CO2-Emissionen : Lufthansa startet eigene Kompensationsplattform

Fluggäste können nun alternative Kraftstoffe und Aufforstungsprojekte fördern. Bisher ist weltweit nur wenig nachhaltiger Kraftstoff verfügbar.

Lufthansa will seinen Kunden eine klimafreundliche Option bieten.
Lufthansa will seinen Kunden eine klimafreundliche Option bieten.Foto: imago images / Rüdiger Wölk

Fluggäste können ihre Flüge und die damit verbundenen CO2-Emissionen bislang über Plattformen wie atmosfair oder bei Lufthansa über die Schweizer Plattform myclimate ausgleichen. Dort werden die Emissionen für den jeweiligen Flug berechnet und in einen Betrag umgewandelt den Fluggäste zahlen.

Das Geld investieren atmosfair oder myclimate in Aufforstungsprojekte in Entwicklungsländern. Jetzt kommt eine Lufthansa-Plattform, nicht nur für den Ausgleich von Lufthansa-Flügen und ihrer Töchter wie Austrian oder Swiss, sondern für Flüge aller Airlines weltweit.

Das neue und weltweit Einmalige daran: Durch ihren Beitrag über Compensaid (www.compensaid.de) fördern die Fluggäste den Einsatz alternativer, CO2-neutraler, synthetischer Kraftstoffe. Allerdings ist das angesichts der bislang geringen verfügbaren Menge nur bedingt möglich. Deshalb unterstützt Lufthansa auf diesem Weg auch Aufforstungsprojekte in Nicaragua.

„Fliegen bringt viel Positives in unsere Welt. Es hat aber auch negative Klimaeffekte, denen es nicht zuletzt auch aus einer digitalen Perspektive entgegen zu wirken gilt“, sagt Gleb Tritus, Chef des Lufthansa Innovation Hub. Der Ableger der Airline für moderne Geschäftskonzepte und App-Anwendungen hat die Kompensationsplattform entwickelt. „Mit Compensaid geben wir Reisenden ein Tool an die Hand, das aufzeigt, welchen Klimaeffekt ihre Flüge haben. Mit Hilfe innovativer Technologien wie nachhaltigem Treibstoff kann dieser signifikant reduziert werden.“

Bei nachhaltigerem Treibstoff handelt es sich um sogenannten Sustainable Aviation Fuel (SAF). Allerdings sind derzeit davon jährlich nur etwa 50 000 Tonnen verfügbar. Das ist deutlich weniger als ein Prozent des weltweit notwendigen Kerosins. Gewonnen wird SAF aus Bioabfällen und Müll und dem daraus erzeugten Gas. Produziert wird der Treibstoff aktuell in Kalifornien, die Herstellung in Deutschland ist ab 2024 vorgesehen, heißt es bei Lufthansa.

Auf Compensaid wird der individuelle Treibstoffverbrauch und die damit verbundene individuelle Emission von CO2 errechnet, anhand von Flugdistanz, Flugzeit, Reiseziel und Flugzeugtyp. Diese Emission kann der Fluggast auf zwei Wegen ausgleichen: „Erstmals können fossile Flugkraftstoffe eins-zu-eins durch SAF ersetzt werden“, sagt Tritus.

Die Plattform errechne dafür die Preisdifferenz zwischen SAF und fossilem Kerosin. Den Aufpreis zahlt der Reisende entsprechend seines individuellen Treibstoffverbrauchs. Lufthansa kauft dann nach Angaben von Tritus den CO2 neutralen Kraftstoff, der innerhalb der kommenden sechs Monate auf Lufthansa-Flügen eingesetzt wird.

Fluggäste können bis zu 80 Prozent der Emissionen ausgleichen

SAF ist derzeit nach Angaben eines Lufthansa-Sprechers aber nur am Flughafen in Los Angeles verfügbar und wird dort mit 0,5 Prozent bei der Betankung der Flugzeuge beigemischt. Reisende können über Compensaid aber auch Aufforstungsprojekte in Nicaragua unterstützen. Damit werden ihre Emissionen in den folgenden 20 Jahren gebunden, sagt Tritus. Insgesamt könnten Fluggäste über die Plattform bis zu 80 Prozent der Emissionen ausgleichen.

Partner der Lufthansa ist auch bei Compensaid die Schweizer Klimaschutzstiftung myclimate. Seit Anfang August läuft eine Testversion von Compensaid. Mittelfristig will Lufthansa die Plattform für alle Verkehrsmittel und für den Ausgleich der mit deren Nutzung verbundenen Emissionen nutzen.

Allerdings werden solche Ausgleichsmöglichkeiten für Treibstoff-Verbrauch und Treibhaus-Emissionen bislang kaum genutzt. Bezogen auf Lufthansa-Kunden liege der Anteil trotz einer deutlichen Zunahme aufgrund der intensivierten Klimadebatte immer noch im unteren einstelligen Prozentbereich, heißt es in Frankfurt. Lufthansa selbst gleicht Dienstflüge seiner Beschäftigten allerdings auch erst seit Jahresanfang über myclimate aus.

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