Foodwatch startet Verbraucherportal : Wie sauber ist mein Lieblingsrestaurant?

Auf der Online-Plattform "Topf Secret" können Verbraucher seit heute die Hygiene-Bedingungen erfragen - vom Café bis zum Supermarkt. Das Projekt ist umstritten.

Rund ein Viertel der Betriebe fallen bei Kontrollen der Ämter durch.
Rund ein Viertel der Betriebe fallen bei Kontrollen der Ämter durch.Foto: picture alliance / dpa

Das Symbol von Mustafas Gemüsekebap am Mehringdamm leuchtet bereits gelb. Genau so wie das von Burgermeister am Schlesischen Tor und das vom Rewe-Supermarkt in der Invalidenstraße. Anscheinend stellt sich so manchem Kunden bei diesen Betrieben die Frage, wie es um die dortigen Hygienebedingungen bestellt ist. Denn genau das bedeutet es, wenn ein gelbes Symbol auf der am Montag gelaunchten Internetseite "Topf Secret" leuchtet: Ein Nutzer hat bei der zuständigen Behörde nach den Ergebnissen der Hygienekontrollen in diesem Betrieb gefragt.

Die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch und die Transparenz-Initiative FragDenStaat haben diese Online-Plattform gestartet, damit sich Verbraucher über die Hygienebedingungen in Lebensmittelbetrieben informieren können. Das Prinzip ist einfach: In einem Suchfeld oder auf einer Karte können Nutzer Unternehmen der Lebensmittelbranche in Berlin suchen und eine standardisierte Anfrage zum jeweiligen Betrieb senden. "1. Wann haben die beiden letzten lebensmittelrechtlichen Betriebsüberprüfungen im folgenden Betrieb stattgefunden?", lautet die erste Frage. "2. Kam es hierbei zu Beanstandungen? Falls ja, beantrage ich hiermit die Herausgabe des entsprechenden Kontrollberichts an mich", die zweite.

Foodwatch fordert einheitliche Kennzeichnung

Die Anfrage geht automatisch an die zuständige Behörde. Foodwatch beruft sich dabei auf das Verbraucherinformationsgesetz. Die Ergebnisse erhielten die Nutzer in der Regel erst nach mehreren Wochen, schätzen die Verbraucherschützer. Es könne aber auch passieren, dass Behörden "sich quer stellen". Wenn die Antwort der Behörde vorliegt, färbt sich das Symbol auf der Karte auf "Topf Secret" grün und die Informationen sind für alle Internetnutzer frei zugänglich.

Wie das aussieht, zeigt Foodwatch bei der Vorstellung der Internetseite anhand des Café Nöö in Halle. Hier ist auf "Topf Secret" nun das ausgefüllte und eingescannte Formular zu sehen, das die Lebensmittelbehörde bei ihrem bislang letzten Besuch erstellt hat. Zudem sind Fotos hochgeladen worden, die bei der vergangenen Kontrolle aufgenommen wurden. "Etwa jeder vierte Betrieb wird bei den Kontrollen beanstandet", sagt Oliver Huizinga, Leiter Recherche und Kampagnen bei Foodwatch. "Die Verbraucherinnen und Verbraucher erfahren das in der Regel nicht, nur Ausnahmefülle müssen veröffentlicht werden."

Direkt nach dem Launch war die Seite zunächst überlastet und konnte keine Anfragen bearbeiten. Huizinga appellierte zudem an die Bundesregierung einheitliche Kennzeichnungspflicht für Lebensmittelbetriebe zu installieren, die dem Kunden die Ergebnisse der vergangenen Kontrolle anzeigt. Länder wie Wales, Dänemark oder Norwegen hätten solche Systeme eingeführt, die Zahl der Mängel sei seitdem deutlich zurückgegangen.

Gastronomie nennt das Projekt "reinsten Populismus"

Das Gastronomie-Gewerbe übt harte Kritik an der neuen Plattform. Die Hauptgeschäftsführerin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverband, Ingrid Hartges, nannte das Angebot "reinsten Populismus". Gastronomen dürften nicht zu Unrecht an den öffentlichen Pranger gestellt werden. Hartges bezeichnete "Topf Secret" in der Allgemeinen Hotel- und Gastronomiezeitung schon im Vorfeld als "in höchstem Maße rechtlich fragwürdig".

Erst vor wenigen Wochen hatten die Hygienebedingungen von Lebensmittelbetrieben in Berlin für Aufsehen gesorgt. Die Verbraucherzentrale hatte Zahlen veröffentlicht, nach denen mehr als ein Viertel der Firmen in Berlin nicht den Ansprüchen der Behörden genüge. In den Bezirken Spandau und Friedrichshain-Kreuzberg war es sogar jeder zweite Betrieb.

Die Bezirke kritisierten an dieser Darstellung allerdings, dass sich die Mängel nicht unbedingt auf Hygiene bezogen. So könnten auch Verstöße gegen die Kennzeichnungspflicht oder andere bürokratische Vorschriften dazu führen, dass ein Unternehmen bei den Kontrollen durchfällt. Aus den Angaben auf "Topf Secret" könnten sich Verbraucher möglicherweise nun bald ein differenziertes Bild über die Art der Mängel machen.

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