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Spartanisch sehen die Flüchtlingsunterkünfte in modularer Bauweise von der Firma Züblin aus. Sie sind innerhalb von vier Monaten bezugsfertig.

© Züblin/Arnim Kilgus

Modulares und serielles Bauen: Wiederholungsfall als Schlüssel zum Erfolg

Ein Workshop zu serieller Fertigung stößt auf großes Interesse. Das Versprechen der Bauweise ist, Zeit und Geld zu sparen. Vor allem aber ist gute Planung wichtig.

Eigentlich hatten die Veranstalter nur einen kleinen Workshop geplant. Dann war der Saal voll. Mit dem Thema „Serieller Wohnungsbau“ am vergangenen Dienstag in Berlin trafen der Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) und der Hauptverband der Bauindustrie offensichtlich einen Nerv.

Kein Wunder, schließlich müssen vor allem in deutschen Ballungszentren schnell neue Wohnungen entstehen. 400.000 pro Jahr lautet die aktuelle Schätzung, mindestens 20.000 in Berlin. Mit dem seriellen Bauen ist die Hoffnung verbunden, an Tempo zuzulegen und preiswerter zu bauen. Zuletzt hatte sich auch eine Veranstaltung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt dem Thema gewidmet.

Auf keinen Fall nur „bloße Masse“ dürfe jetzt gebaut werden, sagte GdW-Präsident Axel Gedaschko. „Guten, verantwortungsvollen Städtebau“ versprach der Berliner Staatssekretär für für Bauen und Wohnen, Engelbert Lütke Daldrup. Man müsse aber „schneller planen mit vernünftigen Verfahren, die nicht Jahre dauern“. Um das umzusetzen, werde es in Berlin bald eine B(ebauungs)plan-Fabrik geben, sagte Lütke Daldrup und nannte zum ersten Mal eine Größenordnung von 50 Stellen.

Zu viele Normen, die Vorschriften der Vergabeordnung Bau und die Grundstückpreise – Gründe, warum Bauen teuer ist, gibt es viele. Auch die Margen der ungeliebten Projektsteuerer („die brauchen wir nicht“, sagte ein Diskutant unter Szenenapplaus) spielen eine Rolle. Aber wie kann es besser gehen?

Prototyp für eine zweistöckige Flüchtlingsunterkunft in Holzbauweise

Mit dem Baustoff Holz beispielsweise. Gerd Landsberg vom Deutschen Städte- und Gemeindebund berichtete von einem Projekt, das die Stadt Konz in Rheinland-Pfalz angestoßen hat. Zusammen mit dem Städtebund wurde dort der Prototyp für eine zweistöckige Flüchtlingsunterkunft in Holzbauweise entwickelt. „Sie ist so konstruiert, dass jeder Schreiner sie mit einem durchschnittlichen Maschinenpark fertigen kann“, erklärt Agneta Psczolla vom Städtebund.

Immer noch werden serielle Wohnbauten der DDR abgerissen, hier eine "Platte" im Wohngebiet Neuberesinchen in Frankfurt (Oder). In vielen ländlichen Regionen wachsen die Leerstände weiter.

© Patrick Pleul/dpa

Für eine Gebühr von 650 Euro könne jede Gemeinde die Pläne bekommen. Der Preis des Gebäudes beträgt rund 1500 Euro pro Quadratmeter ohne Grundstück und Erschließung. Allerdings seien Vorurteile wie „Holz hält ja nicht“ in der Bevölkerung schwer zu brechen, sagte Landsberg.

Für Typengebäude wie das aus Konz liegt im Idealfall eine Typenbaugenehmigung vor, die den Bauprozess noch einmal beschleunigt.

Berlin setzt nicht mehr nur auf Beton

Auch in Berlin könnten demnächst Flüchtlingsunterkünfte aus Holz gebaut werden. In den jüngsten Ausschreibungen von städtischen Wohnungsgesellschaften für die nächsten modularen Flüchtlingsunterkünfte (MUF) ist Holz als Baustoff jedenfalls nicht mehr ausgeschlossen.

In der ersten Ausschreibung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung vom Oktober für 60 serielle Neubauten war das noch anders. Damals forderte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt von den Unternehmen eine Erklärung zum Umsatz mit Leistungen, „die mit der zu vergebenden Leistung vergleichbar sind (hier: Betonfertigteilbau)“. Holzbau war damit faktisch ausgeschlossen.

„Weitere Kriterien wie Nachhaltigkeit oder architektonische Gestaltung fanden keinerlei Berücksichtigung“, bedauert Melanie Henneberger, Referentin für Stadtentwicklung der Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus. „Es wäre unserer Meinung nach sinnvoll, lokale Firmen und Holzbaubetriebe besonders zu berücksichtigen, da dies auch eine wirtschaftliche Wertschöpfung und Förderung der Unternehmen der Region ermöglichen könnte.“

Anfang 2016 nun wurden die nächsten Ausschreibungen veröffentlicht. Im Auftrag mehrerer anderer Wohnungsgesellschaften suchen Gewobag, Howoge sowie Stadt und Land nach Generalübernehmern, die weitere schlüsselfertige Flüchtlingsunterkünfte errichten. Noch vor dem nächsten Winter sollen die ersten MUF aus Beton fertig sein.

