Ein Jahr nach der Übernahme durch PSA : Opel macht sich

Bei Opel geht es ein Jahr nach der Übernahme durch die Franzosen wieder aufwärts. Gleichwohl sind 2000 Jobs bedroht.

Neuanfang. Opel produziert inzwischen nicht mehr auf Vorrat.
Neuanfang. Opel produziert inzwischen nicht mehr auf Vorrat.Foto: dpa

„Opel ist in einer dramatischen Situation. Wir haben keine Minute zu verlieren.“ Carlos Tavares, Chef des französischen Autokonzerns PSA, nahm an diesem 9. November 2017 in der Opel-Zentrale in Rüsselsheim kein Blatt vor den Mund. Wenige Wochen zuvor hatten die Franzosen den deutschen Autohersteller dem US-Konzern General Motors (GM) abgekauft. Opel-Chef Michael Lohscheller präsentierte mit PACE! an diesem Morgen ein hartes Sanierungsprogramm, mit dem Opel bis 2020 komplett neu aufgestellt und eng mit PSA verzahnt werden sollte. Ein Jahr später zieht Lohscheller eine positive Zwischenbilanz. „PACE! funktioniert. Opel wird nachhaltig profitabel, elektrisch und global.“ Tatsächlich geht es voran: Erstmals seit Langem verbuchte Opel im ersten Halbjahr wieder einen Betriebsgewinn – gleich eine halbe Milliarde Euro.

Trotz der Fortschritte ringt Opel um eine noch bessere Aufstellung. Derzeit geht es um eine strategische Partnerschaft mit dem französischen Zulieferer Segula für große Teile des Entwicklungszentrums am Stammsitz in Rüsselsheim. Weil auch durch die Trennung von GM Aufträge wegfallen, sind nach Angaben von Lohscheller bis zu 2000 Jobs bedroht. Die könnten bei einem Kündigungsschutz bis Mitte 2023 mit Segula gesichert werden. Gesamtbetriebsrat und IG Metall sind skeptisch, sie befürchten Gehalts- und Lohneinbußen von bis zu 25 Prozent und warnen vor einer Zerschlagung des Entwicklungszentrums. Wann und wie sich beide Seiten einigen, ist offen.

Beim Marktanteil liegt Opel noch an sechster Stelle

Auch mit Blick auf die Zulassungszahlen sieht es für Opel nicht rosig aus. Zwar gab es im Oktober in Deutschland gegen den deutlich negativen Trend des Marktes ein leichtes Plus von einem Prozent auf 19 545 neu zugelassene Pkw. Aber seit Januar verbucht Opel ein Minus von 6,4 Prozent auf 193 421 Einheiten. Gemessen am Marktanteil von 6,6 Prozent liegt Opel damit zum ersten Mal seit Jahrzehnten hinter Ford nur an sechster Stelle und ganz weit hinter VW. Die Wolfsburger kommen trotz Dieselkrise auf 18,9 Prozent. In Europa ist der Marktanteil von Opel zusammen mit der britischen Schwestermarke Vauxhall von 6,3 auf zuletzt 5,8 Prozent geschrumpft. Und auch Opel muss sich wegen möglicher illegaler Abschalteinrichtungen Auflagen des Kraftfahrtbundesamtes gefallen lassen und Diesel-Pkw zurückrufen. Opel sieht sich zu Unrecht am Pranger und zieht vor Gericht.

Die Bilanz stimme. Man sei auf einem richtigen Weg, sagt Lohscheller gleichwohl. Er hat Wort gehalten, trotz des Kostendrucks kein Werk geschlossen. Dabei soll es bleiben. Zugleich werde in die Werke investiert. Auch sei niemand entlassen worden. Es fallen zwar 3700 Stellen weg, aber ausschließlich über Abfindungsprogramme. Auch im Management sei ein Viertel der Stellen gestrichen worden. Lohscheller räumt ein, dass es beim Verkauf hake. Aber dies resultiert auch daraus, dass man auf das defizitäre Flottengeschäft mit Autovermietern verzichtet und offensichtlich auch die Zulassung von Pkw auf Händler reduziert. Mit jedem verkauften Auto erziele Opel heute mehr Umsatz und Gewinn. Lohscheller zufolge geben Kunden in Deutschland heute rund 1400 Euro mehr für einen Opel aus als vor Jahresfrist. Heute produziere Opel nur noch entsprechend der Nachfrage und nicht mehr auf Halde.

Ab 2020 soll es zu jedem Modell eine elektrische Variante geben

Die Rüsselsheimer profitieren immer stärker von der Integration in den PSA-Konzern. Autos werden gemeinsam entwickelt, was bis zu 50 Prozent der Kosten spart. Die Pkw-Palette soll bei Opel bis 2024 so verändert werden, dass es von jedem Modell eine elektrische Variante gibt. 2020 sollen vier Modelle elektrifiziert sein.

Erhebliches Potenzial sieht Lohscheller zusammen mit PSA auch im Geschäft mit leichten Nutzfahrzeugen und auf außereuropäischen Märkten. Unter GM waren sie Opel weitgehend verschlossen. Mittlerweile setzt das Unternehmen auf den Verkauf unter anderem in Marokko, Tunesien und Südafrika. Im Namibia soll noch im November die Montage des SUV-Modells Grandland X anlaufen.

Frühere Kritiker von Opel sind mittlerweile überrascht und angetan von der Entwicklung in Rüsselsheim. Jürgen Pieper, Autoexperte beim Bankhaus Metzler, schreibt das vor allem der von PSA-Chef Tavares vorgegebenen harten Strategie zu. „Auch PSA lag vor Jahren am Boden, unter Tavares gelang ein sensationelles Comeback.“ Heute ist PSA für Pieper einer der besten Autokonzerne in Europa. Opel sieht er nach den deutlichen Einsparungen und dem überraschend hohen Betriebsgewinn im ersten Halbjahr auf gutem Weg. „Für das Gesamtjahr dürfte der Gewinn bei 700 bis 750 Millionen Euro liegen“, schätzt Pieper. „Das ist weit mehr, als man erwarten konnte.“ Problematisch seien noch Absatz und Produkte. Allerdings hält es auch Pieper für richtig, dass Opel unprofitable Verkäufe eingestellt hat. Und neue, zusammen mit PSA entwickelte Modelle könnten eben nicht von heute auf morgen auf den Markt kommen.

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