Luftverkehr : Billigflieger Ryanair gelobt Besserung

Airline will auf einst gehasste Gewerkschaften und die geplagten Passagiere zugehen. Im Sommer startet der Billigflieger sechsmal wöchentlich von Tegel nach Palma.

Maschinen vom Typ Boeing 737-800 der irischen Fluglinie Ryanair stehen auf dem Vorfeld des Flughafens Hahn.
Maschinen vom Typ Boeing 737-800 der irischen Fluglinie Ryanair stehen auf dem Vorfeld des Flughafens Hahn.Foto: dpa

Jahrzehnte lang waren Betriebsräte und Gewerkschaften ein Rotes Tuch für Michael O'Leary, den umtriebigen Boss des irischen Billigfliegers Ryanair. Ende vergangenen Jahres hat die Airline ihre Personalpolitik drastisch geändert. In zahlreichen europäischen Ländern verhandelt man zunächst mit den Pilotengewerkschaften über Tarifverträge, die Flugbegleiter sollen in den nächsten Monaten folgen. Mit der Vereinigung Cockpit ist die nächste Gesprächsrunde für die kommende Woche geplant. „Unser altes System ist Vergangenheit“, sagte Peter Bellew, Chief Operations Officer von Ryanair, am Dienstag in Berlin.

Die grundsätzliche Anerkennung der Gewerkschaften bringt den Piloten bis zu 20 Prozent höhere Bezüge und kostet Ryanair nach eigenen Angaben rund 100 Millionen Euro. Die Iren können das aus der Portokasse bezahlen. Trotz erster Arbeitskampfmaßnahmen des Personals in den vergangenen Monaten rechnet man für das Ende März endende Geschäftsjahr 2017/18 mit 130 Millionen Passagieren und einem satten Gewinn von 1,4 Milliarden Euro. Bis 2024 sollen es 200 Millionen Reisende werden, die von dann 600 Flugzeugen befördert werden. Bei einem so rasanten Wachstum gibt es einen großen Bedarf an fliegendem Personal.

Mehr als 1000 Piloten wurden eingestellt

Allein im laufenden Geschäftsjahr wurden mehr als 1000 Piloten eingestellt, rund 100 von der insolventen Air Berlin. Um die Besatzungen ausbilden oder umschulen zu können, hat Ryanair sieben zusätzliche Flugsimulatoren bestellt, von denen vier noch in diesem Jahr ausgeliefert werden. Das Wartungspersonal wird binnen 18 Monaten verdoppelt, bis zu zwölf neue Flugzeughallen werden gebaut. Vorbei sein sollen auch die Zeiten, in denen die Crews bei Leiharbeitsfirmen beschäftigt waren, sagte Bellew. Fast alle Piloten hätten inzwischen direkte Arbeitsverträge. Einige wenige hätten das allerdings abgelehnt.

Auch was die Passagiere betrifft, ist Ryanair bemüht, das Negativ-Image früherer Jahre abzulegen. Schadensersatzforderungen wegen Flugverspätungen sollen ab sofort binnen zehn Tagen bearbeitet werden. Dafür wurde eine eigene Abteilung mit festangestelltem Personal eingerichtet, sagt Kenny Jacobs, der Chief Marketing Officer des Billigfliegers. Gleichzeitig verspricht er den Reisenden, dass mindestens 90 Prozent der Flüge pünktlich sind. Und wer für eine Ryanair-Strecke woanders einen günstigeren Preis findet, soll künftig die Differenz plus einem Bonus von fünf Euro erstattet bekommen.

Ryanair für den Erhalt des Flughafens Tegel

In Deutschland hat Ryanair binnen vier Jahren das Passagiervolumen auf knapp 20 Millionen vervierfacht und den Marktanteil von vier auf acht Prozent verdoppelt. Für den kommenden Winter kündigte die Airline 24 neue Strecken an und will dann auf neun Prozent kommen. Hier sieht man nach wie vor großes Wachstumspotential. Denn bisher liegt der Anteil der Low-Cost-Carrier in Deutschland bei 20 Prozent, im europaweiten Durchschnitt sind es 55 Prozent. Nachdem sie bereits das Bürgerbegehren unterstützt hatte, setzt sich Ryanair vehement für den Erhalt des Flughafens Tegel ein. Jede Großstadt habe mindestens zwei Flughäfen, der BER werde bei seiner Eröffnung den wachsenden Bedarf der Hauptstadtregion nicht abdecken können, sagte Jacobs.

Im kommenden Sommer startet der Billigflieger schon einmal sechsmal wöchentlich von Tegel nach Palma. Weitere Slots wurden beantragt und es sollen spätestens im kommenden Jahr fünf Jets dort stationiert werden. In ihrem Heimatland wird Ryanair ab dem Sommer mit dem zur International Airline Group um British Airways und Iberia gehörenden Erzrivalen Aer Lingus kooperieren. Die rund 90 Ryanair-Strecken nach Dublin sollen als Zubringer zu den Transatlantik-Flügen des Wettbewerbers dienen.

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