Rückgang wegen Coronavirus : Markt für Büroflächen bricht ein

In Berlin wurden 25 Prozent weniger Büroflächen vermietet als vor Jahresfrist. Bei den Mieten ist dieser Trend noch nicht angekommen,.

Büroflächen zu vermieten, war vor dem Coronavirus ein lukratives Geschäft.
Büroflächen zu vermieten, war vor dem Coronavirus ein lukratives Geschäft.Foto: REUTERS

Die Coronakrise hat in kürzester Zeit den Büromarkt erreicht. Wie mehrere international tätiger Makler am Montag übereinstimmend meldeten, wurden im ersten Quartal wesentlich weniger Büroflächen vermietet im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, je nach Bericht zwischen einem Viertel und knapp einem Drittel. Ende des Jahres galt das Geschäft mit Büroimmobilien noch wegen des geringen Leerstandes und der stabilen Nachfrage als renditeträchtige Alternative zum Markt für Wohnimmobilien.

„Der Lockdown hinterlässt Bremsspuren“, meldet das Beratungsunternehmen JLL. Auch der Markt in Berlin ist betroffen, steht aber im Vergleich noch ganz gut da: Im ersten Quartal seien Mietverträge für Büroimmobilien über eine Fläche von zusammen 172.000 Quadratmetern unterzeichnet worden – das entspricht einem Minus von mehr als einem Viertel gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

In keiner anderen deutschen Großstadt waren im vergangenen Jahr mehr Büroflächen als in Berlin vermietet worden: fast eine Million Quadratmeter. Das im Bundesvergleich überdurchschnittlich kräftige Wachstum der Wirtschaft hatte die Nachfrage angekurbelt. In der Hauptstadt sind fast keine Flächen mehr zu haben. Der Leerstand beträgt JLL zufolge 1,9 Prozent.

Dickes Minus nicht nur in Berlin

Doch nun stellen „unzählige Unternehmen geplante Expansionspläne, Flächenumstrukturierungen oder Standortwechsel zunächst zurück oder gar ein“, schreibt das Maklerhaus Aengevelt. In Berlin folge auf das Rekordjahr eines mit sinkender Nachfrage. Denn die Krise werde „kostensparende Flächenverkleinerungen, steigende Zahlen von Unternehmensinsolvenzen“ nach sich ziehen. Hinzu komme, dass die „erfolgreich erprobten Homeoffice-Lösungen sowie digitale Meetings“ auch künftig die Büroflächennachfrage dämpfen werde.

Mehr als halbiert hat sich die Vermietung von Büroflächen in Stuttgart (minus 61 Prozent) und Köln (minus 60 Prozent). Auch in Hamburg (minus 45 Prozent) und Frankfurt am Main (minus 35 Prozent) brechen die Büromärkte überdurchschnittlich ein.

Mieten weiterhin hoch

Auf die Mieten schlägt die Flaute bei der Nachfrage bisher noch nicht durch. Dafür ist es noch zu früh, die gewerblichen Mietverträge wurden vielfach vor Beginn der Coronakrise ausgehandelt und vereinbart: „Die meisten laufenden Anmietungsprozesse gehen weiter, es werden jedoch momentan kaum noch neue Prozesse begonnen“, schreibt das Maklerhaus Savills. Da viele Firmen aber mit Einbußen wegen der Pandemie kämpfen, sei „mit sinkenden Effektivmieten zu rechnen“, schreiben die Marktanalysten.

Hinzu kommt, das internationale Investoren wegen der Reisebeschränkungen vorerst kaum noch in Berlin und den anderen deutschen Metropolen neue Mietverträge abschließen werden. Den Makler von Colliers zufolge sank der „Anteil internationaler Investoren“ im ersten Quartal deutlich. Viele seien „ in ihren Heimatmärkten mit dem Krisenmanagement beschäftigt“, so das international tätige Maklerhaus.

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