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Edler Klumpen in der Hand eines Minenarbeiters aus der Mongolei. Das meiste Gold wird allerdings in Südafrika gefördert. Foto: Reuters

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Verbrauchertipps: Gold zu Geld

Obwohl der Goldpreis seit Spätsommer 2011 etwas gesunken ist, steht er noch immer historisch hoch. Wie sinnvoll es ist, jetzt Goldschmuck zu verkaufen - und wie das am besten geht.

Viele haben Goldschmuck zu Hause, den sie gar nicht tragen und lieber verkaufen möchten. Jetzt könnte der richtige Zeitpunkt dafür sein. Zwar hat sich in den vergangenen fünf Jahren der Goldpreis fast verdreifacht – von 604 Dollar pro Feinunze (31,1 Gramm) im Jahr 2006 auf aktuell knapp 1658 Dollar. Das sind rund 41 Euro pro Gramm. Seit Spätsommer 2011 ist der Preis allerdings schon wieder etwas gesunken. Damals kostete die Feinunze zeitweise mehr als 1900 Dollar.

ENTWICKLUNG DES GOLDPREISES

Anlage-Experten sind sich uneins, wie sich der Goldpreis entwickeln wird: Rohstoff-Analyst Carsten Fritsch von der Commerzbank rechnet damit, dass der Preis in den nächsten drei Monaten zwar etwas sinkt, bis Jahresende aber auf 1900 Dollar pro Feinunze klettert. Die Schweizer Großbank UBS hingegen hat Ende März ihre Prognose von 2050 Dollar auf 1680 Dollar am Jahresende gesenkt. Der bisherige Preisanstieg hat vor allem zwei Gründe: Erstens haben seit der Finanz- und Wirtschaftskrise viele Anleger Abstand vom stürmischen Aktienmarkt genommen und stattdessen in Gold investiert, das als sicherer Hafen gilt. Zweitens treibt auch die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank Anleger in das Edelmetall: Weil die EZB in großem Stil billiges Geld in den Markt pumpt, versuchen sich viele Sparer mit Gold gegen die Inflation abzusichern. Der weltweite Hunger nach dem edlen Metall fördert auch dessen Wiederverwertung: Während nach Angaben der globalen Goldminen-Organisation World Gold Council im Jahr 2000 weltweit 619 Tonnen privates und industrielles Altgold eingeschmolzen wurden, waren es nach Berechnungen des Hanauer Edelmetall- und Technologieunternehmens Heraeus im vergangenen Jahr 1612 Tonnen. Für Ariane Lauenburg von der Stiftung Warentest ist jedenfalls klar: „Jetzt ist ein günstiger Zeitpunkt, um Gold zu verkaufen.“ Denn zum einen sei der Goldpreis trotz der jüngsten Schwankungen im Vergleich zu den letzten fünf Jahren immer noch „historisch hoch“. Und zum anderen wisse keiner wirklich, wie er sich künftig entwickle. „Das ist pure Spekulation.“

IMMER MEHR GOLD-HÄNDLER

Wer sich für den Verkauf des Familiengoldes entscheidet, findet viele Abnehmer. Zwar kaufen weder Banken noch Sparkassen Schmuck an. Dafür gibt es aber immer mehr kleine und mittelgroße Ankäufer: Vom fliegenden Händler, der durch die Dörfer reist, über Pfandleiher, Juweliere und Online-Firmen, denen die Kunden ihr Altgold per Post schicken können. Sie machen Gold zu Geld, indem sie günstig ankaufen, auf einen guten Preis an den Rohstoffbörsen warten und dann kiloweise an die Scheideanstalten verkaufen, die das Metall einschmelzen und in Barrenform wieder auf den Markt bringen. Auf jedem Stück des Weges, den das Gold dabei nimmt, verdient ein Zwischenhändler daran. Deshalb können Verbraucher selten zum aktuellen Marktpreis verkaufen. Das Gold direkt den Scheideanstalten anzubieten und dadurch die Zwischenhändler zu umgehen, ist schwierig, da die Anstalten meist nur große Mengen ankaufen.

VERSCHIEDENE ANGEBOTE EINHOLEN

Privatleute, die nicht im großen Stil mit Gold handeln können, sondern nur Omas alte Brosche in Bares verwandeln wollen, sollten Vorsicht walten lassen. Denn nicht alle Ankäufer sind seriös. „Man sollte auf keinen Fall beim Erstbesten verkaufen“, rät Verbraucherschützer Falk Murko. Für die Stiftung Warentest holte er Angebote von zehn verschiedenen Pfandleihern und Juwelieren in Berlin ein. Für sein Gold mit einem Materialwert von 1200 Euro boten sie ihm zwischen 511 und 1600 Euro. „Da, wo es die lautesten Versprechungen gab, bekamen wir bei unseren Stichproben die niedrigsten Preise“, kritisiert Murko. An mindestens drei Händler sollte man sich daher wenden und die Angebote vergleichen. Und insbesondere beim Internet- oder Brief-Verkauf ist es sehr wichtig, dass Verbraucher sich genau ansehen, mit wem sie es zu tun haben und wie sicher es ist, das Gold per Post dorthin zu schicken – vertrauenswürdige Händler bieten klare Geschäftsbedingungen und eine Versicherung für eingesandtes Gold.

GOLD IST NICHT GLEICH GOLD

„Man muss sich schlau machen“, sagt auch Helga Ritscher-Sandmeier. Die Berlinerin ist nicht nur Goldschmiedin, sondern auch öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige für Schmuck. Zwei Schritte sollten Verbraucher ihrer Meinung nach unternehmen, damit sie ihren Goldschmuck nicht unter Wert verkaufen. Erstens sollten sie ermitteln, wie viel Gold tatsächlich darin steckt. Denn oft sind in der Legierung noch Silber oder Kupfer verarbeitet. Wie viel Feingold enthalten ist, zeigt meist ein Stempel auf dem Metall – so hat 333er Gold einen Feingoldgehalt von 33,3 Prozent. Bei 24 Karat handelt es sich um 100-prozentiges Gold. Falls es keinen Stempel gibt oder Zweifel an dessen Echtheit bestehen, können Juweliere und Goldschmiede den Goldgehalt überprüfen. Auch hier sollten Verbraucher aber mehrere Angebote einholen.

MEHR WERT ALS DAS METALL

Wer ein Schmuckstück besitzt, das aufwendig verarbeitet ist, sollte prüfen, ob es auch einen Wert als Kunstgegenstand hat, der den reinen Materialwert übersteigt. Die Sachverständige Ritscher-Sandmeier rät, sich für eine erste Einschätzung an ein Auktionshaus zu wenden und zu fragen, ob der Auktionator den Schmuck versteigern würde. Falls ja, kann man davon ausgehen, dass er einen Wert als Kunstgegenstand hat. Auch Juweliere können Schmuckstücke schätzen. Für eine unabhängige Meinung aber sollten Verbraucher zu einem vereidigten Sachverständigen gehen. Das kostet allerdings – meist ein bis zwei Prozent vom Wert des Schmuckstücks. Wer in der Hoffnung auf weiter steigende Goldpreise mit dem Verkauf warten möchte, kann sich bis dahin zumindest mit einer hübschen Wertanlage schmücken.

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