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Ausverkauf. Im Zuge der Sanierung des Karstadt-Konzerns werden womöglich mehrere Kaufhäuser geschlossen werden.

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Update

Angeschlagene Warenhauskette: Karstadt will offenbar sechs Standorte schließen

Noch am späten Donnerstagabend tagte der Aufsichtsrat des Karstadt-Konzerns in Essen. Die Sitzung dauerte viel länger als geplant. Im Gremium wurde auch über die Schließung von Filialen diskutiert.

Die Aufgabe ist klar. Klar ist wohl auch jedem, wie groß die Herausforderung ist: Der neue Karstadt-Chef muss für das Unternehmen ein tragfähiges Geschäftsmodell entwickeln – und er muss es auch umsetzen. Am Donnerstag traf sich der Aufsichtsrat des Unternehmens in Essen, um über die Zukunft der Warenhauskette zu beraten. Der neue Eigentümer, die Signa Holding des österreichischen Immobilienunternehmers René Benko, wollte dem Gremium sein neues Konzept präsentieren und einen neuen Geschäftsführer: aller Voraussicht nach Stephan Fanderl. Fanderl ist bisher Aufsichtsratschef von Karstadt. Doch der Diskussionsbedarf war offenbar groß. Die Sitzung dauerte am späten Donnerstagabend noch an.

Sechs Standorte stehen womöglich vor der Schließung

Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters stehen sechs Standorte auf der Kippe. Das Management dringe auf deren Schließung, erfuhr Reuters von zwei mit dem Vorgang vertrauten Personen. Andere Quellen nennen bereits konkrete Standorte, die geschlossen werden sollen: die Warenhäuser in Hamburg-Billstedt und Stuttgart, die Schnäppchen-Center in Paderborn und Frankfurt an der Oder sowie zwei K-Town-Filialen in Köln und Göttingen. Ein Karstadt-Sprecher wollte sich zu den Informationen nicht äußern.

Der Unternehmer und neuer Karstadt-Eigner René Benko.
Der Unternehmer und neuer Karstadt-Eigner René Benko.

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Im Sommer hatte die Signa Holding zusätzlich zu der Mehrheit an den Karstadt-Sporthäusern und den Premiumhäusern – KaDeWe in Berlin, Oberpollinger in München und Alsterhaus in Hamburg – auch die komplette Karstadt Warenhaus GmbH vom damaligen Eigentümer Nicolas Berggruen übernommen. Alles in allem setzen die drei unabhängigen Gesellschaften rund drei Milliarden Euro um und beschäftigen mehr als 20 000 Mitarbeiter an mehr als 100 Standorten. Allein im Geschäftsjahr 2012/2013 machten die Karstadt-Warenhäuser einen Verlust von mehr als 120 Millionen Euro. In Berlin arbeiten rund 1300 Menschen für das Unternehmen, das inklusive des KaDeWe an 13 Standorten in der Hauptstadt vertreten ist.

Insgesamt sind 23 Filialen gefährdet

Bisher sind noch alle Versuche gescheitert, Karstadt wieder auf einen positiven Kurs zu bringen. Bereits im Juli hatte Aufsichtsratschef Fanderl die Belegschaft auf neue harte Einsparungen eingestimmt. Nach einem internen Papier haben 23 der noch verbliebenen 83 Filialen keine Zukunft im Unternehmen mehr. Kurz zuvor, Anfang Juli, hatte die ehemalige Ikea-Managerin Eva-Lotta Sjöstedt nach nur gut vier Monaten ihren Chefposten bei Karstadt aufgegeben. Sie fühlte sich von Berggruen nicht gut genug unterstützt.

Fanderl hat im Edeka-Laden seines Vaters gelernt.

Stephan Fanderl soll künftig die Geschäfte bei Karstadt führen.
Stephan Fanderl soll künftig die Geschäfte bei Karstadt führen.

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Mit René Benko steht nun ein Mann hinter Karstadt, der anders als Berggruen nicht nur von Immobilien etwas versteht, sondern bereits erfolgreiche große Shoppingpaläste in Österreich entwickelt hat. Benko ist sogar daran interessiert, auch die konkurrierende Warenhauskette Kaufhof zu übernehmen. Nach Informationen des Tagesspiegels ist er darüber bereits seit Monaten mit Metro im Gespräch. Die „Lebensmittel Zeitung“ berichtete, der Kaufpreis solle bei 2,5 Milliarden bis 2,7 Milliarden Euro liegen. Ein Signa-Sprecher wies die Meldung zurück. „Der Bericht entbehrt jeder Grundlage. Die Signa konzentriert sich zusammen mit dem Management von Karstadt voll und ganz auf das Sanierungs- und Zukunftsprogramm für die Karstadt Warenhaus GmbH“, sagte er. Allerdings hatte Signa bereits in der Vergangenheit Interesse an einer Kaufhof-Übernahme gezeigt.

Fanderl hat viel Erfahrung gesammelt

Die Zusammenführung der beiden Unternehmen wird dann höchstwahrscheinlich die Aufgabe von Stephan Fanderl sein. „Herr Fanderl ist der mit Abstand beste Mann, der kurzfristig für die Aufgabe zur Verfügung steht“, sagte Handelsexperte Thomas Roeb von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg dem Tagesspiegel. „Er hat sich in den höchsten Management-Positionen bewährt, es spricht viel für ihn.“ Seine vordringliche Aufgabe sei nun, Karstadt zu sanieren, sagte Roeb. „Die Margen sind einfach zu niedrig.“

Bereits die Ururgroßeltern hatten einen Krämerladen

Der 51-jährige Fanderl hat eine lange Handelskarriere hinter sich: Er war bei Metro, im Vorstand von Rewe, dann beim US-Handelskonzern Wal-Mart und beriet anschließend den Schweizer Discounter Denner. Handelsexpertise liegt bei Fanderl in der Familie. „Er hat das ja quasi mit der Muttermilch aufgesogen und hervorragend umgesetzt“, sagte sein Vater Reiner Fanderl dem „Donaukurier“. Bereits 1913 eröffneten Fanderls Ururgroßeltern in Ingolstadt einen Krämerladen, später wurde daraus ein Edeka-Markt. Reiner Fanderl stieg in den 60er Jahren ins Geschäft ein. Und sein Sohn Stephan startete dort seine Karriere mit einer Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann.

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