Stadtumbau : Parkhäuser für Pakete

Betreiberunternehmen Apcoa verwandelt seine Standorte in Logistikzentren.

Sichere Sache. Wachpersonal dürfte bei der Größe dieser Container im Parkhaus nicht vonnöten sein. Gute Antriebskräfte bei der Beförderung allerdings schon.
Sichere Sache. Wachpersonal dürfte bei der Größe dieser Container im Parkhaus nicht vonnöten sein. Gute Antriebskräfte bei der...Foto: Apcoa/Promo

Parkhäuser in Innenstädten stehen vor einer großen Zukunft: Sie könnten zu zentralen Punkten des Stadtumbaus mit weniger Verkehren und Emissionen werden. Der Betreiberkonzern Apcoa will künftig Parkhäuser in ganz Europa als Logistik-Hubs für Pakete und andere Lieferungen sowie als Standorte zum Laden und die Vermietung von Elektrofahrzeugen nutzen. Nach einer erfolgreichen Testphase in Stuttgart soll das Projekt, bei dem Stellplätze als eine Art temporäre Umladestation für Lieferungen genutzt werden, nun ausgeweitet werden. Nach Tagesspiegel–Recherchen prüft das Unternehmen auch Standorte in Berlin. Hier betreibt Apcoa 19 Standorte, unter anderem am Alexa, am Adlon, am Sony-Center, an den Bahnhofspassagen und an den Schönhauser Allee Arcaden.

„Wir werden noch dieses Jahr beginnen und es dann nächstes Jahr flächendeckend in ganz Europa ausrollen“, sagte Niels Christ, Director Digital Sales & Alliances bei Apcoa, der Deutschen Presse-Agentur. Das Unternehmen betreibt in 13 Ländern mehr als 9500 Standorte mit zusammen rund 1,5 Millionen Stellplätzen. Mit Blick auf Berlin sagte Apcoa-Sprecher Sebastian Merkle dieser Zeitung: „Die Parkhäuser werden zu Mobilitätshubs weiterentwickelt“. Hier hätten künftig Anbieter von Elektromobilität und E-Ladestationen, Logistikdienstleister und Shared Mobility ihren Platz. „Im Endeffekt sind die Städte gefordert, das bezahlte Straßenparken zu streichen und die frei werdenden Flächen für andere Nutzungen – zum Beispiel für Fahrradstraßen – frei zu machen.“ Die Autos hätten dann in Parkhäusern ihren Platz. Natürlich profitieren Parkhausbetreiber wie Apcoa oder Parkhauseigentümer finanziell beträchtlich, wenn die nachts und an Wochenenden weniger frequentierten Flächen temporär an Logistikdienstleister oder E-Mobilitätsanbieter vermietet werden können.

Größere Fahrzeuge liefern Warencontainer, kleine verteilen die Güter

Apcoa hatte das Konzept seit dem vergangenen Jahr zusammen mit dem Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation und der Logistikfirma Velocarrier in Stuttgart in mehreren Parkhäusern erprobt. Dabei wurden bestimmte Stellplätze in Randzeiten kurzzeitig für Autos gesperrt, größere Fahrzeuge stellten Container mit Paketen darauf ab. Velocarrier-Mitarbeiter holten diese Container dann mit Lastenrädern ab und starteten ihre Auslieferungstour im Umkreis. „Man fährt mit seiner App an die Schranke, der Kurier wird erkannt, fährt weiter, stellt den Container ab oder nimmt ihn auf – und im Hintergrund wird der Parkvorgang gestartet und nach dem Hinausfahren beendet“, sagt Merkle: „Wir berechnen es dann Velocarrier und Velocarrier berechnet es als Sublieferant dann zum Beispiel UPS, dem Auftraggeber.“

Mit elektrifizierten Lastenfahrrädern kann die "letzte Meile" in der Auslieferungskette bewältigt werden.
Mit elektrifizierten Lastenfahrrädern kann die "letzte Meile" in der Auslieferungskette bewältigt werden.Foto: Apcoa/Promo

Nach den Modellversuchen geht Apcoa jetzt mit Partnern an zwei Standorten in den Regelbetrieb: in Stuttgart und in Esslingen. Ziel ist es, den Lieferverkehr mit großen Lastwagen aus den oft engen Straßen der Innenstadt fernzuhalten und die „letzte Meile“ bei der Auslieferung von Waren, mit Elektrolastenfahrrädern zu bewältigen. Abgerechnet wird online und nicht mit festgelegten Mieten für die Flächen, sondern je nach Umfang und Dauer der Nutzung. Neben kleinen Logistikern will Apcoa allerdings auch die ganz Großen der Branche ins Boot holen, auch wenn die mit ihren Fahrzeugen in kein Innenstadt-Parkhaus passen.

„Wir haben ja ein sehr breites Bouquet an Standorten“, sagte Christ und verwies zum Beispiel auf Flughäfen oder eher außerhalb gelegene Einkaufszentren, wo große Lastwagen dann auch über Rampen von außen an die Parkhäuser andocken und ihre Waren umladen könnten. „Da sind wir in sehr guten Gesprächen“, sagte Christ. Sein Kommunikationschef Merkle ergänzt auf Anfrage, man verhandle auch mit einem „großen europäischen Dienstleister aus dem Bereich Shared Mobility.“

Allein mit Lastenrädern lassen sich keine Paketberge versetzen

Könnte ein Parkhaus nicht auch ein guter Platz für Pakete von DHL sein? Das Unternehmen liefert vor allem in der Coronakrise mit seinen Fahrzeugen oft in zweiter Reihe stehend Waren an Online-Kunden aus. „Als größter Paketdienstleister in Deutschland beschäftigen wir uns selbstverständlich mit alternativen Ansätzen für die Zustellung auf der letzten Meile, die den Verkehr entlasten und zur Schonung der Umwelt beitragen können“, schreibt Pressesprecherin Sarah Preuß auf Anfrage. Grundsätzlich begrüße man ja Initiativen, die Maßnahmen für noch nachhaltigere Logistik unterstützen. Doch den Einsatz von Lastenrädern habe DHL im Rahmen von Pilotprojekten bereits erprobt, darunter auch in Berlin. Das Ergebnis: „Mit Lastenrädern allein lassen sich die steigenden Sendungsmengen nicht bewältigen. Angesichts des weiterhin stark wachsenden E-Commerce-Marktes setzen wir daher auch in Zukunft auf die weitere Elektrifizierung unserer Fahrzeug-Flotte in der Verbund- und Paketzustellung.“ 

DHL hat eigenen Angaben zufolge bereits über 11 000 Elektro-Fahrzeuge in der Zustellung im Einsatz.

Letztlich wird über die Verkehrskonzepte in den Großstädten entscheiden, ob Apcoa-Projekte erfolgreich sein können oder eher der Aktionsplan von Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) zum Zuge kommt, der bei der Paketauslieferung auf „Flugtaxis“ setzt. Vielleicht könnten sie auf Parkhäusern landen.

Die Mischung aus Anreiz (mehr Angebote im Nahverkehr, Radwege und Parkhäuser) und Zwang (Citymaut, Einbahnstraßen) macht es im Individualverkehr aus. Das eine funktioniert nicht ohne das andere. Das gilt auch für die gewerblichen Lieferverkehre.