Fleischkonsum : "Ein XXL-Schnitzel ist pervers"

Hack, Steak, Schinken - auf dem Speiseplan der Deutschen stehen Tiere weit oben. Umweltschützer fordern dazu auf, den Fleischkonsum zu halbieren.

Riesige Portionen Fleisch sollte es nicht mehr geben.
Riesige Portionen Fleisch sollte es nicht mehr geben.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Mehr Strenge beim Fleischkonsum: Hubert Weiger, Vorsitzender des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) ist dafür. In Kitas, Kantinen und Krankenhäusern sollte es kleinere Mengen auf den Tellern geben – mit der Option, einen kostenlosen Nachschlag zu erhalten. Übergroße Portionen in Restaurants würde er, wenn er könnte, ganz abschaffen. „Ein XXL-Schnitzel ist pervers“, sagte er am Mittwoch, als er mit Barbara Unmüßig, Vorstandsmitglied der Heinrich-Böll-Stiftung den „Fleischatlas 2018“ vorstellte.

Laut dem Report haben die Deutschen im vergangenen Jahr durchschnittlich 59 Kilogramm Fleisch pro Kopf gegessen – etwa eineinhalb Kilo weniger als im Vorjahr, aber kaum weniger als zehn Jahre zuvor. Aus Sicht der Umweltschützer sollte jedoch nur die Hälfte verzehrt werden. Dies empfiehlt auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung. „Es geht nicht darum, gar kein Fleisch zu essen, sondern weniger“, sagte Unmüßig.

Um das zu erreichen, müssten die Verbraucher zum einen besser darüber aufgeklärt werden, wie Tiere in Massenbetrieben gehalten werden und was für Folgen der Kauf von Billigwurst hat – für ihre persönliche Gesundheit und für die Umwelt. Bauern, die Tiere artgerecht halten, müssten besser unterstützt werden. Dazu sollten auch die 60 Milliarden Euro Jahresausgaben für Agrarpolitik der Europäischen Union zukünftig nur noch in tiergerechte und ökologische Landwirtschaft fließen.

Gefragt sei aber auch die deutsche Politik. „Die Bundesregierung muss noch in diesem Jahr die Weichen für einen nachhaltigen Umbau der Tierhaltung stellen“, sagte Weiger. „Abgesehen von Ankündigungen ist in den vergangenen Jahren wenig passiert.“ Der BUND und die Heinrich-Böll-Stiftung fordern eine verpflichtende Kennzeichnung bei Fleisch – vergleichbar mit der Eier-Kennzeichnung, die dazu geführt habe, dass Eier aus Käfighaltung ausgelistet werden. Ein „freiwilliges Tierwohllabel mit laschen Anforderungen“, wie es Agrarminister Christian Schmidt (CSU) vorschlägt, reiche nicht aus.

Ein zentrales Problem der industriellen Tierhaltung sei außerdem die exorbitante Güllebelastung der deutschen Böden und des Grundwassers. Dagegen könne nur eine Abgabe auf Stickstoffüberschüsse und eine konsequente Begrenzung der Tiermengen helfen. Der Richtwert dürfe zwei Großvieheinheiten pro Hektar nicht überschreiten, was zwei Rinder oder zehn ausgewachsene Schweine sind. Demzufolge müssten die Schweinebestände um mehrere Millionen Tiere sinken. Besonders betroffen wären das westliche Niedersachsen und Westfalen.

Laut dem kürzlich veröffentlichten Ernährungsreport des Landwirtschaftsministeriums würden die meisten Verbraucher für Fleisch von besser gehaltenen Tieren mehr bezahlen. Bei einem Kilo Fleisch für zehn Euro würde die Hälfte der für den Report Befragten zwei bis fünf Euro drauflegen. Fast so viele würden mehr für Fleisch mit einem staatlichen Tierwohl-Label bezahlen. Dass sie sich heute schon an Siegeln orientieren, erklärten aber nur 41 Prozent der Befragten. Der Anteil der Vegetarier und Vegetarierinnen hat sich in den vergangenen zehn Jahren auf über vier Prozent verdoppelt. Rund zwölf Prozent der Deutschen bemühen sich, als Flexitarier ihren Konsum zu reduzieren. Auf Grund dieser Entwicklung fühlen sich die Umweltschützer in ihrem Streben bestätigt und werben zudem für Laborfleisch und Insekten-Burger. Die Fleischproduktion könne „auf vielen Wegen“ nachhaltiger werden.

Der Bauernverband bekräftigte indes, dass die Landwirtschaft die Erzeugung klimaschonender gestalten wolle. Dazu sollten unter anderem Düngemittel mit neuer Technik sparsamer eingesetzt und deutlich mehr Gülle in Biogasanlagen verwertet werden.

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