Pleite von Thomas Cook : Es ist nicht genug Geld für alle Kunden da

Der meisten Kunden von Thomas Cook sind wieder daheim. Jetzt geht es auch um Entschädigungen für ausgefallene Reisen. Was Urlauber jetzt wissen müssen.

Wie geht es weiter nach der Pleite? Kunden von Thomas Cook werden nach Hause gebracht.
Wie geht es weiter nach der Pleite? Kunden von Thomas Cook werden nach Hause gebracht.Foto: dpa/Clara Margais

Die gute Nachricht zuerst: Die meisten Kunden des Pleiteveranstalters Thomas Cook sind inzwischen wieder zu Hause. Von den 140.000 betroffenen Urlaubern, die an ihrem Ferienort von der Hiobsbotschaft überrascht worden sind, dass ihr Reiseveranstalter Insolvenz angemeldet hat, sind alle bis auf 17.000 in die Heimat zurückgebracht worden, sagte eine Sprecherin der Zurich Versicherung am Dienstag.

Bis Anfang kommender Woche soll die Rückholaktion weitgehend abgeschlossen sein. Die Versicherung Zurich Deutschland hatte die Reisen der deutschen Thomas Cook bis zu 110 Millionen Euro versichert.

Das Geld reicht nicht

Die schlechte Nachricht: Die 110 Millionen Euro sind nicht genug, um alle Kunden von Thomas Cook und denen der Tochterunternehmen Neckermann, Öger, Bucher voll zu entschädigen. "Die Summe reicht bei weitem nicht aus", sagte die Zurich-Sprecherin dem Tagesspiegel.

Betroffene Kunden müssen sich darauf einstellen, nur einen Teil ihres Geldes zurückzubekommen. Wie hoch die Quoten sein werden, lasse sich jetzt noch nicht absehen, heißt es bei der Zurich. Praktisch hieße das: Sollte die Schadenssumme doppelt so hoch sein wie die versicherte Summe, bekämen Kunden nur die Hälfte ihres Geldes.

Wer hat das Nachsehen?

Den Schaden haben in erster Linie die Reisenden, die ihre Pauschalreise bereits bezahlt oder angezahlt haben, aber ihren Urlaub wegen der Insolvenz gar nicht erst antreten können. Thomas Cook hat alle Reisen bis zum 31. Oktober abgesagt. Was danach sein wird, ist noch unklar. Sollten die Reisen dann wieder aufgenommen werden, eventuell auch von einem anderen Veranstalter, könnten diese Kunden mehr Glück haben.

Was ist mit den Urlaubern vor Ort?

Man konzentriere sich derzeit darauf, die Reisenden, die am Urlaubsort gestrandet sind, nach Hause zu bringen, heißt es bei der Zurich Versicherung. Weil viele Busunternehmen und Hotels in den Urlaubsregionen zuletzt kein Geld mehr von Thomas Cook bekommen haben, hat sich die Situation zugespitzt. Der Transfer vom Hotel zum Flughafen hat nicht mehr geklappt, einige Hoteliers haben die Kunden unter Druck gesetzt, die ausstehenden Rechnungen aus eigener Tasche zu bezahlen.

Wie komme ich zum Flughafen? Für deutsche Kunden springt DER Touristik ein.
Wie komme ich zum Flughafen? Für deutsche Kunden springt DER Touristik ein.Foto: AFP

Bereits Ende vergangener Woche hatte die Zurich Versicherung einen Abschlag von 50 Prozent an die Hotels überwiesen, bei denen Thomas Cook noch Außenstände hat. Die Zahlung ist aber an die Bedingung geknüpft, dass die Hoteleigentümer die Kunden in Ruhe lassen und nicht dazu nötigen, auch noch Geld beizusteuern. Für den Transfer zum Flughafen hat die Versicherung an vielen Urlaubsgebieten den Reiseveranstalter DER Touristik beauftragt,

Sollten Urlauber aber bereits an Hoteliers gezahlt haben, sollten sie sich unbedingt eine Quittung geben lassen. Dieser Anspruch wird dann - entsprechend der Quote - erfüllt. Gleiches gilt, wenn Reisende ihren Urlaub vorzeitig abbrechen mussten. Auch hier gibt es anteilig Geld zurück. Schadensmeldungen nimmt das von der Zurich damit beauftragte Unternehmen Kaera AG entgegen.

