zum Hauptinhalt
Orte wie Bad Belzig wurden im vergangenen Jahr immer beliebter.

© Kitty Kleist-Heinrich

Tagesspiegel Plus

Stadtflucht ins Grüne: Wie sich 2021 die Immobilienpreise im Berliner Umland entwickeln

Die Preise in Brandenburg sind zuletzt explodiert. Der Trend zum Wohnen im Grünen dürfte auch in diesem Jahr anhalten. Gilt das auch für die Kostensteigerung?

Die Bevölkerung in Deutschland wächst Prognosen zufolge bis 2035 vor allem in den Ballungsräumen. Dies gilt vor allem für Großstädte wie Berlin. Hier ermittelte nicht nur eine Umfrage der Berlin Hyp, sondern auch das Hamburger Gewos Institut für Stadt-, Regional- und Wohnforschung einen starken Trend zum Wohnen außerhalb der Städte.

Der Hintergrund: Im Zuge der Digitalisierung und des pandemiebedingten Arbeitens im Home Office entkoppeln sich die Arbeits- und Wohnungsmärkte räumlich stärker voneinander und Wohnungen in Großstädten sind teuer. Hinzu kommt, dass niemand wissen kann, wie lange die Coronakrise andauern wird und mit welchen wirtschaftlichen Folgen Deutschland daraus hervorgeht: Folglich wird Erspartes - sofern vorhanden - angesichts niedriger Zinsen in Immobilien gesichert.

Bleibt es auch 2021 beim Immobilienboom, wäre es das erste Mal seit Jahrzehnten, dass ein Aufschwung am Wohnungsmarkt trotz einer tiefen Rezession andauert. Was spricht für einen solchen Ausblick auf 2021, und was bedeutet er für Berlin und das Umland?

Junge Leute können sich gut vorstellen, umzuziehen

Jeder fünfte Berufstätige (21 Prozent) würde sich einen neuen Wohnort suchen, wenn er in Zukunft größtenteils im Homeoffice arbeiten könnte, wie aus einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom hervorgeht. Am größten sei der Wunsch nach Umziehen - etwa ins Grüne und in größeren oder günstigeren Wohnraum - bei den jüngeren Berufstätigen.

Viel grün - das gibt es in der Stadt nur für sehr viel Geld.

© Kitty Kleist-Heinrich

Unter den 16- bis 24-Jährigen erwägt demnach mehr als jeder Dritte einen Umzug. Bei älteren Berufstätigen zwischen 45 und 59 Jahren seien es nur 15 Prozent sowie bei Personen ab 60 Jahren elf Prozent. „Durch den dauerhaften Trend zum Homeoffice sind viele Berufstätige weniger stark auf einen Wohnort in der Nähe des Arbeitgebers angewiesen“, sagt Bitkom-Präsident Achim Berg.

Der Chef des Verbandes der Privaten Bausparkassen, Bernd Hertweck, sagt, er erwarte bei den ausgezahlten Baugeldern zum Jahresende 2020 für die von ihm vertretenen Häuser ein Plus von 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der kräftige Anstieg der Immobilienpreise setzte sich nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im dritten Quartal des vergangenen Jahres ungeachtet der Corona-Krise fort.

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen von unseren Redakteuren ausgewählten, externen Inhalt, der den Artikel für Sie mit zusätzlichen Informationen anreichert. Sie können sich hier den externen Inhalt mit einem Klick anzeigen lassen oder wieder ausblenden.

Ich bin damit einverstanden, dass mir der externe Inhalt angezeigt wird. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu erhalten Sie in den Datenschutz-Einstellungen. Diese finden Sie ganz unten auf unserer Seite im Footer, sodass Sie Ihre Einstellungen jederzeit verwalten oder widerrufen können.

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen von unseren Redakteuren ausgewählten, externen Inhalt, der den Artikel für Sie mit zusätzlichen Informationen anreichert. Sie können sich hier den externen Inhalt mit einem Klick anzeigen lassen oder wieder ausblenden.

Ich bin damit einverstanden, dass mir der externe Inhalt angezeigt wird. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu erhalten Sie in den Datenschutz-Einstellungen. Diese finden Sie ganz unten auf unserer Seite im Footer, sodass Sie Ihre Einstellungen jederzeit verwalten oder widerrufen können.

In ländlichen Kreisen verteuerten sich Wohnimmobilien im Durchschnitt stark. In dichter besiedelten ländlichen Kreisen erhöhten sich die Preise für Häuser um 9,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal. Allemal gilt das für die Hauptstadtregion. Fünf der insgesamt acht Kreise rings um Berlin und Potsdam verzeichneten deutschlandweit den größten Zuzug von Familien, so die Bausparkasse Schwäbisch Hall in einer Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft (Köln), die dem Tagesspiegel exklusiv vorliegt.

Kaum Leerstand in Berlin

Berlin ist nach Hamburg das Bundesland mit der niedrigsten Leerstandsquote bei Geschosswohnungen, ermittelte die unabhängige Empirica AG, die Regionaldaten aus der Immobilienwirtschaft sammelt und aufbereitet. „Die städtischen Märkte brauchen daher dringend Neubau und dazu Bauland nahe den Haltepunkten des ÖPNV im Umland von Verdichtungsräumen“, sagte Michael Schlatterer, Senior Director Residential Valuation bei CBRE in Deutschland, der die Studie in Auftrag gegeben hatte.

