Oxfam-Studie : Soziale Ungleichheit nimmt weltweit drastisch zu

Das reichste Prozent der Weltbevölkerung besitzt laut einem Oxfam-Bericht mehr Vermögen als die anderen 99 Prozent zusammen. Und die Zahl der Milliardäre steigt weiter.

Protest gegen soziale Ungleichheit in Berlin
Protest gegen soziale Ungleichheit in BerlinFoto: dpa/Sophia Kembowski

Die Schere zwischen Reich und Arm geht weltweit immer weiter auseinander. Dieser Trend hat sich nach Berechnungen der Nothilfe- und Entwicklungsorganisation Oxfam im vergangenen Jahr in unvermindertem Tempo fortgesetzt. 82 Prozent des 2017 neu erwirtschafteten Vermögens sind demnach an das reichste Prozent der Weltbevölkerung geflossen, heißt es im Bericht „Reward Work, not Wealth“ (übersetzt: Belohnt Arbeit, nicht Vermögen), den Oxfam kurz vor dem Weltwirtschaftsforum in Davos vorgelegt hat.

Demnach besitzt das reichste Prozent der Weltbevölkerung mehr Vermögen als die anderen 99 Prozent zusammen. 2002 habe der Anteil bei 43 Prozent gelegen. Diese Entwicklung wird, so Oxfam, auch nicht dadurch gebremst, dass die Einkommen in China, in anderen Ländern Asiens und in Lateinamerika stärker wachsen als in den reichsten Ländern. Die Zahl der Milliardäre sei 2017 so stark angestiegen wie nie zuvor – auf den Rekordwert von 2043 Superreichen. Alle zwei Tage sei ein neuer Milliardär dazu gekommen. 762 Milliarden Dollar haben sie dem Bericht zufolge 2017 zusätzlich angehäuft.

Jörn Kalinski, Kampagnenleiter bei Oxfam Deutschland räumt zwar ein, dass die Zahl der weltweit absolut Armen, die von weniger als 1,90 Dollar pro Tag leben müssen, auf etwa 700 Millionen gesunken ist. „Das ist uneingeschränkt gut. Aber gleichzeitig lebt die Hälfte der Weltbevölkerung von nur zwei bis zehn Dollar am Tag“. Umgekehrt wird es an der Spitze der Vermögenspyramide immer absurder. „In nur vier Tagen verdient ein Vorstandsvorsitzender von einem der fünf größten Modekonzerne der Welt so viel wie eine Näherin in Bangladesch in ihrem ganzen Leben“, heißt es bei Oxfam.

Dem deutschen Staat entgehen Milliarden

Gleichzeitig würden sich die Reichen durch Steuertricks jährlich um Zahlungen an die öffentliche Hand von rund 200 Milliarden Dollar drücken. Mindestens 7,6 Billionen Dollar hätten sie in Steueroasen versteckt. Entwicklungsländer entgingen durch diese Praktiken von Konzernen und Privatpersonen mindestens 170 Milliarden Dollar an Steuereinnahmen. Zum Vergleich: Die weltweite Entwicklungshilfe liegt bei jährlich etwa 145 Milliarden Dollar. In Deutschland verliere der Staat bis zu 17 Milliarden Dollar (umgerechnet 13,9 Milliarden Euro).

Auch hierzulande nimmt die Ungleichheit dem Bericht zufolge zu. Das Vermögen des reichsten Prozents der Bevölkerung sei 2017 um 22 Prozent gewachsen, das der ärmeren Hälfte nur um drei Prozent. „Um das Jahreseinkommen eines Vorstandsvorsitzenden eines Dax-Konzerns zu verdienen“, so Kalinski, „müsste eine durchschnittliche Arbeitnehmerin oder ein Arbeitnehmer 157 Jahre arbeiten.“ In Europa sei die Schere bei der Vermögensverteilung nur in Litauen größer.

Als prinzipielle Ursache für die wachsende Kluft zwischen Reich und Arm prangert Oxfam das derzeitige Wirtschaftssystem an. Die Profitinteressen einer kleinen Gruppe stehe über dem Wohl der großen Mehrheit. Oxfam fordert auch die Bundesregierung auf, endlich gegenzusteuern.

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