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Viva Mexico. Die Mitarbeiter in Silao nennen das 100. Volkswagen-Werk „uno-zero-zero“.

© dpa

Neues Werk: Die VW-Familie wächst

Der Autohersteller eröffnet in Mexiko sein 100. Werk – und weckt große Hoffnungen.

Der Volkswagen-Konzern will ab 2018 jedes Jahr eine Million Autos in Nordamerika absetzen. In den meisten Fahrzeugen sollen dann Motoren aus Mexiko stecken. Am Dienstagabend eröffnete Europas größter Autohersteller im mexikanischen Silao die Fabrik, in der die Antriebe produziert werden. Keine zwei Tage, nachdem sich der Konzern auf der Automesse in Detroit für ein Rekordjahr 2012 hatte feiern lassen, nahm sein 100. Werk die Arbeit auf.

Mehr als eine halbe Milliarde Dollar hat Volkswagen in Silao investiert, und der Einsatz dürfte sich schnell auszahlen. Das Werk, das zunächst mit 700 Arbeitern in einer Schicht startet, liefert schon bald 100 000 Vierzylinder-Motoren die in acht verschiedenen Varianten im Passat, Jetta und Beetle verbaut werden. Das Werk ist auf die dreifache Kapazität ausgelegt.

VW-Chef Martin Winterkorn bezeichnet Silao als „Teil des größten globalen Netzwerks der Automobilbranche“, Mitarbeiter sprechen schlicht von der Fabrik „uno-zero-zero“. Sie liegt mitten im Industriegürtel der Provinz Guanajuato. Hier im Industriepark „Santa Fe“, wo auf dem trockenen Boden Agaven und Kakteen wachsen, haben sich zahlreiche Industriekonzerne niedergelassen, viele aus der Autobranche: der Reifenhersteller Pirelli, General Motors oder der Antriebs-Zulieferer American Axle. Überall wird gebaut, unter anderem für Mazda und Honda, die demnächst ebenfalls in der Region produzieren wollen.

2016 will der VW-Konzern ein Audi-Werk eröffnen.

Doch im industriellen Herzen der Provinz entstehen nicht nur Motoren und sonstige Autoteile. Hier wird ein neues Mexiko gebaut. So sieht es jedenfalls Staatspräsident Enrique Peña Nieto, der zur Eröffnung des VW-Werkes anreiste. Es ist sein erster Besuch in Guanajuato seit der Wahl im Dezember. „Volkswagen verhilft Mexiko zu neuer industrieller Kompetenz“, sagt er. Der technische Fortschritt gehört zu den fünf Prioritäten seiner Präsidentschaft – und Volkswagen ist Teil dieser Strategie, die Peña in seinem Buch „The Great Hope“ beschrieben hat. Die „große Hoffnung“ verbindet sich nicht nur mit dem Fließband, wo in 130 Schritten VW-Motoren gebaut werden, sondern auch mit den örtlichen Schulen, die mit VW in einem „dualen System“ nach deutschem Vorbild kooperieren. VW verfolgt damit das Ziel, qualifizierte Mitarbeiter vor Ort auszubilden.

Einer von ihnen ist Luis Padilla. Der 28-Jährige stammt aus Silao und führt im neuen Werk den Motoren-Kalttest durch. Er hat einen Hochschulabschluss und war gerade sechs Monate in Europa. Im ungarischen Györ hat er gelernt, wie VW Motoren produziert werden, und in Stuttgart ließ er sich beim Maschinenbauer Froehlich schulen, der Teile der Fertigungsstraße für Silao geliefert hat. „Ich bin froh hier arbeiten zu können“, sagt Padilla. Manuel Andrade stimmt zu. Der 26-Jährige kennt die Arbeit im Käfer-Werk in Puebla und war schon in VW-Niederlassungen in Deutschland, Ungarn und Slowenien. In Silao ist er Abteilungsleiter. „VW bietet tolle Ausbildungsmöglichkeiten“, sagt er. „Es ist ein großer globaler Name.“ Das tue der ganzen Region gut.

„Die Geschichte von Volkswagen in Mexiko ist die Geschichte unzähliger Familien“, schwärmt der Präsident beim Werksrundgang und meint damit nicht nur den „Vochito“, den Käfer, mit dem seit den 1960er Jahren Millionen Landsleute unterwegs sind. Die Familie wird wachsen: 2016 will der VW-Konzern ein Audi-Werk eröffnen und in den kommenden drei Jahren weitere fünf Milliarden in das Amerika-Geschäft investieren.

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