Nach Pleite von Thomas Cook : Kunden können Reisen weiter nicht antreten

Während Urlauber der deutschen Thomas Cook zuhause bleiben müssen, läuft die Suche nach einer Lösung für den Flieger Condor. Der Bund ist nun am Zug.

Auch am 25. und 26. September wird es keine Reisen mit Thomas Cook geben.
Auch am 25. und 26. September wird es keine Reisen mit Thomas Cook geben.Foto: Ina FASSBENDER / AFP

Die Pleite des britischen Thomas Cook ist ein herber Schlag: Kunden der deutschen Thomas Cook können auch am 25. und 26. September ihre Reisen nicht antreten. Das sagte eine Sprecherin der Thomas Cook GmbH auf Anfrage. Die Durchführung der Reise könne nicht garantiert werden. Nach Hause fliegen könnten Pauschalreisegäste aktuell in der Regel wie geplant. Man sei mit den Fluggesellschaften im engem Austausch.

Die Tochter mit den Marken Thomas Cook, Neckermann, Öger Tours, Air Marin und Bucher Reisen ist nicht insolvent. Sie führt derzeit Gespräche mit möglichen Kapitalgebern und allen zuständigen Gremien auf Regierungsebene in Berlin und Wiesbaden. „Wir tun alles in unser Macht Stehende, um den Fortbestand unseres Unternehmens zu sichern“, sagte Stefanie Berk, Vorsitzende der Geschäftsführung der Thomas Cook GmbH. Der Verkauf von neuen Reisen bleibt gestoppt.

Solange die Geschäftsführung prüft, ob sie einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens stellen muss oder es noch Lösungen für Thomas Cook Deutschland gibt, hat sie besondere Pflichten. Die Geschäftsführung müsse das Vermögen der Gesellschaft zugunsten ihrer Gläubiger sichern. „Beispielsweise dürfen neue Verträge nur im Ausnahmefall geschlossen werden. Zahlungen für bereits erhaltene Leistungen dürfen grundsätzlich nicht mehr geleistet werden“, erläuterte das Unternehmen.

Unterdessen läuft auch die Suche nach Lösungen für den in Bedrängnis geratenen Ferienflieger Condor auf Hochtouren. Wirtschaftsminister Peter Altmaier kündigte eine Entscheidung der Bundesregierung über einen Überbrückungskredit für Condor „in den nächsten Tagen“ an. Der CDU-Politiker betonte am Rande einer Industriekonferenz, die Schwierigkeiten seien durch die Insolvenz der Muttergesellschaft Thomas Cook entstanden. „Es sind keine hausgemachten Probleme.“

Es seien Anträge auf Überbrückungskredite eingegangen. Sie würden in Übereinstimmung mit der Bundeshaushaltsordnung geprüft. Das Wirtschaftsministerium stehe in engem Kontakt mit dem Finanz- sowie Verkehrsministerium. Der Ferienflieger, der etwa 4900 Menschen beschäftigt und seinen Flugbetrieb aufrecht hält, erklärte: „Wir freuen uns über jedes positives Signal.“ Man sei überwältigt von dem Zuspruch von Mitarbeitern, Kunden, Partnern und Lieferanten.

200 Millionen Euro Staatshilfen

Wegen der Insolvenz des britischen Mutterkonzerns Thomas Cook hatte die bislang profitable Condor einen staatlich verbürgten Überbrückungskredit beantragt, um „Liquiditätsengpässe“ zu verhindern. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur handelt es sich dabei um 200 Millionen Euro. Die hessische Landesregierung stellte Unterstützung ist Aussicht. Finanzminister Thomas Schäfer (CDU) konkretisierte das Angebot.

Zur Höhe eines möglichen Überbrückungskredits sagte Schäfer dem Hessischen Rundfunk: „Wir haben ein bewährtes Verfahren in solchen Konstruktionen. Der Bund nimmt die Hälfte und die betroffenen Länder nehmen die andere Hälfte. Da Condor ja ein hessisches Unternehmen ist, wäre die andere Hälfte für das Land Hessen.“

Flughäfen und Gewerkschaften unterstützten die Bitte des Unternehmens um Staatshilfe. Condor ist ein wichtiger Partner für deutsche Reiseveranstaltern. Im Schnitt sind weniger als ein Fünftel der Condor-Passagiere Gäste der Thomas Cook-Veranstaltermarken. Angesichts der bevorstehenden Herbstferien wäre ein Ausscheiden Condors aus dem Markt für die Tourismusbranche ein großes Problem.

Condor führt Flüge weiter durch

Am Dienstag hielt Condor seinen Betrieb weiter aufrecht. Alle Flüge sollten wie geplant durchgeführt werden, hieß es. Spezielle Teams beantworteten an den Flughäfen die Fragen der Passagiere. Gleichzeitig rede das Management mit allen Lieferanten und Partnerunternehmen, um seine Maschinen weiter in der Luft zu halten.

Die Pleite des Thomas-Cook-Konzerns beflügelte erneut die Spekulationen über einen Verkauf von Condor. Es gebe ein hohes Interesse auch bei Finanzinvestoren, sagte ein Condor-Sprecher. Bei einem möglichen Verkauf hätte der Insolvenzverwalter des britischen Reisekonzerns allerdings ein wichtiges Wort mitzureden.

In Großbritannien wächst nach der Pleite die Kritik an Managern des Reisekonzerns, die Berichten zufolge in den vergangenen Jahren Boni in Millionenhöhe erhalten haben sollen. „Ich würde etwa infrage stellen, ob sich die Direktoren (...) selbst große Summen zahlen sollten, wenn Unternehmen so den Bach runtergehen“, sagte Premierminister Boris Johnson am Rande der UN-Generalversammlung in New York. Nach Meinung des wirtschaftspolitischen Sprechers der oppositionellen Labour-Partei, John McDonnell, hätten die verantwortlichen Manager „eine moralische Verantwortung, ihre Boni zurückzuzahlen“.

Großbritannien organisiert Rückholaktion

Zum genauen Wert der Boni und Vergünstigungen kursierten am Dienstag unterschiedliche Zahlen. Nach Angaben der britischen Nachrichtenagentur PA hatten die Führungskräfte bei Thomas Cook in den vergangenen zehn Jahren Zahlungen von knapp 50 Millionen Pfund (57 Millionen Euro) erhalten.

Der „Guardian“ sprach von Auszahlungen von mehr als 35 Millionen Pfund in den letzten 12 Jahren. Die Top-Manager des Reiseunternehmens hätten seit 2014 Gehalts- und Bonuszahlungen im Wert von insgesamt 20 Millionen Pfund erhalten, berichtete die BBC unter Berufung auf Zahlen des Unternehmens.

Die Flugbehörde in Großbritannien organisiert weiter die Heimflüge der insgesamt rund 150.000 Touristen aus dem Vereinigten Königreich. In den kommenden zwei Wochen werde die Rückholaktion abgewickelt. Allein für Dienstag wurden 74 Flüge angesetzt - für 16.500 Urlauber. „Wir wollen, dass die Leute ihren Urlaub weiter genießen, deshalb bringen wir sie zum ursprünglichen Reisetermin oder sehr kurz danach zurück", sagte Behördenchef Richard Moriarty. (dpa, Reuters)

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