Vorfertigungsgrad und Material sind relativ egal

So oder so ähnlich werden die modularen Flüchtlingsunterkünfte aus Beton aussehen.

© Senatsverwaltung für Stadtentwicklung

Die Vorfertigung von Bauteilen im Werk senkt die Kosten nicht unbedingt, war beim Workshop von GdW und Bauwirtschaft zu hören. Grund sind die Transportkosten, sagte Marcus Becker vom Hauptverband der Bauindustrie. Auch die Preispolitik der Hersteller spielt eine Rolle. „Sie verkaufen zum maximalen Preis“, ließ ein Architekt durchblicken. Die Kostenersparnis bleibt also als Rendite bei den Produzenten hängen.

Unerheblich ist offenbar auch, ob ein typisiertes Gebäude aus Holz oder Stahlbeton hergestellt oder ob es traditionell gemauert wird. Diese Erfahrung jedenfalls hat die Firma Züblin mit einer eigenen Serie für Flüchtlinge gemacht. Die Bauten sind für jede dieser Bauweisen geeignet. Wichtig ist dagegen das serielle Prinzip: „Der Wiederholungsfall ist der Schlüssel“, sagte Klaus Pacher, technischer Direktionsleiter bei Züblin.

Unterbringung am Flughafen Tempelhof: Nicht nur die Flüchtlinge, sondern auch der jahrelang zu geringe Neubau erzeugen den aktuellen Druck auf dem Wohnungsmarkt.

© Bernd von Jutrczenka/dpa

Allzu hoch dürfen die Erwartungen an die Kostenersparnis aber nicht sein. Zehn Prozent niedrigere Baukosten hat die Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft mit den Züblin-Typenbauten erzielt, berichtete der technische Geschäftsführer Helmuth Caesar. Allerdings waren die Gebäude deutlich schneller bezugsfertig als herkömmliche Bauten, nämlich innerhalb von vier Monaten. Die spartanisch-einfache Anmutung ist im Übrigen Programm, „damit nicht Sozialneid entsteht“, sagte Caesar

Landauf landab wird das Prinzip jetzt genutzt. Helmut Knüpp von der Wankendorfer Baugenossenschaft von Schleswig-Holstein stellte Typenbauten vor, die sein Unternehmen für Kommunen errichtet. In der ersten Phase werden sie als Unterkunft für Flüchtlinge genutzt, später ist eine Nachnutzung durch „normale“ Mieter vorgesehen. Dann kann auch umgerüstet, eine Fluchttreppe außen abmontiert und durch Balkone ersetzt werden.

Wer gut plant, baut günstiger

Sechs Wochen vergehen vom Bauantrag bis zur Genehmigung eines solchen Baus, berichtete Knüpp. Begrenzender Faktor sind seiner Erfahrung nach die Kapazitäten des örtlichen Handwerks – also doch ein Plädoyer für einen hohen Vorfertigungsgrad.

Wirklich große Potentiale liegen dagegen in einer guten Planung, berichtete Edmund von Thermann, Prokurist bei der Städtischen Wohnungsgesellschaft München. Die Planungsgruppe für eine besonders preiswertes Projekt habe zunächst gearbeitet, als ob es keine Regeln und Vorschriften gäbe, berichtete von Thermann.

Gleiche Grundrisse vom Erdgeschoss bis zum fünften Stock, nur ein Aufzug pro Gebäude und keine Tiefgarage. So kam die GWG für mehrere gleichartige Gebäuderiegel auf erstaunliche 1360 Euro Kosten pro Quadratmeter für das aufgehende Bauwerk. Allein eine Tiefgarage hätte 225 Euro Mehrkosten pro Quadratmeter gebracht. Auch

Noch ein andere Faktor für schnelles und kostengünstiges Bauen sind großen Losgrößen. Erst dann lohnen sich bestimmte Technologien der Serienfertigung, referierte Barbara Janorschke vom Institut für Angewandte Bauforschung Weimar die Ergebnisse einer Studie ihres Instituts.

Nachverdichtung in Städten wird ein Konfliktherd

Bei allen Optimierungsversuchen muss das Bauen aber weiterhin am Menschen ausgerichtet sein. „Das dürfen wir nicht aus den Augen verlieren“, sagt Joachim Brennke von der Bundesarchitektenkammer. Er benannte die Sorge, dass die heute erstellten Gebäude der „baukulturelle Schrott von morgen“ sein könnten.

Im jüngsten Baukulturbericht der Stiftung Baukultur sind weitere Konfliktpotentiale von Nachverdichtung in Städten beschrieben: Der Verlust von Freiflächen, Veränderung von Belichtung und Aussicht oder die Angst vor Verdrängung. „Wir werden ganz viel in die Kommunikation mit den Bürgern gehen müssen, damit wir überhaupt bauen dürfen“, sieht Brenncke kommen.

Andererseits seien die regulär vier bis fünf Jahre zu lang, bis ein Gebäude steht, sagte Brenncke. „Das wird nicht funktionieren. Sonst schlagen wir uns nachher gegenseitig oder die Flüchtlinge.“

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