Betrüger geben sich als Thomas Cook aus

Ausdrücklich warnt Thomas Cook vor Betrügern, die auf Kosten der Kunden Kasse machen wollen. Derzeit würden E-Mails verschickt, die als offizielle Nachricht von Thomas Cook deklariert werden. Die Mails mit der Betreffzeile "Wichtig: Erstattung Ihrer Thomas Cook-Reise" stammen aber nicht von Thomas Cook, sondern von Betrügern, die auf diesem Wege versuchten, an sensible Daten wie Kreditkartennummern oder Passdaten zu kommen. "Bitte ignorieren Sie diese Mails und löschen diese", warnt Thomas Cook. Man habe zu keiner Zeit E-Mails dieser Art an Kunden verschickt.

Wie viel Geld fehlt?

Das könne man noch nicht sagen, heißt es bei der Zurich. Marija Linnhoff, Geschäftsführerin des Verbands unabhängiger selbstständiger Reisebüros, rechnet damit, dass es 200 bis 300 Millionen Euro sind. Das Problem: Neben der Pleite von Thomas Cook muss die Zurich auch noch weitere Insolvenzen stemmen. Das sind Troll Tours, die im vergangenen Dezember insolvent gegangen sind, und Tour Vital, das am Montag in die Knie gegangen ist.

Verbraucherschützer: Kunden müssen besser abgesichert werden

Verbraucherschützer kritisieren schon seit langem, dass die Haftungsgrenze von 110 Millionen Euro nicht reicht. Der Chef des Bundesverbands der Verbraucherzentralen (VZBV), Klaus Müller, fordert eine deutliche Anhebung.

Das Problem: Eine einfaches Heraufsetzen der Summe ist gar nicht so leicht. Denn die Versicherer scheuen davor zurück, noch weitere Risiken zu übernehmen. Im zuständigen Bundesjustizministerium denkt man daher über einen Systemwechsel nach. Das Ministerium wollte mit Hilfe eines Gutachtens klären, wie man die Einlagensicherung reformieren kann. Mögliche Wege wären ein Garantiefonds oder eine Absicherung, die sich prozentual nach dem Umsatz des Reiseveranstalters richtet. Doch das Gutachten ist noch nicht fertig. Man wolle die Sache jetzt beschleunigen, heißt es auf Anfrage.

Springen andere Unternehmen in die Bresche?

Man führe Gespräche mit strategischen Investoren und Finanzinvestoren, heißt es beim vorläufigen Insolvenzverwalter, der Kanzlei Hermann Wienberg Wilhelm. Doch in der Branche hält sich das Interesse an Thomas Cook in Grenzen. Der zum Rewe-Konzern gehörende Anbieter DER Touristik ist zwar am Ferienflieger Condor interessiert, nicht aber an dem Pauschalreisegeschäft. "Wir haben ein sehr gut aufgestelltes Portfolio an Marken und Produkten", sagt Zentraleuropa-Chef Ingo Burmester der Nachrichtenagentur dpa. "Nur Volumen zu gewinnen, macht wenig Sinn".

Für FTI ist die Übernahme von Thomas Cook derzeit kein Thema. "Wir bedauern die Insolvenz von Thomas Cook, einem langjährigen geschätzten Partner, sehr und konzentrieren uns darauf betroffenen Urlaubern zu helfen.

Mit der Übernahme des insolventen deutschen Veranstalters Thomas Cook oder Teilen seines Veranstaltergeschäfts beschäftigen wir uns derzeit nicht", sagte Ralph Schiller, Group Managing Director bei FTI, dem Tagesspiegel.

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Auch für die Nummer eins auf dem Markt, die Tui, dürfte Thomas Cook nicht interessant sein. Der Reisekonzern löst sich zunehmend vom klassischen Vermittlergeschäft und setzt auf eigene Hotels und Kreuzfahrtschiffe, entwickelt Urlaubsregionen und bietet Kunden die Möglichkeit, sich ihre Reisen individueller zusammenzustellen.

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