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Eine Gruppe von Öltankern wartet bei Sonnenuntergang auf die Einfahrt in das PDVSA-Dock in Guaraguao, um mit Öl versorgt zu werden (Symbolbild).

© dpa/Zuma Press/Juan Carlos Hernandez

Mehr Perspektive als Venezuela: US-Ölriesen wollen nach einem Regimewechsel im Iran investieren

Die US-Ölindustrie will nach einem möglichen Regimewechsel im Iran aktiv werden. Bei Venezuela bleiben die Konzerne trotz Drängen von Präsident Donald Trump zurückhaltend.

Stand:

Die amerikanischen Ölproduzenten wollen im Iran aktiv werden, sollte das Regime stürzen. Gleichzeitig bleiben sie bei Venezuela trotz Drängen von US-Präsident Donald Trump skeptisch – die Infrastruktur dort sei nach jahrelanger Vernachlässigung marode.

Die US-Ölindustrie sei bereit, im Iran eine „stabilisierende Kraft“ zu werden, falls das Regime dort falle, sagte Mike Sommers, Präsident des American Petroleum Institute (API), am Dienstag nach der jährlichen Veranstaltung „State of American Energy“ in Washington, wie „Politico“ berichtet.

Die Massenproteste im Iran seien „gute Nachrichten für das iranische Volk – es nimmt die Freiheit selbst in die Hand“, wird Sommers weiter zitiert. Trump prüft derzeit mögliche Maßnahmen gegen die iranische Regierung als Reaktion auf deren gewaltsames Vorgehen gegen die Demonstranten. Der Iran fördert derzeit als sechstgrößter Produzent weltweit bedeutende Ölmengen, sagte Sommers. Das Potenzial sei aber noch längst nicht ausgeschöpft.

China ist derzeit einer der Hauptabnehmer iranischen Öls und deckt rund ein Fünftel seines Verbrauchs mit dem Rohstoff aus dem Iran.

Ölfirmen bei Venezuela-Investitionen skeptisch

Bei Venezuela hingegen bleibt die Branche zurückhaltend – trotz massiven Drucks durch Trump. Wenige Tage nach dem US-Angriff in Venezuela hatte der US-Präsident Führungskräfte von US-Ölkonzernen gedrängt, sich in dem südamerikanischen Land mit Hunderten Milliarden Dollar zu engagieren.

Zu Beginn eines Treffens im Weißen Haus hatte Exxon-Chef Darren Woods am Freitag gesagt, die rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Venezuela machten Investitionen derzeit unmöglich. Zur Begründung verwies er unter anderem darauf, dass die Vermögenswerte des Konzerns in dem Land bereits zweimal beschlagnahmt worden seien. 

Trump drohte daraufhin, den Ölkonzern von Investitionen in Venezuela auszuschließen. „Ich mochte die Antwort von Exxon nicht“, sagte der US-Präsident am Sonntag gegenüber Reportern an Bord der Air Force One. „Ich neige wohl dazu, Exxon draußen zu halten. Sie sind mir zu clever.“

Laut Sommers vom Petroleum Institute brauche es für Investitionen in Venezuela zunächst stabile Rahmenbedingungen: verlässliche rechtliche Zusagen, sichere Betriebsabläufe und funktionierende Rechtssysteme. Das alles aufzubauen, werde dauern. „Wenn diese drei wichtigen Punkte gegeben sind, werden meiner Meinung nach Investitionen nach Venezuela fließen“, sagte der Öl-Lobbyist.

Auf der API-Veranstaltung hoben Experten hervor, wie unterschiedlich die Situation in beiden Ländern ist. Während das venezolanische sozialistische Regime die Ölanlagen über Jahre hat verfallen lassen, habe der Iran seine Förderung sogar ausgebaut. „Der Iran war in der Lage, seine Produktion trotz der aggressivsten Sanktionen, die die USA verhängen konnten, zu steigern“, sagte Kevin Book, Geschäftsführer des Energieforschungsunternehmens ClearView Energy Partners. „Stellen Sie sich vor, was sie mit westlicher Technik erreichen könnten.“

Bob McNally, ehemaliger Berater für nationale Sicherheit und Energie von Präsident George W. Bush, sagte, die Aussichten für eine Steigerung der iranischen Ölproduktion seien „völlig anders“ als die Venezuelas. „Man kann sich vorstellen, dass unsere Industrie dorthin zurückkehrt – wir würden viel mehr Öl bekommen, viel früher als aus Venezuela“, sagte McNally.

Produktion wird hochgefahren

Trotz der Skepsis fährt Venezuelas staatlicher Energiekonzern Insidern zufolge seine Ölproduktion wieder hoch. Damit reagiert das Unternehmen auf die Wiederaufnahme der Exporte unter US-Aufsicht, sagten drei mit den Vorgängen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Zuvor hatte ein striktes US-Embargo die Ausfuhren des Opec-Mitglieds fast vollständig zum Erliegen gebracht und dazu geführt, dass Millionen von Barrel in Tanks an Land und auf Schiffen festsaßen.

Mindestens drei Öltanker sollen Venezuela diese Woche verlassen haben, berichtet Reuters. Dies könnten die ersten Lieferungen im Rahmen einer Vereinbarung über 50 Millionen Barrel zwischen Caracas und Washington sein. Wegen der vollen Lager in Venezuela war die Gesamtproduktion in der vergangenen Woche auf rund 880.000 Barrel pro Tag gefallen, nachdem sie Ende November noch bei 1,16 Millionen Barrel pro Tag gelegen hatte.

Während die US-Branchenriesen skeptisch sind, haben die großen Rohstoff-Handelshäuser Trafigura und Vitol auf Anfrage der US-Regierung bereits zugestimmt, bei der Vermarktung des venezolanischen Öls zu helfen. Die Wiederaufnahme der Exporte folgt auf die Festnahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro durch die USA. Zuvor hatte lediglich der US-Konzern Chevron Öl aus seinen Joint Ventures im Land exportieren dürfen.

Venezuela verfügt mit schätzungsweise 303 Milliarden Barrel (je 159 Liter) über die größten Ölreserven der Welt. Es handelt sich dabei vor allem um Schweröl, das nur mit spezieller Technik raffiniert werden kann – mehrere Raffinerien an der US-Golfküste sind darauf spezialisiert. Trotz der enormen Reserven ist Venezuelas Ölindustrie marode. Der Wiederaufbau dürfte laut Experten Jahre dauern und Investitionen in Milliardenhöhe erfordern. (Tsp/dpa/Reuters)

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