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Familie auf Mallorca

© John-Patrick Morarescu/Imago

Tagesspiegel Plus

Run auf Last-Minute-Reisen: Mit diesen Tipps und Tricks können Sie jetzt noch günstig Urlaub machen

Flüge und Hotels sind knapp, viele haben ihre Reisen schon vor Monaten gebucht. Spontanurlauber tun sich schwer. So findet man jetzt noch Schnäppchen.

Sie haben noch keinen Urlaub gebucht, aber jetzt möchten auch Sie verreisen? Kein Problem, könnte man denken, wenn man sich die Angebote im Internet ansieht. Sechs Tage Mallorca, Übernachtung mit Frühstück in Cala Ratjada, gibt es für 473 Euro, Abreise am 20. Juli. Das Hotel sieht nett aus, aber leider hebt der Flieger von Saarbrücken ab, und das auch noch morgens um sechs. Plötzlich ist das Schnäppchenangebot gar nicht mehr so attraktiv.

Oder Ägypten, Rotes Meer: Schöne Anlage mit eigenem Sandstrand. 789 Euro sollen zehn Tage kosten, wenn man Mitte nächster Woche fliegt, heißt es in der Übersicht des Reiseveranstalters. Doch wenn man buchen will, sind es ab Berlin plötzlich 1108 Euro pro Person. München wäre billiger, denn dort haben die Schulferien noch nicht beginnen. Vielleicht landet der Flieger aus Bayern auch nicht um 1.30 Uhr wie die Berliner Maschine. Leider lässt sich das im Internet nicht sehen, das Angebot ab München ist online nicht buchbar, heißt es.

Viele Bürger haben frühzeitig gebucht

„2022 ist kein Last-Minute-Jahr“, sagt Sven Schikarsky, Produktchef von DER Touristik (DERTOUR, Jahn Reisen, ITS und Meiers Weltreisen). „Die große Reiselust hat dazu geführt, dass die meisten ihren Sommerurlaub bereits gebucht haben“. Die schönen Buchten seien schon lange vergriffen genauso wie die komfortablen Zimmer, berichtet auch Aage Dünhaupt, Sprecher des größten deutschen Reisekonzerns Tui. „Man muss nehmen, was da ist.“

Und das ist nicht mehr so viel. Denn in diesem Jahr haben die Bundesbürger frühzeitig gebucht und viel Geld in ihren Sommerurlaub gesteckt. Viele haben eher teure Anlagen gewählt und Zimmer mit Meerblick statt Parkplatz. Für Griechenland hat die Tui kaum noch Last-Minute-Angebote, bei der Rewe-Tochter DER Touristik sind darüber hinaus auch viele Angebote in der Türkei und Spanien vergriffen, weil andere schneller waren. Der Nachholbedarf der Bundesbürger nach Urlaub ist groß, viele haben Angst, es könnte für lange Zeit der letzte sein. Wer hohe Nachzahlungen für seine Heizkosten bezahlen muss, hat kein Geld mehr für den All-Inclusive-Premium-Urlaub auf Kreta.

Früher gab es Rabatte von 80 Prozent. Und heute?

Für Schnäppchenjäger sind das schlechte Voraussetzungen. Sie konnten in der Vergangenheit oft den einen oder anderen Treffer landen und für wenig Geld Urlaub in einem gehobenen Hotel machen. Rabatte von bis zu 80 Prozent waren möglich, wenn man flexibel war, was das Urlaubsziel, die Reisezeit und möglichst auch den Flughafen betrifft. Denn bei den Last-Minute-Angeboten schnüren die Veranstalter aus den noch verbliebenen Plätzen in den Flugzeugen und Hotels neue Pauschalreiseangebote.

Doch in diesem Jahr gibt es nicht viel zu schnüren. Viele Flüge werden gestrichen, auch Hotels haben oft nicht genug Personal, um alle Zimmer anbieten zu können. Das hat Konsequenzen: Nach einer Analyse des Vergleichsportals Check24 für den Tagesspiegel sind Last-Minute-Reisen in diesem Jahr deutlich teurer als in den vergangenen zwei Jahren. Die ägyptischen Badeorte Hurghada und Safaga kosten im Schnitt 35 Prozent mehr als im Vor-Corona-Sommer 2019, für die türkischen Urlaubsorte Side und Alanya müssen Last-Minute-Urlauber 29 Prozent mehr bezahlen. Bei Mallorca beträgt das Preisplus 19 Prozent verglichen mit 2019, bei Gran Canaria sind es 26 Prozent.

