Kampf gegen Dickmacher im Supermarktregal : Kinderlebensmittel sollen jetzt weniger Zucker enthalten

Um Übergewicht zu bekämpfen, sollen Lebensmittelhersteller weniger Zucker, Fett und Salz verwenden. Es gibt erste Erfolge, meint Ernährungsministerin Klöckner.

Dickmacher: Softdrinks enthalten viel Zucker.
Dickmacher: Softdrinks enthalten viel Zucker.Foto: dpa

Weniger Zucker, Fett, Salz und Kalorien im Fertigessen: Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) sieht sich mit ihrer Strategie im Kampf gegen Übergewicht und Fehlernährung bestätigt. Klöckner stellte am Mittwoch einen Bericht des bundeseigenen Max-Rubner-Instituts vor, das Jogurts, Quarkspeisen, Frühstückscerealien, Erfrischungsgetränke und Tiefkühlpizzen untersucht und mit den Nährwerten aus dem Jahr 2016 verglichen hatte.

Dialog mit der Lebensmittelindustrie: Bundesernährungsministerin Julia Klöckner sieht ihre Strategie bestätigt.
Dialog mit der Lebensmittelindustrie: Bundesernährungsministerin Julia Klöckner sieht ihre Strategie bestätigt.Foto: imago images/photothek

Danach ist der Zuckergehalt vor allem in Kinderlebensmitteln gesunken. So enthalten Quarkspeisen für Kinder jetzt 18 Prozent weniger Zucker und zehn Prozent weniger Kalorien, Erfrischungsgetränke sogar 35 Prozent weniger Zucker. In Kinderjogurts haben die Hersteller den Zuckerzusatz um sieben Prozent gesenkt. Dennoch ist die Ministerin damit nicht zufrieden. „Der Zuckerhalt in Kinderjogurts ist immer noch höher als in Nicht-Kinderjogurts“, kritisierte Klöckner und forderte von der Ernährungsindustrie Nachbesserungen. Gleiches gilt für Energy Drinks und Limonaden für Erwachsene. In den Softdrinks hat sich der Zuckergehalt nämlich nur um 0,2 Gramm pro 100 Milliliter reduziert.

Klöckner setzt auf Selbstverpflichtungen der Hersteller

Im Kampf gegen Dickmacher setzt die Ministerin auf Selbstverpflichtungen der Lebensmittelhersteller. Im November 2018 hatte sie erste Vereinbarungen vorgestellt. Danach soll der Zuckergehalt für Kinder-Frühstückscerealien bis zum Jahr 2025 um mindestens 20 Prozent sinken, der durchschnittliche Salzgehalt in Tiefkühlpizzen auf 1,25 Gramm pro 100 Gramm reduziert werden. Limonaden sollen bis 2025 15 Prozent weniger Zucker enthalten, haben die Hersteller versprochen.

Neun solcher Reduktionsvereinbarungen hat das Ministerium bereits mit der Industrie geschlossen, weitere sollen folgen. Klöckner hält ihren Ansatz nach wie vor für den richtigen Weg. "Die Ergebnisse zeigen: Es geht in die richtige Richtung", betonte die Ministerin. Klöckner hofft auf weitere Erfolge, wenn der Nutri-Score in die Läden kommt. Die neue Nährwertkennzeichnung misst Zucker, Fette, Salz, Zucker, aber auch gesunde Inhaltsstoffe wie Ballaststoffe in Fertiglebensmitteln und bewertet die Produkte. Verbrauchern soll die Orientierung dadurch leichter fallen.

Zu viel Fett, zu viel Salz: Auch für Tiefkühlpizza soll es bis 2025 gesündere Rezepturen geben.
Zu viel Fett, zu viel Salz: Auch für Tiefkühlpizza soll es bis 2025 gesündere Rezepturen geben.Foto: dpa

Der Lebensmittelverband ist mit den Monitoringergebnissen zufrieden. "Wir dürfen nicht vergessen, dass wir April 2020 haben und die Zielvereinbarungen erst in fünf Jahren vollständig umgesetzt werden sollten", sagte Hauptgeschäftsführer Christoph Minhoff.

Dagegen hält die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch Klöckners Strategie für „krachend gescheitert“. „99 Prozent der Frühstücksflocken für Kinder enthalten zu viel Zucker, Jogurts für Kinder enthalten 40 Prozent mehr Zucker als von der Weltgesundheitsorganisation empfohlen“, kritisierte Kampagnenleiter Oliver Huizinga. Foodwatch fordert von Klöckner daher verbindliche, gesetzgeberische Maßnahmen wie Werbeverbote oder eine Limo-Steuer statt weiterhin auf freiwillige Selbstverpflichtungen zu setzen.

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