Umgekehrt steigt der Leerstand in den Schrumpfungsregionen jährlich um rund vier Tausend Wohnungen an. „Das Leben auf dem Land muss daher wieder attraktiver gemacht werden“, forderte der stellvertretende Empirica-Vorstand Rainer Braun.

Der Trend zum kostspieligen Eigenheim hat sich trotz der Coronakrise noch einmal verstärkt. In Krisenzeiten setzen die Menschen ungeachtet aller Existenzsorgen stärker denn je auf Wohneigentum. Die Preise für Ein- und Zweifamilienhäuser schossen im dritten Quartal um 8,6 Prozent in die Höhe, stellte das unabhängige Hamburger Forschungs- und Beratungsinstitut F+B jüngst fest.

Die städtischen Märkte brauchen dringend Neubau und dazu Bauland nahe den Haltepunkten des ÖPNV im Umland.

Michael Schlatterer, Senior Director Residential Valuation bei CBRE

„Wir sind der Auffassung, dass die Corona-Pandemie hier einen zusätzlichen und offenbar auch nachhaltigen Nachfrageschub bei gleichzeitig beschränktem Angebot erzeugt hat“, sagte F+B-Chef Bernd Leutner.

„Extras“ sind in der Stadt einfach zu teuer

„Aufgrund des durch Corona gestärkten Trends zum Homeoffice scheint eine eigene Immobilie noch erstrebenswerter“, sagt der Präsident des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie, Peter Hübner. Unter der Voraussetzung, dass der Trend zum mobilen Arbeiten anhält, sehen 73 Prozent der vom Gewerbeimmobilienfinanzierer Berlin Hyp befragten Experten einen zunehmenden oder stark zunehmenden Zuzug ins Umland.

Kinderzimmer, Büro, Garten - Wohnraum mit solchen „Extras“ ist in der Stadt kostspielig. Familien wissen sich zu helfen. Sie ziehen dorthin, wo Wohnraum erschwinglicher ist - und der Arbeitsplatz trotzdem gut erreichbar. 25 Prozent der Befragten schätzen den Zuzug ins Umland als gleichbleibend ein.

Gefragt nach der bevorzugten Wohnlage antworteten 43,1 Prozent mit der Präferenz „ländlicher Raum“, 23,8 Prozent bevorzugen den Stadtrand. Der Speckgürtel ist für 19,1 Prozent der Befragten die bevorzugte Wohnlage, die Innenstadt nur für 11,4 Prozent.

Der „Tesla-Effekt“ macht das Umlang noch attraktiver.

© Patrick Pleul/dpa

„Sollte sich der Trend ins Umland bestätigen wird dies weitreichende Auswirkungen auf die Anforderungen an Infrastruktur und Nahverkehr am Stadtrand aber auch in den Speckgürteln der Großstädte haben“, sagt Berlin-Hyp-Chef Sascha Klaus. Für den „Trendbarometer“ befragte der Immobilienfinanzierer 220 Immobilienexperten aus dem In- und Ausland. Berlin Hyp setzt auf die als sicher geltenden Wohnungsmärkte, weil Großinvestoren in der Corona-Krise die Finger von Hotels, Handelsimmobilien und Büros lassen.

Über 70 Prozent Preissteigerung seit 2014

Berlin ist in Deutschland die Stadt mit den dynamischten Preisanstiegen für Einfamilienhäuser: Nach der IW-Untersuchung für Schwäbisch Hall sind die Preise seit 2014 von rund 2400 Euro auf knapp 4200 Euro und damit um mehr als siebzig Prozent gestiegen. Wer sein Einfamilienhaus im Umland einer Metropole baut spart. Preisersparnisse von 30 Prozent sind dabei nicht außergewöhnlich.

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen von unseren Redakteuren ausgewählten, externen Inhalt, der den Artikel für Sie mit zusätzlichen Informationen anreichert. Sie können sich hier den externen Inhalt mit einem Klick anzeigen lassen oder wieder ausblenden.

Ich bin damit einverstanden, dass mir der externe Inhalt angezeigt wird. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu erhalten Sie in den Datenschutz-Einstellungen. Diese finden Sie ganz unten auf unserer Seite im Footer, sodass Sie Ihre Einstellungen jederzeit verwalten oder widerrufen können.

Nach Angaben von Tolle Immobilien geht die Region Berlin-Brandenburg dabei mit einem Tesla-Effekt ins neue Immobilienjahr 2021. Doch auch die hohe Nachfrag nach städtischem Wohnen dürfte konstant bleiben.

„Das Umland mit seinen Gemeinden, wie beispielsweise Bernau, hat bereits letztes Jahr viele Investoren angezogen, da es in Berlin zu wenig Angebot gab, das sich diamental entgegengesetzt zur Nachfrage verhält“, sagt Corvin Tolle, geschäftsführender Gesellschafter der Tolle Immobilien GmbH. „Durch den BER und die Ansiedlung von Tesla wird dieses Jahr besonders der Südosten eine hohe Aufmerksamkeit erfahren.“

Mittlerweile prüfen einige Investoren auch verstärkt Standorte außerhalb der großen Ballungsregionen. „Bewahrheitet sich die vielfach geäußerte These, dass die Pandemie die Wohnflächennachfrage strukturell erhöht, dürften auch diese Standorte davon profitieren. Zudem sind die Anfangsrenditen hier noch spürbar höher“, sagt Karsten Nemecek, Managing Director Corporate Finance - Valuation beim Immobiliendienstleister Savills Germany.

Zur Startseite

showPaywall:
false
isSubscriber:
true
isPaid:
true
showPaywallPiano:
false