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Tagesspiegel Plus

Preise stiegen im Juli um 3,8 Prozent: Wie Sie Ihr Vermögen vor der Inflation schützen

Bei einer Inflation von 4 Prozent werden aus 50.000 Euro Kaufkraft binnen zehn Jahren 33.000 Euro. Lesen Sie hier, wie Sie Ihr Geld anlegen, um das zu verhindern.

In den USA ist die Inflation bereits auf 5,4 Prozent gestiegen. Auch in Deutschland geht der Trend steil nach oben: Nach minus 0,3 Prozent im Dezember, einem Prozent im Januar, 1,3 Prozent im Februar und 1,7 Prozent im März lag die Preissteigerung im April bei zwei Prozent.

Wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte ging es seitdem noch weiter bergauf: 3,8 Prozent betrug die Teuerungsrate im vergangenen Monat. Für das zweite Halbjahr erwartet die Bundesbank gar eine vier vor dem Komma. Es ist der höchste Wert seit 1993.

Experten gehen von temporärer Inflation aus

In den USA halten Marktbeobachter kurzfristig sogar eine Inflation von fünf oder sogar sechs Prozent für denkbar. Zwar beruhigen nahezu alle Fachleute, der Anstieg sei nur eine temporäre Folge der Corona-Krise, entstanden durch hohe Stützungsmaßnahmen und eine dynamische Rückkehr zu mehr Wachstum, verbunden mit Rohstoff- und Bauteil-Knappheit und daraus folgenden Preiserhöhungen.

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Dennoch ist unsicher, ob das Phänomen wirklich nur vorübergehend ist und nicht eine Preisspirale befeuern und damit Zinserhöhungen erzwingen würde.

Klar ist: Betroffen ist jeder, der mit Geld zu tun hat, ob Anleger, Sparer, Investor oder Aktionär. Welche Folgen aber hat eine Inflation für welche Anlageform und wie kann man sein Geld inflationsfest machen? Ein Überblick.

Sparen lohnt sich nicht mehr

Wer sein Geld nur auf Spar-, Festgeld oder Tagesgeld-Konten deponiert, muss damit rechnen, dass sein Vermögen dramatisch an Wert verliert. Denn einerseits schlägt die Inflation unsichtbar zu, andererseits fließen keine Zinsen, die den Verlust auch nur ansatzweise ausgleichen könnten.

Vor allem Anleger, die ihr Erspartes langfristig mit homöopathisch niedrigen Zinsen gebunden haben, könnten zu den Verlierern gehören. Ein Rechenbeispiel: Wer 50.000 Euro für fünf Jahre anlegen will, kann derzeit maximal mit 0,6 bis 0,8 Prozent Zinsen rechnen, und dies auch nur bei ausländischen Banken wie der Crédit Agricole, der Amsterdam Trade Bank oder der Ziraat Bank.

Ein Zins von 0,7 Prozent auf 50.000 Euro, führt nach fünf Jahren zu einem Kontostand von 51.775 Euro, sofern die Steuerfreibeträge greifen und keine Abgeltungssteuer zu zahlen ist. Doch allein eine zweiprozentige Inflation führt dazu, dass eigentlich ein Guthaben von 55.204 Euro auf dem Sparkonto stehen müsste, um den Kaufkraftverlust zu neutralisieren.

Wer sein Geld nicht verlieren will, sollte demnächst mit dem Rechnen anfangen.

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Denn die Inflation bewirkt ja, dass allein die ursprünglichen 50.000 Euro nach fünf Jahren nur noch den Wert von heute 45.287 Euro haben. Bei vier Prozent Inflation in den kommenden fünf Jahren würde die Kaufkraft der 50.000 Euro im Jahr 2026 nur noch bei gut 41.000 Euro liegen.

Nach zehn Jahren ist der Verlust noch drastischer

Nach zehn Jahren könnte der Anleger mit seinen 50.000 Euro sogar nur noch Waren kaufen, die er heute bereits für 33.778 Euro bekommt. Und in 30 Jahren hätten jene 50.000 Euro nur noch die Kaufkraft von heute 15 400 Euro. Um das Inflationsgespenst zu verjagen, sind also Zinssätze mindestens in Höhe der Inflationsrate erforderlich.

