Siemens trennt sich von der Energiesparte : Mit einem neuen Chef an die Börse

Am 9. Juli entscheiden die Siemens-Aktionäre über die Abspaltung des Energiebereichs. Gut 90 000 Mitarbeiter betroffen.

50 Jahre jung ist Christian Bruch, der als Chef von Siemens Energy für gut 90 000 Mitarbeiter verantwortlich ist. Gut 5000 davon in Berlin.
50 Jahre jung ist Christian Bruch, der als Chef von Siemens Energy für gut 90 000 Mitarbeiter verantwortlich ist. Gut 5000 davon...Foto: imago images / argum

Von Meilensteinen hat Joe Kaeser häufiger gesprochen in den vergangenen sieben Jahren als Vorstandschef der Siemens AG. Ein paar Monate bevor Kaeser Anfang nächsten Jahres die Amtsgeschäfte an Roland Busch übergibt, erreicht er den größten Meilenstein: An diesem Donnerstag entscheidet eine außerordentliche Hauptversammlung über die Abspaltung der Energiesparte unter dem Namen Siemens Energy. Das ist eine Großoperation, denn der Konzern verliert ein Standbein mit knapp 30 Milliarden Euro Umsatz und 91 000 Mitarbeitern. Davon gut 5000 in Berlin, wo das Gasturbinenwerk in Moabit und Teile des Schaltwerks in Spandau zu Siemens Energy (SE) gehören. Zum Produktportfolio gehören Turbinen und Generatoren, Transformatoren und Kompressoren sowie die Windkraftfirma Siemens Gamesa.

Der erste Kurs wird am 28.9. ermittelt

Am 1. September wird beim Kapitalmarkttag der neue SE-Chef Christian Bruch die Investoren von dem „neuen“ Unternehmen zu überzeugen versuchen und seine Strategie vorstellen. Für den 28. September ist dann die ersten Notiz an der Börse geplant.
Indes geht nicht der gesamte Konzern in den freien Verkauf – Siemens bleibt mit rund 30 Prozent der größte Anteilseigner und 55 Prozent der Aktien werden an die Siemens-Aktionäre verteilt. Kaeser wird als Aufsichtsratsvorsitzender der SE verbunden bleiben. Erst Ende des Jahres will sich der neue Vorstandschef entscheiden, wo die SE ihren operativen Sitz hat. Berlin oder ein Ort im Ruhrgebiet wurden bislang als Favoriten gehandelt.
Da das Energiegeschäft in einem regulierten Markt stattfindet, wird die Nähe zur Politik als ein Vorteil Berlins eingeschätzt. Das letzte Wort hat der gebürtige Düsseldorfer Bruch, der erst vor knapp zwei Monaten und überraschend aus dem Linde-Vorstand zu Siemens Energy gewechselt war.

Solides Rating durch S&P

Kaeser hatte sich mit seinem Vorstandskollegen Michael Sen, der für den Job an der Spitze der SE vorgesehen war, über die Modalitäten der Abspaltung zerstritten. Sen verließ den Konzern und Kaeser holte den 50-jährigen Bruch. In den vergangenen Wochen hat sich der Neue mit Standorten und Mitarbeitern vertraut gemacht und einen guten Eindruck hinterlassen – so hört man jedenfalls in der Belegschaft. Bodenständig, unprätentiös und technisch versiert – so wird Bruch beschrieben.
Die Karriere des Ingenieurs begann 2000 bei RWE. 2004 wechselte er zum Gaskonzern Linde, wo er seit 2015 im Vorstand sitzt. Bruch ist Mitglied im nationalen Wasserstoffrat, und der Stoff, dem viele eine große Zukunft prophezeien, soll auch für Siemens Energy ein Eckpfeiler der Strategie sein. Ein paar Vorschusslorbeeren bekam die SE vor ein paar Tagen von der Ratingagentur S&P mit einem „BBB“. Kaeser freute sich: S&P habe die breite Aufstellung von SE gelobt, dazu den niedrigen Schuldenstand sowie Liquiditätsausstattung des „starken Global Player“.

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