Sharing-Economy : Möbel zu vermieten

Mehrere Unternehmen steigen in die Möbelvermietung ein. Ob sich das Konzept für Verbraucher finanziell lohnt, bleibt abzuwarten.

Lena Paetsch
Ikea nun ebenfalls in die Möbelvermietung ein.
Bei Ikea startet ab April eine Testphase zur Möbelvermietung.Foto: Getty Images

Ob Second-Hand-Kleidung oder  Vintage-Möbel vom Flohmarkt – nachhaltiger Konsum ist schon länger im Trend. Möbel auf Zeit zu mieten erscheint da gar nicht so abwegig. Praktisch, günstig und gut für die Umwelt soll dieses Konzept sein. Darin scheinen viele Unternehmen eine Geschäftsidee zu sehen. Start-Ups sowie Großkonzerne sind mittlerweile in die Branche eingestiegen. Nun probiert sich auch Ikea daran.

Ikea steigt ins Vermietungsgeschäft ein

Schon seit einiger Zeit gibt sich der Möbelriese ökologisch und reklamiert für sich, Nachhaltigkeit und Wachstum verbinden zu wollen. Jetzt steigt Ikea in die Möbelvermietung ein. Ab April 2019 soll eine Testphase in der Schweiz starten. Die Idee: Kunden zahlen einen monatlichen Betrag für ein Möbelstück, das sie für die Vertragsdauer nutzen können. Danach geben sie den Artikel zurück.

Dieser wird dann entweder weitervermietet, aufgearbeitet und weiterverkauft oder recycelt. Für deutsche Einrichtungshäuser gebe es diesbezüglich noch keine konkreten Pläne, sagte eine Sprecherin von Ikea Deutschland auf Tagesspiegel-Anfrage.
Durch die Möbelvermietung  soll die Kreislaufwirtschaft gefördert und Müllaufkommen reduziert werden. Dass Ikea seit Oktober 2018 auch gebrauchte Möbel zurückkauft, gehört ebenfalls zu dieser Strategie. Das Prinzip ist ähnlich wie bei der Vermietung: Kunden bringen gut erhaltene, benutzte Einrichtungsgegenstände zu Ikea zurück und erhalten dafür einen Gutschein. Die gebrauchten Möbelstücke werden dann zu einem geringeren Preis weiterverkauft.

Die Vermietung soll nun vorerst nur mit Büromöbeln getestet werden, später aber vor allem junge Menschen ansprechen, die sich nicht festlegen wollen oder können. Ikea erhofft sich, so die Lebensdauer der Einrichtungsgegenstände zu verlängern. Aufgrund des zeitlich begrenzten Leasings sollen Kunden sich weder auf das Design festlegen, noch viel Geld in die Hand nehmen müssen.

Bei anderen Anbietern ist das Konzept bereits erfolgreich

Die Möbelvermietung ist keine neue Idee, eher ein Versuch von Ikea, die Konkurrenz einzuholen. Das Versandhaus Otto zum Beispiel, hat bereits vor zwei Jahren das innerbetriebliche Start-Up Otto Now gegründet. Dort können Kunden Haushalts- und Technikartikel für einen bestimmten Zeitraum leasen. Das Geschäft brummt: Angefangen hatte Otto Now 2016 mit 80 Mietprodukten, mittlerweile sind es 500. Besonders beliebt sind Drohnen, Fernseher und Smartphones.

Seit Dezember 2018 versucht sich das Unternehmen auch an der Möbelvermietung. Kunden können bisher aus einem Sortiment von 30 Artikeln wählen. Sie können Regale, Tische, Schränke und Betten für drei bis 24 Monate mieten. Dies käme gut bei den Kunden an, so ein Otto-Sprecher. Inwiefern sich die Miete finanziell wirklich lohnt, ist jedoch fraglich.

Das Doppelbett „Mirage“ beispielsweise kann bei einer Vertragslaufzeit von 24 Monaten für 18,99 Euro pro Monat gemietet werden. Während der zweijährigen Miete würde der Kunde also knapp 455 Euro für das Bett bezahlen, müsste es anschließend allerdings wieder zurückgeben. Der Neupreis liegt bei 499,99 Euro, also nur ein Preisunterschied von etwa 45 Euro zwischen Miete und Kauf.

Tchibo ist ebenfalls in das Vermietungs-Geschäft eingestiegen. Seit einem Jahr bietet das Einzelhandelsunternehmen Kinder- und Damenmoden auf der Plattform Tchibo Share zur Miete an. Tchibo wolle über „neue Formen des Konsums“ nachdenken, sagt Sandra Coy, Tchibo-Sprecherin für Nachhaltigkeit und Qualität. Angefangen habe Tchibo Share mit Kinderkleidung, im Format eines Online-Shops zur nachhaltigen Nutzung von Kleidung.

Allein im vergangenen Jahr wurden knapp 17000 Kleidungsstücke vermietet. Auch wenn Tchibo ebenfalls Möbel im Sortiment hat, gibt es diese bisher noch nicht zur Miete. Eine Ausweitung des Mietkonzepts in andere Produktbereiche sei jedoch denkbar und geplant, so Coy.

Auch das Start-Up Roomovo vermietet Möbel. Es bietet einzelne Möbelstücke oder Pakete für die ganze Wohnung an. Das Konzept von Möbeln auf Zeit scheint auch bei Roomovo zu funktionieren: Das Unternehmen plant bereits eine europaweite Ausweitung des Liefergebietes.

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