Bewerbung : Bloß keine Schnellschüsse

Sich zu bewerben kann heute einfach sein: Ein Klick – und der Interessent schickt sein Profil an mögliche Arbeitgeber. Doch Experten raten davon ab.

Sabine Hölper
Digitale Bewerbungswelt. Stellenbörsen im Netz kann man auf dem Handy abrufen – und unmittelbar reagieren.
Digitale Bewerbungswelt. Stellenbörsen im Netz kann man auf dem Handy abrufen – und unmittelbar reagieren.Foto: Dane Deaner/Unsplash

Wer länger keinen neuen Job gesucht hat oder sich zum ersten Mal nach einer Arbeitsstelle umsieht, ist sich vielleicht nicht ganz sicher: Wie genau sieht im Jahre 2019 die ideale Bewerbung aus?

„Zunächst einmal bewirbt man sich heute in aller Regel elektronisch“, sagt Heike Rödel, Inhaberin der Rödel Personalberatung in Berlin. Größere Firmen haben meist eine Karrierewebseite inklusive Bewerberportal. Der Interessent öffnet dort die Bewerbungsformulare, füllt sie direkt aus, hängt den Lebenslauf und relevante Zeugnisse per PDF an und klickt auf senden.

Unternehmen, die ohne ein solches Bewerbermanagement-System arbeiten, erwarten in der Regel die Zusendung aller Unterlagen per E-Mail.

Den Lebenslauf ins Netz stellen

Eine andere Möglichkeit ist, seinen Lebenslauf auf Portalen wie LinkedIn oder Stepstone einzustellen und sie von dort mittels „Ein-Klick-Bewerbung“ zu versenden, auch zum Beispiel vom Mobiltelefon aus. „Für die Bewerber ist das sehr komfortabel“, sagt Rödel. „Die Personaler finden solche vorgefertigten, standardisierten Profile indes meist weniger gut. Denn aus ihnen geht nicht hervor, ob der Bewerber die Qualifikationen für den ausgeschriebenen Job mitbringt.“

Damit die E-Mail-Bewerbung genau so im Postfach des Personalverantwortlichen eingeht, wie dieser es präferiert, sollte man sich im Vorfeld darüber informieren, was gewünscht ist, rät Kevin Fröde, Leiter Personalgewinnung bei der Deutschen Bahn für die Region Ost.

Auf den Webseiten der meisten Unternehmen, natürlich auch auf denen der Deutschen Bahn, finde man zusätzlich zu detaillierten Stellenbeschreibungen „viele Informationen über den Ablauf des Bewerbungsverfahrens, über die beizufügenden Unterlagen und die Art und Weise, wie man diese einreichen soll“.

Sobald sich ein Arbeitsuchender über das Bewerberportal der Deutschen Bahn beworben hat, wird er automatisch über den aktuellen Status der Bewerbung informiert. Die Kontaktanbahnung, etwa die Einladung zum ersten Telefoninterview, geschieht über das Internetportal: „Im Rahmen der Bewerber-Kommunikation arbeiten wir mit Chat-Bots“, sagt Fröde. Das sind textbasierte Dialogsysteme, die das Chatten mit einem technischen System ermöglichen. Darüber hinaus, bei der Auswahl der Kandidaten, setze man bei der Bahn nicht auf künstliche Intelligenz.

Für die Firmen sind per Bewerbermanagement-System standardisierte Bewerbungen, erst einmal ein Vorteil. Es ist einfacher, sie auszuwerten. Für die Bewerber dagegen ist die elektronische Variante vor allem kostengünstiger, weil das Porto für das Verschicken einer Mappe wegfällt. Der Zeitaufwand indes ist eventuell höher, vor allem, wenn man viele Bewerbungen schreibt – und in jedem Portal die Unterlagen neu hochladen muss.

Nicht jeder braucht Kreativität

Manche Arbeitsuchenden monieren zudem, dass sie bei der Bewerbung über Portale weniger Möglichkeiten haben, kreativ zu sein als bei der individuellen Bewerbung, sowohl die Papierversion als auch die digitale Version boten dafür viele Spielräume. „Man kann sehr wohl auch im Anschreiben Kreativität zeigen“, sagt Fröde. Außerdem gebe es Alternativen, man könne der standardisierten Bewerbung etwa auch ein Video anhängen.

Kreativität sei aber für viele Berufe auch nicht das entscheidende Kriterium und die Gestaltung der Bewerbung daher nicht nötig. „Viel wichtiger ist, dass der Kandidat in der Bewerbung klar herausstellt, warum er den Job haben will und warum er der richtige Kandidat dafür ist“, sagt Fröde. Dies wiederum sollte im Text schlüssig dargelegt und mit Zeugnissen belegt werden.

Ein wenig anders verhält es sich bei Kreativberufen etwa im Marketingbereich. Hier sollten die Kandidaten das Besondere sehr wohl herausstellen, allerdings vor allem durch angehängte Arbeitsproben. „Ein Grafikdesigner kann sein Portfolio digital anhängen“, sagt Rödel. Und wenn er unbedingt will, kann er die analoge Mappe hinterherschicken. Denn noch immer könne auch eine Papierbewerbung zum Erfolg führen – wenn man sich nicht gerade in der IT-Branche bewerbe.

Ein Grund dafür ist, dass heute ein „Bewerbermarkt“ herrscht und gute Fachkräfte händeringend gesucht werden. Kein Arbeitgeber wird einen aussichtsreichen Kandidaten wegen einer analogen Bewerbung aussortieren, auch wenn sie etwas altmodisch daherkommt.

Neue Form, üblicher Inhalt

Was die Inhalte von Bewerbungen angeht, hat sich dagegen fast gar nichts geändert. Wie schon vor 30 Jahren erwarten die Personalverantwortlichen von einer Bewerbung vor allem, dass sie vollständig ist. „Alle relevanten, aussagekräftigen Unterlagen müssen beigelegt werden. Zudem muss der Lebenslauf lückenlos sein“, erklärt Tino Daute, Geschäftsführer von IMB in Falkensee. Das Personalmanagement-Unternehmen betreibt das Recruiting für Unternehmen vor allem aus der Automobilbranche. Laut Daute hat sich aber eines entscheidend geändert: Über die Bewerbung hinaus sei für Personaler interessant, welche Spuren ein Kandidat im Netz hinterlasse. Auch das sei sehr aussagekräftig.

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