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Doch selbst Zinsen von zwei Prozent zahlt derzeit in Europa niemand. Wer spart, verliert also real jeden Tag Geld – und bei steigender Inflation immer mehr. Experten empfehlen deshalb, sein Geld nicht komplett auf Zinskonten zu lagern und nicht über längere Zeiträume fix zu binden, um auf mögliche Zinssteigerungen schnell reagieren zu können.

Denn sollte die Inflation nachhaltig steigen, müssten die Notenbanken die Leitzinsen anheben, was die Banken mit Verzögerung auch an die Kunden weitergeben würden. Besonders ungünstig ist es bei steigender Inflation auch, größere Bargeldbeträge zu Hause oder im Banksafe zu deponieren.

Denn sollte die Inflation tatsächlich auf vier Prozent steigen, wären etwa 10 000 Euro, die völlig unverzinst im Safe liegen, bereits nach einem Jahr nur noch 9615 Euro wert, nach zwei Jahren bereits nur noch 9246 Euro.

Anleihen drohen Kursverluste

Steigt die Inflation, erwartet der Markt auch einen Zinsanstieg. Dies war im vergangenen Jahr gut an den Anleihemärkten erkennbar. Querbeet in der Eurozone, vor allem aber in Deutschland, wurden Altanleihen in Erwartungen steigender Zinsen verkauft.

Die Kurse fielen damit, während die Renditen (also der Zins gemessen am Kurs) stiegen. Die zehnjährige deutsche Staatsanleihe, die als eine Art Barometer für den Markt gilt, warf kurz vor der Corona-Krise noch minus 0,3 Prozent ab, Anleger mussten also Minuszinsen zahlen.

Im Zuge der Zuspitzung der Krise bis zum Frühjahr 2020 waren Anleihen gefragt, die Renditen fielen im Hochsommer sogar auf weniger als minus 0,7 Prozent. Seit Dezember jedoch geht die Reise, parallel zur steigenden Inflationsrate, klar in Richtung positive Renditen.

An niedrige Zinsen gekettet

Derzeit liegt die Rendite der Zehnjährigen nur noch bei minus 0,175 Prozent. Wer dem deutschen Staat für 25 oder 30 Jahre Geld leiht, erhält dafür derzeit 0,29 bzw 0,38 Prozent. Dass die Renditen nicht bereits weitaus höher liegen, liegt an der Europäischen Zentralbank, die sich mit Anleihekäufen weiter gegen einen Rendite-Anstieg stemmt.

Denn zu hohe Zinsen können sich die meisten Staaten nach den billionenschweren Stützungsprogrammen aus der Corona-Krise nicht leisten. Insgesamt gilt für Anleihen: Anleger sind hier meist für längere Zeit an tiefe Zinsen gekettet.

Im Supermarkt lässt sich der Anstieg der Verbraucherpreise beobachten.

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Sollte die Inflation anziehen, werden auch die Renditen ihren Trend nach oben fortsetzen, auch wenn die Notenbanken Gegenwehr leisten. Dies bedeutet: die Kurse fallen. Wer Anleihen guter Bonität bis zur Endfälligkeit halten will, kann zwischenzeitliche Kursverluste ignorieren, doch wird die Inflation massiv an den ohnehin niedrigen Renditen nagen.

Kurzläufer als Ausweg?

Ein Ausweg könnten Kurzläufer, die rasche Reaktionen erlauben und Anleihen mit Inflationsschutz sein. So genannte inflationsindexierte Bundesanleihen und Obligationen gibt es mit Laufzeiten von fünf bis zehn Jahren.

Da ihre Tilgungs- und Zinszahlungen an den Verbraucherpreisindex gekoppelt sind, bieten sie einen gewissen Schutz vor einem Kaufkraftverlust des angelegten Geldes. Dies wirkt aber nur teilweise, denn die ursprüngliche Verzinsung inflationsgeschützter Anleihen ist noch niedriger als jene normaler Anleihen.

Reich wird man damit also nicht. Im Falle einer rapide steigende Inflation böte diese Anleihen jedoch eine besseren Schutz des angelegten Geldes. Insgesamt gilt jedoch: In Zeiten steigender Inflation sind Anleihen erst dann wieder ein Kauf, wenn die Zinsen entsprechend gestiegen sind und einen Ausgleich bieten.

