Parkplatznot auf Flughäfen : Wohin nur mit 25.000 Flugzeugen?

Weil kaum noch Flüge stattfinden, wird der Parkplatz für Flugzeuge knapp. Die besten Park-Bedingungen finden Airlines außerhalb Deutschlands vor.

Felix Wadewitz
Flughäfen, hier in Southend in Großbritannien, dienen derzeit hauptsächlich als Parkplatz.
Flughäfen, hier in Southend in Großbritannien, dienen derzeit hauptsächlich als Parkplatz.Foto: dpa

Die Parkplatzsuche gestaltet sich schwierig. Nachdem Fluglinien ihren Betrieb bis auf einige wenige Verbindungen und Rückkehrer-Flüge weitgehend eingestellt haben, bleiben viele der weltweit mehr als 25.000 Flugzeuge dauerhaft auf dem Boden. Normalerweise sind Maschinen die meiste Zeit in der Luft, entsprechend wenig Stellflächen gibt es an Flughäfen – eigentlich.

Die Fluglinie KLM spricht vom „Great Big Schiphol Parking Puzzle“. Die niederländische Airline will insgesamt 200 Flugzeuge am Drehkreuz in Amsterdam abstellen, was einfacher klingt, als es ist. „Es ist eine ziemliche Herausforderung“, sagte ein KLM-Sprecher, „sehr viele Leute sind in die Operation eingebunden.“

Einige der blauen Maschinen stehen an den Gates, viele auf einer Startbahn, andere dazwischen. KLM sortiert die Flugzeuge wie die Boeing 747 oder Airbus A330 nach Größe und nach Typen für das Abstellen. Einerseits sollen sie so dicht wie möglich aneinander parken, um wertvollen Platz zu sparen. Andererseits dürfen sich die Maschinen nicht gegenseitig blockieren, da sie für die Wartung auch mal in einen Hangar geschleppt werden müssen.

In Tegel dominiert Orange

Die Maschinen, die nun wochen- oder womöglich monatelang herumstehen, müssen weiterhin lufttüchtig bleiben, um sie nach Ende des Shutdowns schnell wieder in Betrieb nehmen zu können. Das „aktive Parkprogramm“ umfasst etwa Inspektionen und Funktionstests. Wetterfest muss es auch sein: Triebwerke und Reifen werden abgedeckt.

Einige Jets wie die „Königin der Lüfte“ – der Jumbojet 747 – werden für ihre eigene Beerdigung fit gehalten: KLM will das Riesenflugzeug wegen der Krise dauerhaft aus der Flotte streichen, aber erst später ausfliegen. Allein die Lufthansa hat in den letzten Tagen und Wochen Platz für rund 700 Flugzeuge gesucht. „Der überwiegende Teil steht an unseren Hubs in München, Frankfurt, Wien und Zürich, aber auch in Brüssel und an anderen europäischen Standorten, wie beispielsweise in Bulgarien, Litauen und Irland“, sagte ein Sprecher am Mittwoch Tagesspiegel Background.

Auch in Berlin-Schönefeld stehen gerade 29 Flugzeuge des Kranich-Konzerns, dazu kommen 13 Maschinen von Easyjet und fünf von Ryanair. In Tegel dagegen ist die vorherrschende Farbe Orange: 26 Mal das Easyjet-Logo konnten Planespotter dort am Mittwoch zählen. „In Schönefeld sitzt die Lufthansa Technik. Wenn wir also wieder in Betrieb gehen, haben wir den Großteil an Flugzeugen greifbar, um diese direkt in Betrieb übernehmen zu können“, sagte der Lufthansa-Sprecher.

Vorteil Wüste: Viel Platz und Trockenheit

Während die Parkplatzsuche in Europa einer „Reise nach Jerusalem“ für die Airlines nahe kommt, fliegen in Australien oder den USA die Airlines ihre nicht benötigten Maschinen gerne in die Wüste, wo es weniger eng zu geht. Und die Trockenheit verhindert Korrosion, was etwa in tropischen Ländern Asiens ein Problem beim Langzeitparken sein kann.

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Im US-Bundesstaat Arizona etwa hat sich der „Pinal Airpark“ auf das vorübergehende Einmotten von Flugzeugen spezialisiert. Die Gebühren hängen von der Flugzeuggröße ab und den Inspektionen, heißt es dort. Im Moment dürften sie wegen der plötzlichen Nachfrage eher steigen. Im benachbarten New Mexico werden gerade zusätzliche Stellflächen geschaffen, um dann bis zu 800 Flugzeuge zu beherbergen. Aktuell sind 15.500 Flugzeuge außer Dienst gestellt.

Innerhalb eines Tages sei die Zahl um fast 400 gestiegen, teilte der Datenspezialist Cirium am Mittwoch mit. Fast alle A380-Doppeldecker seien darunter. Im Umkehrschluss heißt das, dass mehr als 10.000 Maschinen noch abheben. Das sind rund 40 Prozent der globalen Flotte. Dabei haben viele Airlines bis zu 95 Prozent ihrer Verbindungen gestrichen.

Der Grund für diesen nur scheinbaren Widerspruch ist, dass die verbliebenen Flugzeuge, die sonst fast permanent in der Luft sind, seltener eingesetzt werden. Statt mehrmals am Tag, wie innerhalb Europas üblich, heben die Maschinen nun zum Beispiel einmal die Woche ab – und sind deshalb weiterhin als aktiv eingestuft. Wann die Jets wieder ausgemottet werden können, ist offen. Viele Länder lassen nur noch eigene Bürger einreisen, und das oft nur unter strengen Quarantäne-Vorgaben. Die Lufthansa hat ihren Not-Flugplan, der ursprünglich bis Mitte April gelten sollte, bereits bis zum 3. Mai verlängert. Aktuell stehen darin noch 18 Langstreckenverbindungen – nicht pro Stunde, sondern pro Woche.

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