Update

Nach Insolvenz von Muun : Ottobock kauft Berliner Matratzen-Start-up

Um Matratzen aus dem Internet gab es einen riesigen Hype. Doch nun konsolidiert sich der Markt.

Das Matratzen-Start-up Muun musste 2018 Insolvenz anmelden, nun übernimmt Matrazzo die Marke.
Das Matratzen-Start-up Muun musste 2018 Insolvenz anmelden, nun übernimmt Matrazzo die Marke.Foto: picture alliance / dpa-tmn

Das Matratzen-Start-up Muun hat einen Käufer gefunden. Der Konkurrent Matrazzo übernimmt das insolvente Unternehmen, sagte Gründer Vincent Brass dem Tagesspiegel. Muun war eines von vielen Start-ups, die seit einigen Jahren im Internet Einheitsmatrazen anbieten. Ende Oktober 2018 mussten die Berliner dann ein Insolvenzverfahren eröffnen.

Matrazzo gehört zur Ottobock-Holding. Die vor allem durch ihr Orthopädiegeschäft bekannte Firmengruppe mit Sitz in Duderstadt, zwischen Göttingen und Harz, hatte die Marke 2015 entwickelt. Zuvor hatte das Unternehmen Schaumstoffe für andere Matratzenhersteller geliefert. „In Muun sehen wir eine perfekte Ergänzung zu unserem bestehenden Sortiment“, sagt Matrazzo-Geschäftsführer Sven Rudolf-Töpfer. Die Zielgruppen seien komplett unterschiedlich: Muun ist vergleichsweise teuer und richte sich an ein „trendiges Berlin-Mitte Publikum“, die günstigere Matrazzo hingegen an Familien.
Daher soll Muun auch als eigenständige Marke bestehen bleiben. Zudem sollen nun die Kunden beliefert werden, die seit der Insolvenz auf ihre Waren warten. Auch der Showroom in der Berliner Mulackstraße soll bald wieder eröffnet werden. „Wir suchen derzeit Personal“, sagt Rudolf-Töpfer. Die Mitarbeiter hatten das Unternehmen im Zuge der Insolvenz bereits verlassen. Die beiden Gründer Frederic Böert und Vincent Brass ziehen sich nach dem Verkauf zurück und suchen sich andere Aufgaben.

Katerstimmung nach dem Matratzen-Hype


Vor etwa fünf Jahren hatte ein regelrechter Hype um Online-Matratzen eingesetzt. Nach dem Vorbild des US-Unternehmens Casper bieten zahlreiche Firmen vergleichsweise günstige Schlafunterlagen aus dem Internet. Sie setzen meist auf ein One-size-fits-all-Konzept und bieten 100 Tage zum Testen. Auch die Namen ähneln sich, die Anbieter heißen Emma, Max, Eve, Bruno, Felix oder Paul.

In dem ohnehin stark umkämpften Markt, in dem Anbieter wie Matratzen-Concord in ihren Läden immer wieder mit vermeintlich großen Rabatten locken, hat so die Konkurrenz noch zugenommen. Viele Firmen verbreitern daher auch ihr Angebot und bieten von Kissen und Decken über andere Accessoires bis hin zu Betten weitere Produkte an.

Abschied von der Einheitsmatratze


Zudem weichen immer mehr Anbieter wie Pionier Casper vom Ursprungskonzept der Einheitsmatratze ab. „Ich glaube nicht an One-Size-Fits-All“, sagt Rudolf-Töpfer. „Das passt vielleicht für eine junge Zielgruppe, die noch keine Rückenschmerzen hat“. Matrazzo hatte daher von vornherein zwei Modelle in je drei Härtegraden angeboten. Auch bei Muun gibt es vier Kombinationsmöglichkeiten.
Doch im vergangenen Jahr begann dann ein Konsolidierungsprozess. Neben Muun hatten auch die Marke Leo und der britische Anbieter Eve das Geschäft in Deutschland aufgegeben. Branchenkenner erwarten eine weitere Konsolidierung. „Es wird noch einige geben, die nicht mehr lange auf dem Markt sind“, sagt auch der Matrazzo-Chef.

Der Artikel wurde um Aussagen von Matrazzo-Geschäftsführer Sven Rudolf-Töpfer ergänzt.

Zwölf Newsletter, zwölf Bezirke: Unsere Leute-Newsletter aus allen Berliner Bezirken können Sie hier kostenlos bestellen: leute.tagesspiegel.de

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben