Softskills : Eine Frage der Haltung

Warum Körpersprache im Job so wichtig ist, welche Geste für was stehen kann – und wie man das für sich nutzt.

Julia Felicitas Allmann
DIE SPRACHE DER HÄNDE. Durch sie kommt die innere Haltung zum Ausdruck.
DIE SPRACHE DER HÄNDE. Durch sie kommt die innere Haltung zum Ausdruck.Foto: Uwe Umstätter/Westend61/dpa-tmn

Der Blick weicht dem Gegenüber aus, die Arme sind verschränkt oder die Hände unter dem Tisch versteckt: Körpersprache kann entscheidend beeinflussen, wie jemand wirkt und welchen Verlauf ein Gespräch nimmt. Besonders im Berufsleben ist die nonverbale Kommunikation also von Bedeutung – doch sie richtig einzusetzen, will gelernt sein. „Körpersprache ist viel schwerer zu kontrollieren oder bewusst zu steuern als verbale Äußerungen“, sagt Phillipp Gründel, Kommunikationstrainer aus Nürnberg.

Der eigene Auftritt lässt sich aber zum Beispiel schon mit dem richtigen Maß an Körperspannung verbessern. „Man sollte eine Grundspannung im Körper haben, aber nicht angespannt sein“, erklärt Gründel. „Es ist die Kunst, hier den Mittelweg zu finden, dann strahlt man eine große Ruhe und Präsenz aus.“

Auch bei schwierigen Situationen im Berufsalltag kann die richtige Körpersprache weiterhelfen, etwa wenn sich ein Konflikt anbahnt. „Durch offene Gesten und eine zugewandte Körperhaltung kann ich in dieser Situation demonstrieren: Ich bin nicht auf einen Angriff aus, sondern meinem Gesprächspartner gegenüber aufgeschlossen“, erklärt Kommunikationstrainer Gründel. Andere Signale können die angespannte Stimmung dagegen eher verschärfen: Stark zurückgenommene Schultern und ein erhobenes Kinn bedeuten etwa: Angriffshaltung.

Wie wirke ich?

Gründel empfiehlt, sich die eigene Körpersprache bewusst zu machen – vor dem Spiegel oder auch durch Videoaufnahmen. „So kann man wahrnehmen, was man eigentlich macht, wenn man spricht. Vielleicht hängt eine Schulter herunter oder ich verstecke aus Nervosität meine Hände?“ Auf dieser Basis lassen sich dann Verbesserungen anstoßen.

Übertreiben sollte man es aber nicht: „Wenn jemand bestimmte Gesten oder Positionen einstudiert, dann kann man das meistens später wahrnehmen“, sagt Gründel. Die Person wirkt dem Experten zufolge dann nicht mehr authentisch, der Gesprächspartner bekommt das Gefühl, dass etwas nicht stimmt und hinterfragt womöglich das Gesagte.

Welche Gesten welche Wirkung erzeugen, darüber herrscht aber auch unter Experten nicht immer Einigkeit. „Lange galten verschränkte Arme als ablehnendes Signal, dem sehr viel Bedeutung zugemessen wurde“, sagt Helen Hannerfeldt, Psychologin und Coach aus Berlin. „Inzwischen geht man damit lockerer um. Wer lange auf einem Stuhl ohne Armlehnen sitzt, verschränkt die Arme vielleicht auch aus Bequemlichkeit.“ Wichtig sei es, immer den Kontext zu betrachten, in dem eine bestimmte Körperhaltung eingenommen wird.

Die innere Einstellung zählt

Um mit nonverbalen Signalen zu überzeugen, sollte man sich nicht nur auf bestimmte Gesten konzentrieren – auch die innere Einstellung zählt. „Es beginnt grundsätzlich damit, dass ich eine positive Einstellung zu dem Thema und auch zu mir selbst habe“, erklärt die Psychologin. Wer einfach nur positive Gesten einübt, wirkt dagegen nicht glaubwürdig.

Die richtige Haltung einzunehmen ist innerlich wie äußerlich wichtig. So sagt Hannerfeldt: „Es ist nachgewiesen, dass man sich besser fühlt, wenn man sich vor einem wichtigen Termin sozusagen aufpumpt: Die Schultern nach hinten nimmt, sich gerade hinstellt und Stärke in sich spürt.“ Das sorge etwa vor einem Termin für ein gutes Gefühl, das den eigenen Auftritt beeinflussen kann.

Die richtige Körpersprache kann schon im Bewerbungsgespräch ausschlaggebend dafür sein, wie ein Kandidat wirkt. „Aus meiner Sicht ist Blickkontakt dabei das Wichtigste“, sagt Frank Schabel vom Personaldienstleister Hays. „Wer seinem Gesprächspartner direkt in die Augen schaut, wirkt offen. Das signalisiert: Ich zeige mich, und ich will auch gesehen werden.“

Nicht rumzappeln

Einen souveränen Eindruck machen außerdem Kandidaten, die möglichst ruhig auf ihrem Stuhl sitzen. „Wer ständig auf der Sitzfläche vor- und zurückrutscht, mit den Füßen wackelt oder mit den Händen spielt, der wirkt unsicher.“ Man kann natürlich mal die Sitzposition wechseln, sollte dabei aber Schabels Empfehlung zufolge möglichst nicht zu hektisch wirken.

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Vor allem wenn es um eine Stelle mit viel Kundenkontakt geht, kann die Körpersprache des Bewerbers entscheidend sein. „In solchen Rollen ist es natürlich wichtig, dass der Kandidat entsprechendes Selbstbewusstsein mitbringt und dieses durch die Körpersprache auch ausdrückt“, sagt Schabel. Bei Bewerbern, die einen Posten als IT-Experte anstreben, und keine besonders kommunikative Position besetzen, könne man über Unsicherheiten in der Körpersprache eher hinwegsehen. dpa

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