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Die Preissteigerungen haben viele Gründe, sagt Martin Zier, Geschäftsführer Reise bei Check24: „Großer Preistreiber waren in den vergangenen Monaten neben der Inflation natürlich die Kerosinpreise“. Die Veranstalter müssen zudem mehr Geld für den neuen Insolvenzschutz ausgeben, den die Politik nach der Thomas-Cook-Pleite eingeführt hat. Hinzu kommen auch die gestiegenen Bedürfnisse nach etwas mehr Luxus.

Ägypten ist heute 50 Prozent teurer als im Januar

Wohl dem, der sich das frühzeitig überlegt hat. Denn Frühbucher, die bereits zu Beginn des Jahres zugeschlagen haben, reisen in vielen Fällen günstiger als die Last-Minute-Urlauber. Eine Untersuchung des Internetportals HoldidayCheck für den Tagesspiegel zeigt: Bei Familien beliebte Ziele wie die Türkische Riviera oder Mallorca sind jetzt durchschnittlich über 30 Prozent teurer als im Januar. Griechische Inseln und Hurghada kosten inzwischen sogar 50 Prozent mehr als zu Jahresanfang.

Auch innerhalb der letzten Wochen seien die Preise noch einmal stark gestiegen, warnt HolidayCheck. Im Vergleich zu Mitte Juni haben sich die Preise in der Türkei in der vergangenen Woche um durchschnittlich 25 Prozent und in Spanien um rund 15 Prozent erhöht. Einige Ziele haben sich nach Informationen von Check24 im Juni verglichen mit März jedoch verbilligt. Das betrifft etwa die griechischen Inseln. Wie volatil die Preise sind, zeigt aber, dass Fuerteventura zwar billiger, aber Gran Canaria teurer geworden ist.

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Für die Last-Minute-Reisenden ist die Urlaubsbuchung eine echte Herausforderung. Das Problem trifft viele, auch in Berlin und Brandenburg: HolidayCheck hat in den letzten Wochen einen Anstieg der Suchanfragen aus der Region um 20 Prozent festgestellt. Viele haben sich mit Blick auf Corona nicht getraut, frühzeitig zu buchen, andere wussten bis zuletzt nicht, ob sie angesichts der hohen Krankmeldungen von ihrem Arbeitgeber Urlaub bekommen. Hinzu kommen diejenigen, die auf Schnäppchen hoffen.

Obwohl das Angebot in diesem Jahr generell kleiner ist, sollten sich Spontanurlauber nicht entmutigen lassen, beteuert HolidayCheck-Tourismusexperte Christoph Heinzmann: „Schnäppchen lassen sich finden, wenn Urlauber:innen flexibel sind.“ Check24 verspricht auch in diesem Sommer Rabatte von bis zu 60 Prozent für Last-Minute Reisen. Solche Angebote ließen sich bei fast allen bekannten Pauschalreisezielen finden.

Angesichts des Flugchaos steigen immer mehr Urlauber auf die Bahn um. Das auf Bahnreisen spezialisierte Unternehmen Ameropa verzeichnet einen kräftigen Anstieg der Buchungen für Reisen mit dem Zug. Im Mai und Juni haben die Buchungen bereits das Vor-Krisen-Niveau erreicht, teilte die einstige Bahntochter auf Tagesspiegel-Anfrage mit. Seit Juli bietet Ameropa ein Sparangebot für die erste Klasse mit Festpreisen von 32,90 Euro beziehungsweise 52,90 Euro pro Person. Der Sparpreis Touristik Deutschland gilt für Buchungen bis zum 15. August und Reisen bis zum 30. November.

Auch das 9-Euro-Ticket beflügelt das Geschäft, vor allem bei Last Minute. Hoch im Kurs stehen bei Spontanurlaubern derzeit Städtereisen nach Hamburg, Wien oder Paris. Beim Internetportal Booking interessieren sich die Kunden darüber hinaus auch für Berlin, München, Frankfurt am Main und Dresden. Möglicherweise ist das für den einen oder anderen Kurzentschlossenen eine Alternative: Zehn Tage Frankfurt statt Fuerteventura? Anreise mit dem 9-Euro-Ticket. Kein Flug, kein Transfer vom Airport ins Hotel: Spontaner geht es kaum.

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