert wichtige Rohstoffe

Brudermüller zufolge wird „viel zu wenig beachtet“, wie es um die Verfügbarkeit der Batteriematerialen in Europa steht und der dafür notwendigen Rohstoffe, also Nickel, Kobalt und Mangan. „ Diese Materialien stehen heute stark unter der Kontrolle der Chinesen, deshalb sollten wir uns für die Zukunft den Zugang sichern“, sagte Brudermüller dem Tagesspiegel. „Russland hat das Potenzial, weshalb wir bei den Rohstoffen mit dem russischen Bergbauunternehmen Norilsk Nickel kooperieren“, sagte der BASF-Vorstandsvorsitzende.

Investition in Schwarzheide möglich

 Die BASF wird in Finnland ein Vorprodukt für das sogenannte Kathodenmaterial der Batterie herstellen, das dann an anderen Standorten weiterverarbeitet wird. „Schwarzheide ist eine Option“, sagte Brudermüller zur möglichen Standortauswahl. “Da die Produktion energieintensiv ist, und wir mit sauberen Strom arbeiten wollen, spielt das bei der Standortauswahl eine Rolle.“ Am Standort Schwarzheide in der Lausitz „betreiben wir ein modernes Gasturbinenkraftwerk, das würde also passen“, sagte Brudermüller. Bis Mitte nächsten Jahres solle über die Investition entschieden werden.

Jeden Tag 20 Schiffe für Ludwigshafen  

Der Vorstandsvorsitzende der BASF regt eine Diskussion an über die Zukunft des Rheins als Wasserstraße an. „Der Rhein ist eine Schlagader für Europa und ganz besonders für Deutschland“, sagte Brudermüller dem Tagesspiegel. Und zwar logistisch und auch ökologisch. „Wenn weniger Wasser reinfließt, darf eben auch nur weniger rausfließen. Dafür wären dann Schleusen und Stauwerke erforderlich“, sagte Brudermüller. „Über solche Infrastrukturinvestitionen müssen wir diskutieren.“

In 153 Jahren noch nicht so einen Sommer erlebt 

In der 153-jährigen Geschichte der BASF habe man nie einen solchen Sommer erlebt. „In diesem Jahr haben wir seit April einen geringen Wasserstand, der uns in Ludwigshafen, wo täglich 20 Schiffe an- und ablegen, schon sehr belastet“, sagte Brudermüller. „Wir können Tankkapazitäten ausbauen und denken über die eine oder andere zusätzliche Pipeline nach. Andere Schiffe mit weniger Tiefgang sind eine Möglichkeit“, sagte Brudermüller weiter, doch das werde womöglich nicht ausreichen.

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