Davon sind wir aktuell weit entfernt. Eine Alternative könnten so genannte High-Yield-Bonds sein, also Anleihen mit höheren Zinsen, vor allem aus Schwellenländern. Allerdings: hier hat der Anleger auch höhere Risiken zu schultern, sei es über die Anlage in einer fremden Währung, sei es über die oft schlechteren Bonitäten der Emittenten.

In Europa wird man derzeit auf der Suche nach Renditen über zwei Prozent nur in Rumänien und Ungarn fündig, deren Regierungen 3,3 bzw 2,9 Prozent für zehn Jahre Verschuldung zahlen müssen.

Italien bietet 0,94 und Polen 1,77 Prozent – also ebenfalls keinen Ausgleich für die gegenwärtige Inflation von zwei Prozent. Renditen über vier Prozent versprechen Länder wie Mexiko, Namibia, Peru oder Russland, bei entsprechenden Risiken.

Aktie als Sachwert

Aktien sind Beteiligungen an Unternehmen und damit Sachwerte, die im Allgemeinen einen besseren Schutz vor Inflation bieten als Geldwerte. Dass die jüngste Alarmstimmung um die steigende Inflation auch an den Aktienmärkten für Depression gesorgt hat, war dennoch erwartbar.

Zum einen, weil Trendwechsel stets belasten, zum anderen, weil eine rapide steigende Inflation auch das Gleichgewicht in der Wirtschaft erschüttern und die Unternehmen mit einer Lohnspirale konfrontieren könnte, während die steigenden Preise nicht immer automatisch an den Endkunden weitergereicht werden könnten.

Renditen an Aktienmärkten könnten die Inflation leicht ausgleichen.

© dpa-tmn

Und drittens, weil eine steigende Inflation, so es sich um kein temporäres Phänomen handelt, früher oder später zwangsläufig zu stark steigenden Zinsen führen sollte. Eine Verteuerung der Finanzierung könnte dann die Bilanzen belasten. Zudem wären aktuelle Dividenden bei Inflationsraten von vier Prozent nicht mehr attraktiv.

Dennoch sind sich alle Experten einig: eine halbwegs inflationssichere Geldanlage kommt ohne Aktien nicht aus. Langfristig sind an den Aktienmärkten bzw. in den großen Aktienindizes Renditen zwischen sieben und elf Prozent machbar, so dass eine Inflation von vier bis sechs Prozent leicht auszugleichen wäre.

5,2 Prozent Rendite nach Inflation

Forscher haben berechnet, dass ein über mehr als 20 Länder diversifiziertes Aktiendepot, das mit Hilfe von Aktienindizes über 90 Prozent der globalen Marktkapitalisierung abbildet, zwischen 1900 und 2019 jedes Jahr 5,2 Prozent abgeworfen hat – und dies nach Inflation.

Dabei drückten vor allem Phasen sehr hoher Inflation wie in den Siebzigerjahren die Renditen überproportional. Damit wird zweierlei deutlich: Erstens ist für eine gute Entwicklung der Kurse entscheidend, wie hoch die Inflation ist. Bis zu Werten von etwa 3,5 Prozent herrscht für Unternehmen und damit Aktien ein optimales Umfeld.

Sehr viel höhere Werte , die dann auch stark steigende Zinsen im Schlepptau haben, beeinträchtigen dagegen das wirtschaftliche Tun und damit auch die Renditen von Aktien. Zweitens gilt: kurzfristig schützen Aktien vor Inflation nicht. Die Effekte sind erst im langfristigen Vergleich messbar.   Strittig ist unter Experten die Frage, welche Aktien am besten einen Inflationsschutz gewähren. Sind es Wachstumswerte, die hohe Renditen abwerfen, dabei meist hohe Schulden haben, für die zwar ansehnliche Zinsen zu zahlen sind, die die Inflation aber von alleine zum Teil wegfrisst?

Oder sind es Substanzwerte, die ihre Stabilität über Jahrzehnte unter Beweis gestellt haben und deren Produkte stets benötigt werden, etwa Lebensmittel-Unternehmen, Energiekonzerne, Pharmawerte, Rohstoffkonzerne und Grundversorger?

Daten aus der Vergangenheit deuten dabei an: am sinnvollsten bleibt auch in Zeiten steigender Inflation ein gut diversifiziertes Depot mit Aktien aus vielen Anlageregionen und Branchen. Ein oder mehrere günstige passive Aktienfonds (Exchange Traded Funds, kurz ETF) können diese Streuung in kleineren Depots übernehmen.

