Prognose des IWF : Weltwirtschaft könnte um drei Prozent schrumpfen

Der IWF fürchtet, dass die Welt vor der größten Krise seit der Großen Depression steht. Der Fonds selbst muss jetzt viele Länder mit Finanzhilfen stützen.

Das Besondere an der Krise: Sie trifft Industriestaaten ebenso wie Entwicklungsländer.
Das Besondere an der Krise: Sie trifft Industriestaaten ebenso wie Entwicklungsländer.Foto: dpa

Gita Gopinath wählt drastische Worte. Zu unseren Lebzeiten habe es einen so schnellen und drastischen Zusammenbruch der Wirtschaft nicht gegeben. Die Chefökonomin des Internationalen Währungsfonds (IWF) warnt, dass die Welt vor der größten Wirtschaftskrise seit der Großen Depression 1929 steht.

Sie rechnet mit einem Einbruch der Weltwirtschaft um drei Prozent in diesem Jahr – vorausgesetzt allerdings, dass die Pandemie im zweiten Quartal ihren Höhepunkt erreicht. Und selbst dann hätte Corona sehr viel verheerendere Folgen als die Finanzkrise, in deren Folge die Weltwirtschaft lediglich um 0,1 Prozent geschrumpft ist.

Für 2021 geht der IWF zwar von einer Erholung aus. Die Weltwirtschaft könnte dann schon wieder um 5,8 Prozent wachsen. Allerdings kann das die Folgen der Corona-Krise nicht ausgleichen. Die weltweite Wirtschaftsleistung läge auch dann noch weit unter dem Niveau vor Ausbruch der Pandemie. Die Experten aus Washington rechnen damit, dass Corona die Welt in diesem und dem nächsten Jahr neun Billionen Dollar an Wirtschaftsleistung kosten wird. Damit wird auf einen Schlag so viel Wohlstand vernichtet, wie Deutschland und Japan zusammen in einem Jahr erwirtschaften.

Was die Krise diesmal so schlimm macht: Sie trifft Industriestaaten ebenso wie Entwicklungsländer. Das hat es seit den 20er-Jahren nicht mehr gegeben. Und der IWF gibt selbst zu, es könnte durchaus noch sehr viel schlimmer kommen. Sollte sich die Pandemie zum Beispiel im nächsten Jahr fortsetzen, könnte die Weltwirtschaft 2021 um weitere acht Prozent einbrechen. Dabei stecken schon jetzt 170 der 189 Mitgliedsstaaten des IWF in der Rezession. Bei 160 von ihnen waren die Experten bis vor Kurzem noch von einem Wachstum ausgegangen.

Der IWF stellt Notkredite bereit

Und auch für den IWF selbst ist die Coronakrise eine große Herausforderung. Der Fonds unterstützt Staaten, die Zahlungsschwierigkeiten bekommen, zum Beispiel mit Notkrediten. Akut geht es derzeit vor allem darum, besonders armen und bedürftigen Ländern zu helfen, denen das Geld für medizinische Notfallmaßnahmen fehlt. 25 Entwicklungsländer sollen deshalb nun Mittel aus einem speziellen Katastrophenfonds erhalten.

Aufgelegt worden ist dieser Topf 2015, genutzt hat der IWF ihn bislang vor allem, um Ländern zu helfen, die von Ebola betroffen waren. Gefüllt ist der Fonds derzeit mit 500 Millionen Dollar (457 Millionen Euro). IWF-Chefin Kristalina Georgiewa hat bereits dazu aufgerufen, den Fonds weiter aufzustocken. Ginge es nach ihr, sollte der Fonds auf 1,4 Milliarden Dollar anwachsen. Entscheiden müssen darüber aber die Geberländer. Die größten Beitragszahler sind Japan, Großbritannien, China und die Niederlande.

Auch reichere Länder wollen Kredite

Hilfe erhalten aus diesem Fonds nun unter anderem Afghanistan, Jemen, Kongo und Haiti. Gezahlt werden diese Gelder allerdings lediglich als Zuschüsse, damit diese Länder ihre Schulden, die sie beim IWF haben, weiterhin begleichen können. Es handelt sich also nur um eine Schuldenerleichterung für die nächsten sechs Monate und nicht um zusätzliche Mittel, die sie ausgeben können.

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Anders ist das bei den Notkrediten, die Ghana und Senegal nun vom IWF erhalten. Georgiewa begründete diese zusätzlichen Kredite damit, dass in den beiden westafrikanischen Staaten die Wirtschaft besonders unter den Folgen der Coronakrise leidet und sie deshalb dringend Liquidität bräuchten.

Das aber stößt in anderen Teilen der Welt auf Kritik. Denn rund um den Globus haben inzwischen etliche Entwicklungs- und Schwellenländer Notkredite beim IWF beantragt. Darunter ist zum Beispiel auch das ölreiche Nigeria. Viele dieser Länder leiden darunter, dass internationale Investoren scharenweise ihre Gelder seit Beginn der Corona-Pandemie abgezogen haben, weshalb sie noch weniger Geld zur Verfügung haben als ohnehin schon.

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