Lebensmitteleinzelhandel : Warum es seit neuestem bei Aldi Konzerttickets gibt

Bei Supermärkten und Discountern gibt es inzwischen weit mehr als Lebensmittel. Doch nicht immer sind die günstigen Angebote für Kunden eine gute Nachricht.

Louisa Schmökel
der Aldi - Supermarkt gegenüber vom Supermarkt Kaiser`s im Kellergeschoss der Potsdamer Platz - Arkaden Berlin Tiergarten
der Aldi - Supermarkt gegenüber vom Supermarkt Kaiser`s im Kellergeschoss der Potsdamer Platz - Arkaden Berlin TiergartenFoto: Doris Spiekermann-Klaas

Konzerttickets suchte man bislang im Supermarkt vergeblich. Aldi ändert das jetzt. Unter dem Motto „Exklusiv für alle“ verkauft der Discounter in seinen Filialen Tickets-Codes für Konzertkarten für die aktuelle Tour der Fantastischen Vier. Seit dieser Woche gibt es die Tickets auch online bei Aldi zu kaufen – allerdings nicht zu Discounter-Preisen: Je nach Preiskategorie kosten die Tickets zwischen 49,90 und 89,90 Euro.

Auf dem hart umkämpften Markt des Lebensmitteleinzelhandels müssen Supermärkte und Discounter auch ihren Non-Food-Bereich stetig verbessern. Die PR-wirksame Kooperation mit einem Partner wie den Fantastischen Vier ist für Aldi eine große Chance. „Mit der Formel ’Aufmerksamkeit’ und ’Marketing’ möchte Aldi hier neue Kundengruppen gewinnen“, erklärt Philip Reichardt, Referent für Handel- und Stadtmarketing der Industrie- und Handelskammer Köln.

Konzertkarten, Bahntickets und Microsoft-Lizenzen im Lebensmitteleinzelhandel

Mit diesem kreativen Geschäftsmodell ist Aldi nicht alleine. In wiederkehrenden Aktionszeiträumen vertreibt Lidl günstige Bahntickets. „Der Lebensmitteleinzelhandel ist sehr wettbewerbsintensiv. Im Kampf um die Kunden müssen sich Supermärkte profilieren", so Reichardt. Außerdem veränderten sich die Anforderungen der Kunden. Die Entwicklung gehe zum „One-Stop-Shopping“ beziehungsweise - um es in den Worten eines bekannten Werbeslogans auszudrücken - „Einmal hin, alles drin“. Auch Billigprodukte scheinen für Kunden zunehmend ihren Reiz zu verlieren. Deswegen sei bei den Discountern seit einigen Jahren der Trend des „Trading-Up zu beobachten, weg von der Geiz-ist-geil-Mentalität hin zu mehr Qualität im Sortiment.

Als etwas völlig neues sieht Reichardt in dieser Entwicklung allerdings nicht: „Non-Food-Produkte hat es in Supermärkten immer gegeben. Prepaid-Karten fürs Handy gehören mittlerweile genauso fest zum Sortiment wie Milch und Eier.“ Und auch höherpreisige Lebensmittelhändler wollen neue Märkte erschließen. So dürfen sich Edeka-Kunden sich in einigen Filialen derzeit über billige Microsoft-Lizenzen freuen.

Jedoch können solche vermeintlichen PR-Coups auch nach hinten losgehen. Die günstigen Preise der Microsoft-Lizenzen ließen Edeka-Kunden rätseln: 39,99 statt 259,00 Euro für eine Windows 10 pro-Lizenz; kann das überhaupt legal sein? Dem Computermagazin „c’t“ zufolge stammen die Microsoft Lizenzen nicht von Microsoft direkt, sondern aus Restbeständen von Unternehmen, die der Drittanbieter Lizengo erworben hatte.

Edeka Microsoft-Lizenzen sind Second-Hand Produkte

Hier sieht die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz ein Risiko für den Kunden: „Verbraucher werden häufig nicht darüber informiert, dass sie eine gebrauchte Geschäftslizenz erwerben“, erklärt Maximilian Heitkämper, Fachbereichsleiter „Digitales und Verbraucherrecht“ der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. „Die Installation von Microsoft-Geschäftslizenzen ist um einiges komplizierter, als die von Lizenzen zum Privatgebrauch. Wenn es bei der Installation zu Problemen kommt, kann Verbraucher schlecht beim Microsoft-Kundenservice anrufen.“

Denn Microsoft ist die Second-Hand-Software, ein Konkurrenzprodukt, ein Dorn im Auge. Der Vertrieb der gebrauchten Lizenzen ist laut EuGH-Urteil zwar rechtens und kann somit von Microsoft nicht verboten werden. Das bedeutet jedoch nicht, dass der Konzern hier verbraucherfreundlich handeln muss. Ganz im Gegenteil: Microsoft behält sich sogar das Recht vor, gebraucht erworbene Aktivierungsschlüssel nach einem Update im Zweifel zu deaktivieren.

Diesbezügliche Beschwerden liegen der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz zwar noch nicht vor, nichtsdestotrotz sollten Edeka-Kunden immer schauen, woher die Microsoft-Lizenz stammt und den Kaufbeleg aufbewahren. Eine Stellungnahme zum Thema Microsoft-Lizenzen wollte Edeka auf Anfrage nicht abgeben. Aldi verbucht die Zusammenarbeit mit den Fantastischen Vier indes als Erfolg. Auf Anfrage teilt der Konzern mit: „Das Angebot wird von unseren Kunden sehr gut angenommen." Einige Preiskategorien waren schnell ausverkauft.

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