Hilfe für Schuldner

Steigende Inflation? Perfekt aus der Sicht von Schuldnern. Wer ein Darlehen abstottert, wird sich über jedes Hundertstelprozent Inflation freuen. Denn je höher die Inflation, desto mehr hilft sie auch bei der Tilgung. Der Grund: Wie jeder Geldbetrag schrumpft auch der Wert der Schulden, zwar nicht nominal, aber real. Sie sind dann einfacher zu tilgen.

Neue Schuldner jedoch könnte das weniger freuen, denn steigt die Inflation, werden irgendwann auch die Sätze von Krediten anziehen.

Was spricht dagegen, sich die aktuellen Konditionen gleich für mehrere Jahrzehnte zu sichern?

Max Herbst, FMH Finanzberatung

Gerade bei Baudarlehen, die sich an zehnjährigen deutschen Staatsanleihen orientieren, zeigt sich bereits ein Trend nach oben: 15-jährige Baudarlehen haben sich nach Zahlen der Zinsexperten von der FMH Finanzberatung in Frankfurt seit Jahresbeginn von unter einem auf jetzt 1,25 Prozent im Schnitt verteuert, Zehnjahres-Darlehen stiegen von 0,75 auf 0,93 Prozent.

Insgesamt gilt derzeit aber weiter: die Inflation liegt über den Zinssätzen und arbeitet für Schuldner wie auch Häuslebauer. Max Herbst von der Frankfurter FMH Finanzberatung rät Bauherren deshalb, die weiter günstigen Sätze möglichst lange festzuzurren: „Was spricht dagegen, sich die aktuellen Konditionen gleich für mehrere Jahrzehnte zu sichern“? Es sei davon auszugehen, dass die aktuellen Tiefstzinsen „nicht mehr das ewige Leben haben werden“.

Goldige Zeiten?

Edelmetalle, vor allem Gold, gelten als wichtigster Schutz vor Inflation überhaupt. Bei drohender Inflations-Eskalation ginge also viel Geld in Goldmünzen, Goldbarren oder Goldpapiere. In der Tat sind Barren und Anlagemünzen derzeit stark gefragt, vor allem in Deutschland. Der Goldpreis selbst hat nach langer Schwächephase zuletzt auch wieder zugelegt.

Goldbarren liegen in einem Tresor. Gold gilt als wichtigster Schutz vor Inflation.

© Sven Hoppe/dpa

Eine Feinunze von 31,1 Gramm kostet wieder mehr als 1900 Dollar, nachdem der Preis zwischen August 2020 und Ende März 2021 von 2069 auf 1680 Dollar korrigiert hatte. Dass Gold als rares Edelmetall ein stabiler Wertspeicher ist, der vor Entwertung schützt, geht auf die Zeit König Nebukadnezars von Babylon zurück.

Damals, vor etwa 2600 Jahren, bekam man für eine Unze 360 Laib Brot. Rechnet man einen Preis von 4,50 pro Laib, dann gälte diese Relation in etwa auch heute noch. Gold hätte demnach also seine Kaufkraft über lange Zeiträume bewahrt. Kurzfristig gilt dies jedoch nicht immer.

In der Vergangenheit wurde Gold vor allem als Absicherung gegen Krisen aller Art gekauft, weniger als Mittel gegen eine steigende Inflation. Zwischen 1983 und 2005 etwa stieg der Preis für eine Feinunze nur marginal von 423 auf 444 Dollar, die Inflation reduzierte den Wert im gleichen Zeitraum, gemessen in Dollar, aber um 38 Prozent.

Edelmetalle und Rohstoffe gelten dennoch als eine Art Versicherung, um eine steigende Inflation zumindest abzufedern. Beruhigen sich die Inflationswerte jedoch wieder, wie von den meisten Marktbeobachtern prognostiziert, wäre auch die Absicherung via Gold nicht mehr notwendig und vor allem professionelle Anleger würden auch wieder verkaufen.

Nicht nur die Bundesbank geht davon aus, dass sich die Preissteigerung spätestens 2022, wenn die coronabedingten wirtschaftlichen Turbulenzen nachgelassen haben, vom Tisch sein könnten. Dabei gilt: Werte rund um die zwei Prozent gelten als normal und sinnvoll, werden auch von den Notenbanken angestrebt.

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