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Ohne Arnold Langer wäre er ein blasses Hemd: Hulk bekam sein Grün aus Berlin.

© pa/dpa

Weltmarktführer: Schminkfabrikant ist Familienunternehmer des Jahres

Affen, Eiter, Johnny Depp: Hollywood wäre nicht dasselbe ohne den 91-jährigen Berliner Arnold Langer. Seit 1945 mischt er professionelle Schminke für Theater, Film und Fernsehen.

Von Maris Hubschmid

Berlin - Er ist das Bindeglied zwischen der Milka-Kuh und Hulk. Am 1. November wird der 91-jährige Berliner Arnold Langer zum „Familienunternehmer des Jahres“ gekürt. Seit 67 Jahren liefert er das Make-Up für Theater, Film und Fernsehen. Er färbte das Maskottchen des Schokoladenunternehmens lila und den Comic-Helden grün. Auf dem Markt für professionelle Schminke erreicht die von ihm gegründete Firma Kryolan weltweit inzwischen einen Anteil von 90 Prozent.

In seinem Firmensitz in der Papierstraße im Wedding sind 150 Mitarbeiter beschäftigt. 250 sind es insgesamt, die Firma hat Niederlassungen unter anderem in Stettin, Johannisburg und Chicago. Kryolan bildet Bürokaufleute, Chemiearbeiter und Fachkräfte für Lagerwirtschaft aus. Gemeinsam mit dem Gründer führt heute sein Sohn Wolfram Langer den Betrieb. In dritter Generation exportieren bereits die Enkel Dominik und Sebastian Kosmetikerzeugnisse in mehr als 80 Länder. Zahlen veröffentlicht Kryolan nicht.

Hollywood wäre nicht dasselbe ohne den Berliner

Angefangen hat der studierte Chemiker mit selbstgerührten Cremes, die er im zerstörten Nachkriegs-Berlin zu verkaufen versuchte. Seine Frau Waltraud unterstützte ihn dabei, auf Schminke für die wiedereröffneten Berliner Bühnen umzurüsten. Mittlerweile umfasst das Sortiment mehr als 20 000 Artikel. Kryolan half, Johnny Depp in Käpt’n Jack Sparrow zu verwandeln und Kate Winslet für „Titanic“ in eine alte Frau. Die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in London wurde komplett von den Berlinern ausgestattet. Ausländische Armeen lassen sich bei ihnen die Tarnfarbe mischen.

Die meisten Mixturen hat Arnold Langer selbst entwickelt. Die Anfragen, die ihn erreichen, sind nicht selten hoch speziell. Schminke für die Vereisungen auf der Haut der Soldaten in „Stalingrad“, die Masken für „Planet der Affen“. Nicht jedes Geschäft rechne sich für sie, sagen Langers. Arnold Langer aber hat den Ehrgeiz, jede Aufgabe zu meistern.

Das Geschäft mit dem Kunstblut

Schauspieler versorgt die Firma Kryolan mit sogenanntem Camouflage- Make-up. Der Traum vieler 16-Jähriger: Extrem deckend, lässt es Hautunreinheiten, Muttermale und Knutschflecken zuverlässig verschwinden. Besondere Bekanntheit jedoch erlangte die Firma als Experte für Kunstblut. Blut, das tropft, Blut, das spritzt, Blutpulver zur Simulation von Schnittverletzungen, das nur sichtbar wird, wenn es mit Nässe in Berührung kommt. An die 5000 Liter verkaufe Kryolan im Jahr, sagt Wolfram Langer. Wie sein Vater schätzt er es aber nicht, auf das Kunstblut reduziert zu werden. „Am Umsatz macht das vielleicht gerade mal drei Prozent aus.“

Arnold Langer soll in einem Interview einmal gesagt haben: „Wieso fragen alle nur nach dem Blut? Eiter und Erbrochenes stehen bei unseren Kunden genauso hoch im Kurs.“

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