Warum die Berliner keine Angst vor der Konkurrenz haben.

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Der Bierabsatz sinkt : Berliner Brause soll Brauer retten

Stattdessen trifft man dort überall auf den Klassiker – die „Rixdorfer Fassbrause“. In den Pet-Flaschen kommt sie vom Mineralwasserhersteller Bad Liebenwerda, in den trendigen, kleinen Glasflaschen von der Berliner Kindl-Brauerei. Drin ist dasselbe. Beide brauen nach dem Originalrezept, die Rechte liegen bei Dr. Oetker, der Kindl-Mutter. Die neue Konkurrenz sehen beide Firmen gelassen. „Die werden es schwer haben“, glaubt Ingolf Hänsgen, Marketingleiter von Bad Liebenwerda. Jedes Jahr verkaufe sein Haus mehrere Millionen Flaschen Fassbrause, das sei „eine ganz starke Marke“. Bei Berliner Kindl hofft man auf die Geschmackstreue der Berliner. Die neuen Fassbrausen würden sich in Farbe, Zutaten und Geschmack von der ursprünglichen Fassbrause doch „sehr deutlich unterscheiden“, gibt Marketingleiterin Antonia Elter zu bedenken.

Das stimmt. Denn während die Berliner Fassbrause aus Malzextrakt, Wasser, Zucker, Zitronensäure und natürlichen Kräuteraromen gebraut wird und kein Bier enthält, mischen die meisten Brauer ihr Erfrischungsgetränk mit alkoholfreiem Bier. Dadurch wird die Brause im Abgang herber. Nur Krombacher arbeitet ebenfalls mit Malz, setzt aber Fruchtzutaten zu. Bier, Frucht – alles ist erlaubt. Der Begriff Fassbrause ist rechtlich nicht geschützt.

Die Fassbrause ist nicht der erste Versuch der Branche, mit neuen Produkten den Rückgang im klassischen Biergeschäft auszugleichen. Nicht alles hatte Erfolg. Während alkoholfreies Bier von Jahr zu Jahr besser läuft, haben die Biermischgetränke ihre beste Zeit hinter sich. Am gesamten Biermarkt haben sie einen Anteil von vier bis sechs Prozent, und es wird eher weniger als mehr. Obwohl die Brauer immer erfinderischer werden, allen voran Marktführer Veltins. Doch das pechschwarze Powerfruit-Gemisch V+ mit Guarana oder das quietschblaue, nach Erdbeer schmeckende V+ Energy ist nun wirklich nichts für jedermann. Genauso wie die Bier-Cappuccino-Mischung von Veltins oder das Prosecco-Bier „Eve“ von Carlsberg. Beide kamen und waren schnell wieder weg. Kein Wunder.

Ob der Brauerbrause dasselbe Schicksal droht, bleibt abzuwarten. Doch egal was im Rest der Republik geschieht, Berlin hält an der Fassbrause fest. Seit Mittwoch gibt es sogar eine neue Sorte, die „Kreuzbär Fassbrause“ – mit Koffein. Sie wird im Brauhaus Südstern hergestellt und von Hand abgefüllt. „Lange genug haben neumodische Szenelimos um die Gunst unserer Kehle gebuhlt“, sagt Jan Schöning, einer der vier Firmengründer, „dabei hat Berlin doch selbst seit über 100 Jahren mit Berliner Fassbrause eine ganz besonders schmackhafte Erfrischung, auf welche es stolz sein kann.“

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